Susanne Viktoria Haupt
4. Juni 2018

Ein Balance-Akt

Im Literarischen Salon ist heute der österreichische Schriftsteller David Schalko mit seinem neuen Roman “Schwere Knochen”zu Gast

Geschichten aus dem Wien der Nachkriegszeit: David Schalkos neuer Roman “Schwere Knochen”, Buchcover

Manche Themen sind nicht einfach. Zum Beispiel Hungersnöte, Kriege und vor allem für uns Europäer der Zweite Weltkrieg. Während die Franzosen meistens immer noch die Vichy-Regierung unter den Teppich kehren, hegen wir Deutschen einen größtenteils offenen Umgang mit unserer faschistischen Vergangenheit. Im Idealfall hat man daraus gelernt. Bei aller Vergangenheitsbewältigung gehen aber manche Dinge eben trotzdem einfach nicht. Hitler-Witze oder lässige Sprüche über Buchenwald stehen dabei ganz oben auf der Liste. Wer zu reges Interesse an der Geschichte und den Praktiken der Nazis hat – und sei es nur zu wissenschaftlichen Zwecken – wird kritisch beäugt. Das sogenannte “Tausendjährige Reich” ist nun mal ein heikles Thema und da hat weder Humor noch zu viel leidenschaftliches Interesse einen Platz. Normalerweise. Und diese Grenze wird ebenso von Künstlern und Literaten streng eingehalten. Normalerweise. Tut man dies nicht, kann man sich leicht ins Abseits katapultieren. Aber auch hier gilt: normalerweise.

Denn der österreichische Autor David Schalko hat mit “Schwere Knochen” einen Roman geschrieben, der nicht nur unmittelbar im Zweiten Weltkrieg ansetzt, sondern auch hin und wieder eine gewisse Obsession mit dem Thema impliziert. Und das sogar mit einer gehörigen Portion schwarzem Humors. Dabei werden allerdings weder die NS-Zeit, der Zweite Weltkrieg noch die Nachbeben der Nachkriegszeit in ihrem fürchterlichen und atavistischen Charakter schön geredet oder bagatellisiert. Viel mehr dient die Form der Betrachtung einzig und allein der Handlung, der Story des Romans. Sie braucht diese Betrachtungsweise und eben genau diesen Tonfall. Sich das zu trauen, ist stark. Dies aber obendrein so umzusetzen, dass man von niemanden einen auf den Deckel bekommt, ist Können. Ein literarischer Balance-Akt eben, der Schalko geglückt ist.

In “Schwere Knochen” vermischt Schalko Realität und Fiktion. Im Zentrum steht in den 1930er-Jahren eine jugendliche Bande Kleinkrimineller, die einen bekannten Nazi ausraubt. Zur Strafe kommen die Jugendlichen in die Konzentrationslager Dachau und Mauthausen und müssen dort sieben Jahre lang als Aufseher arbeiten. Dass das keine besseren Menschen aus ihnen macht, scheint vorher keinem klar zu sein. Wieder aus dem Dienst entlassen, wollen die ehemaligen Jugendlichen nun endlich ihrer wahrem Bestimmung als Vollzeit-Gangster folgen. Und Wien wird zum Schauplatz eines fantastischen Kriminalromans…

Wen diese Zeilen überzeugen, oder wer bereits von einem anderen Schalko-Roman bisher restlos überzeugt wurde, der oder die darf sich darauf freuen, heute Abend im Literarischen Salon in Hannover zu Gast ui sein. Dort wird David Schalko “Schwere Knochen” nicht nur vorstellen, sondern auch Frage und Antwort stehen und natürlich sein neues Werk ebenso signieren.

Montag, 4. Juni 2018:
“Schwere Knochen – Die Gier nach Leben nach dem Überleben: ein Nachkriegs-Wien-Roman”, Lesung und Diskussion mit David Schalko, Literarischer Salon, Königsworther Platz 1, Conti-Foyer, Beginn: 20 Uhr, Eintritt: 8 Euro, ermäßigt: 5 Euro

(Foto: Buchcover)

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Kategorien: Literatur, Tagestipps

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