Susanne Viktoria Haupt
18. Juni 2018

Liebe ist Liebe

Seitenansicht: „Love, Simon“ von Becky Albertalli

Bitte noch schnell lesen, bevor die Verfilmung in die deutschen Kinos kommt: „Love, Simon“ von Becky Albertalli, Buchcover

In den vergangenen Monaten hat ein besonderer Film zumindest schon einmal in den USA eine riesige Welle der Begeisterung ausgelöst: „Love, Simon“. Ein Film, der einer literarischen Vorlage folgt. Da „Love, Simon“ nun im kommenden Monat auch endlich in den deutschen Kinos anläuft, hat langeleine.de natürlich einen Blick in das zugrundeliegende Jugendbuch geworfen. Und eine Sache sei vorweg gesagt: Wir freuen uns schon jetzt auf die Verfilmung.

Simon ist ein normaler Junge, der im Laufe des Romans seinen siebzehnten Geburtstag feiert. Er ist gut in der Schule, hat ein angenehmes Verhältnis zu seinen Eltern, ein enges Verhältnis zu seinen beiden Schwestern, mischt bei der Theater-AG seiner Schule mit und hat eine Handvoll wirklich guter Freunde. Allen voran Leah, Nick und Abby. Nur eine Sache hat er bisher noch niemandem erzählt. Nämlich, dass er schwul ist. Nicht weil er glaubt, dass es ein Problem für seine Familie und Freunde wäre, sondern einfach, weil er selbst noch nicht so weit ist. Mit Mädchen hat er es dreimal ausprobiert, aber jedesmal musste Simon feststellen, dass das wirklich nichts für ihn ist. Und sowieso findet er es eigentlich doof und unverschämt, dass nur Homosexuelle sich bekennen müssen. Niemand hat Angst davor zu sagen, dass er heterosexuell ist.

Über Umwege erhält Simon dann aber Kontakt zu einem Jungen von seiner Schule, der sich anonym als schwul geoutet hat. Der Zeit angemessen über den heimischen Schul-Blog. Seitdem schreiben sich Simon und der Junge anonyme E-Mails. Sie wissen nicht, wer der jeweils andere ist – und unter dem Schutzmantel der Anonymität sind beide nicht nur erfrischend offen zueinander, sondern beginnen auch, sich ineinander zu verlieben. Kein Tag geht vorüber, ohne dass Simon sich fragt, wer wohl „Blue“ sein könnte. Doch vor seinen Freunden hält er diese anonyme Bekanntschaft geheim. Bis Martin aus seiner Theater-AG in der Schule einen Blick auf die E-Mails zwischen Simon und dem mysteriösen „Blue“ wirft. Und alles nur, weil Simon vergessen hatte, sich aus seinem Account auszuloggen. Da Martin großes Interesse an Simons guter Freunden Abby hat, will er ihn nun erpressen. Martin würde Stillschweigen bewahren. Vorausgesetzt, dass Simon für ihn bei Abby ein gutes Wort einlegt. Nur widerwillig geht Simon diesen erpresserischen Deal ein. Allerdings hat er die Rechnung ganz ohne Abby gemacht, denn diese hat auch nach mehrfachen Versuchen nichts für Martin übrig und der lässt nun mit einem Schlag die große Bombe auf dem Schul-Blog platzen. Und alles, was Simon noch machen kann, ist sich nun seinem unfreiwilligen Outing zu fügen…

„Love, Simon“ von Becky Albertalli ist ein herzerwärmender Roman, der einen tiefen Einblick in die Gemütslage seines Protagonisten zu werfen vermag. Man kommt nicht umhin, Simon zu lieben und mit ihm zu leiden. Und vor allem auch all jene frischen Verliebtheitsgefühle zu durchleben, die er für „Blue“ entwickelt. Albertallis Story ist eine Geschichte, die einmal mehr die Frage aufwirft, warum um Himmels Willen sich Homosexuelle „outen“ müssen und dadurch irgendwie jeder ein Stückchen Macht über die Sexualität seiner Mitmenschen gewinnt. Macht, die man nicht zu besitzen hat. Man leidet bei jedem unangemessenen Witz mit und will eigentlich nur eines: dass Simon „Blue“ findet. Oder „Blue“ eben Simon – und dass sie sich ungehindert lieben können. „Love, Simon“ zeigt, wie normal Homosexualität eigentlich ist. Dass Homosexuelle dieselben Bedürfnisse und dasselbe Begehren haben wie Heterosexuelle. Dass sie sich genauso nach Liebe, Geborgenheit und Anerkennung sehnen.

Es ist also kein Wunder, dass Hollywood-Größen wie beispielsweise Neil Patrick Harris ganze Kinos gemietet haben, damit so viele Menschen wie möglich sogar kostenfrei die Verfilmung von „Love, Simon“ sehen können. Um einfach zu zeigen, dass Liebe eben einfach Liebe ist. Und wie schmerzvoll und entblößend dieses ganze inszenierte Drama rund um das sogenannte Coming Out ist. „Love, Simon“ ist daher bei weitem nicht nur ein Buch für Jugendliche, sondern auch eines für Erwachsene, die vielleicht immer noch ein ganz falsches Bild von Homosexualität haben und diese eventuell sogar immer noch als unnormal betiteln. Und ganz nebenbei, aber nicht minder wichtig, hat Becky Albertalli nicht nur eine Geschichte konstruiert, die wichtig ist und ans Herz geht, sondern diese auch noch fantastisch niedergeschrieben.

Becky Albertalli: „Love, Simon“, 344 Seiten, Carlsen Verlag, ISBN-13: 978-3551317520, 8,99 Euro

„Seitenansicht“ erscheint in Kooperation mit der Buchhandlung Decius.

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Kategorien: Literatur

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