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Dorfterror in schwarz-weiß

von Susanne Haupt      Dienstag, 27. Oktober 2009

Der deutsche Oscar-Beitrag “Das weiße Band” beschert uns einen düsteren Kino-Herbst

“Das weiße Band”, Filmplakat

Von der Kindheit in Norddeutschland: “Das weiße Band”, Filmplakat

Brutaler Patriarchismus, beeindruckende Schwarz-Weiß-Bilder, norddeutsche Idylle und die Vorkriegszeit im deutschen Kaiserreich: Seit vorletzter Woche läuft Michael Hanekes Spielfilm “Das weiße Band”, offizieller deutscher Oscar-Beitrag und Gewinner der Goldenen Palme in Cannes, in den hannoverschen Kinos. Während wir heute in einer Gesellschaft leben, wo uns die drohende Zügellosigkeit von Kindern und Jugendlichen eher Angst und Schrecken bereitet, zeigt uns Haneke das andere Extrem: In dem kleinen norddeutschen Dorf Eichenwald leben Kinder und Erwachsene kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges in einer Gemeinschaft, die von männlicher Autorität bestimmt wird.

Sämtliche Macht liegt beim ansässigen strengen Pastor (Burghart Klaußner), einem unmenschlichen Baron (Ulrich Tukur) und einem Arzt mit zwei Gesichtern (Rainer Bock), der zwar freundlich gegenüber den Kindern ist, aber andererseits seiner Haushälterin jeglichen Stolz nimmt. Der Pastor fordert die Eichenwälder Kinder und Jugendlichen auf, weiße Bänder zu tragen, als Erinnerung an die Tugend, von deren Pfad sie abgewichen sind, und schikaniert damit die sowieso schon unterdrückten Heranwachsenden. Doch die autoritäre (Höllen-)Idylle wird von mysteriösen und unerklärlichen Gewaltakten erschüttert. Der Arzt verunglückt mit seinem Pferd, indem er über ein absichtlich zwischen zwei Bäumen gespanntes Seil stolpert, der körperlich beeinträchtigte Sohn der Hebamme wird angegriffen, und fast im selben Atemzug geht eine Scheune lichterloh in Flammen auf. Nun geht der sensible Dorflehrer (Michael Kranz) den fast rituellen Taten nach, ihm im Wege steht jedoch eine schweigsame und verdrängende Gesellschaft.

Michael Haneke, der das internationale Publikum schon mit der kongenialen Adaption von Elfriede Jelineks Roman “Die Klavierspielerin” begeisterte, fordert mit “Das weiße Band” auf, die Entstehung des Faschismus zu erkennen und zeichnet die Folgen von Strafen und Misshandlungen klar nach. Gefeiert von der internationalen Presse, läuft das fast zweieinhalbstündige Historiendrama nun auch in Hannover. Davon wollen auch wir uns fesseln lassen. Aber nicht aus Bestrafung ans Bett, sondern in die hiesigen Kinosessel!

Dienstag, 27. Oktober 2009:
“Das weiße Band”, Spielfilm von Michael Haneke, D/A/F/I 2009, 144 min., Cinemaxx Nikolaistraße, Nikolaistraße 8, 30159 Hannover, Beginn: 14.45 Uhr und 20 Uhr, Eintritt: 6,50 Euro, ermäßigt: 5,50 Euro

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