Susanne Viktoria Haupt
5. Juni 2018

Untot und im Trend

Reine Unterhaltung, Mythos, falsche Vorstellung oder Voodoo? Im Forschungsinstitut für Philosophie dreht sich heute alles um Zombies

Ist mit Zombies als Thema bestens vertraut: Kulturwissenschaftler Dr. Antonio Lucci

In der Oberstufe war ich Teil der Schreibwerkstatt meiner Schule und ich habe dieser Arbeitsgemeinschaft einiges zu verdanken. Zum einen gab sie mir die Möglichkeit, zum allerersten Mal meine Texte öffentlich vorzutragen. Zum Beispiel bei der langen Nacht der Kultur in meiner Heimatstadt oder aber beim Tag der offenen Tür meiner Schule. Zum anderen fand ich in dieser Schreibwerkstatt einen meiner allerbesten Freunde. Einen Menschen, mit dem ich nun schon seit über zehn Jahren eine wunderbare Freundschaft führe. Die Ursache für den Beginn dieser Freundschaft war ganz simpel: Ein Gedicht über Zombies. Besser gesagt ein Text über Untote, der aus der Feder meines künftigen besten Freundes stammte. Dieses Gedicht wirkte in etwa so lang wie Edgar Allan Poes “The Raven” und orientierte sich auch hinsichtlich der Repititio an dem Werk des amerikanischen Dichters. Aber auch wenn Poe natürlich ein Unikat war und immer bleiben wird, hat mich selten ein Gedicht so sehr zum Lachen gebracht wie jenes über die Untoten. Daher sind Zombies bis heute häufig Teil unserer Unterhaltungen.

Sicher ist: Zombies sind längst ein fester Bestandteil unserer populären Kultur. Dieser Verankerung haben wir beispielsweise Filmen wie “Shawn of the Dead” (2004), “Die Nacht der lebenden Toten” (1968) oder “Stolz und Vorurteil und Zombies” (2016) zu verdanken. In den vergangenen Jahren waren es aber vor allem Serien wie “The Walking Dead” und “iZombie”, welche die Fans von Untoten vor die Bildschirme brachten. Der Kult um die nicht mehr ganz lebendigen und meist Gehirne verspeisenden Wesen ist allerdings noch viel älter, als wir glauben. Viele solcher Mythen, und dazu gehört auch der des Zombies, haben ihren Ursprung in der Kolonialgeschichte. Sie entsprangen jenen wilden Vorstellungen, die die meist europäischen Reisenden von den Menschen und Wesen in Übersee hatten. Schauergeschichten rund um Kannibalen, dreiköpfige Hundswesen und Zombies waren nämlich nicht nur spannend, sondern verkauften sich auch ganz gut. Voodoo praktizierende Haitianer glauben allerdings wirklich, dass es Zombies gibt und haben den Mythos so natürlich noch weiter geschürt. Diesen Ursachen und eben auch der Entwicklung des Mythos Zombie geht der Kulturwissenschaftler Dr. Antonio Lucci auf den Grund. Eingeladen wurde er vom Forschungsinstitut für Philosophie in Hannover und glücklicherweise kann das Portemonnaie dank des freien Eintritt auch zu Hause bleiben. Das Gehirn sollte allerdings mitkommen. Eine Zombie-Apokalypse steht für heute Abend glücklicherweise nicht an.

Dienstag, 8. Mai 2018:
“Zombie und Philosophie. Kulturgeschichte und Kulturtheorie eines Mythos der Gegenwart”, Vortrag von Dr. Antonio Lucci, Forschungsinstitut für Philosophie Hannover, Gerberstraße 26, 30169 Hannover, Beginn: 18 Uhr, Eintritt frei

(Foto: Pressefoto/Forschungsinstitut für Philosophie Hannover/© Antonio Lucci)

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Kategorien: Literatur, Tagestipps

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