Sebastian Albrecht
19. Juni 2018

50 Jahre Revolution

Unter dem Titel “Ansichten einer Revolte” widmet sich im Juli eine Ausstellung in der Volkshochschule den 68ern. Im Schloss Herrenhausen wird heute die gleichnamige Essay-Sammlung vorgestellt

Ansichten der Revolte

Prägt auch weiterhin bis in die Gegenwart: das Jahr 1968

Nicht nur in Deutschland, auch in anderen Ländern steht das Jahr 1968 für den Höhepunkt der Studenten- und Bürgerrechts-Bewegungen, die in den 1960er-Jahren entstanden und teilweise bereits in den 1950er-Jahren ihren Ursprung hatten. Neben spezifischen Forderungen und Zielen wie der Gleichberechtigung der schwarzen Bevölkerung insbesondere in den USA, Demonstrationen in Japan gegen die Enteignung der Bauern, Umweltverschmutzung und Urbanisierung oder die in der Bundesrepublik Deutschland geforderte Aufarbeitung und Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, einte die Bewegungen in den einzelnen Ländern aber auch der Wunsch nach mehr Demokratie und Frieden – was sich zum Beispiel in Protesten gegen den Vietnamkrieg auch außerhalb der USA und der Solidarisierung mit dem Prager Frühling zeigte. Außerdem ging es den Beteilgten um mehr Freiheit und die Gleichberechtigung von Minderheiten. Auch richteten sich die Protestierenden gegen die allzu starren Strukturen der Generation ihrer Eltern, von denen sie sich loslösen wollten.

Fünfzig Jahre ist es nun her, der Einfluss der so genannten “68er” ist indes auch heute weiterhin spürbar. Die politische und soziale Kultur wandelte sich, Minderheiten wurden in der Öffentlichkeit präsenter, Rollenbilder wurden hinterfragt. Auch wenn die Proteste nicht alles veränderten, gaben sie doch in vielen Bereichen wie Demokratie, Emanzipation und Gleichberechtigung einen entscheidenden Anstoß, um notwendige gesellschaftliche Veränderungen voranzubringen. Das Jahr 1968 zog nicht nur bis heute wirkende Änderungen nach sich, sondern ist auch immer noch Teil kritischer und kontroverser Diskussionen. Während die einen die positiven Aspekte sehen, die für eine liberale Gesellschaft sorgten, klagen andere über Werteverfall, thematisieren den Terrorismus der RAF und die Distanzlosigkeit zu kommunistischen Despoten wie Mao Zedong oder die Stilisierung der eigenen Bewegung und werfen den “68ern” autoritäre Züge vor.

Auch an Hannover ist die 68er-Bewegung natürlich nicht vorbeigegangen. Nun, da sich die Ereignisse zum fünfzigsten Mal jähren, ist es Zeit für eine Retrospektive. “Ansichten einer Revolte. Hannover 1967-1969″ heißt die Ausstellung, die vom 5. Juli bis zum 22. August in der Ada und Theodor Lessing-Volkshochschule Hannover gezeigt wird. Diese wird von einem vielseitigen Veranstaltungsprogramm aus Musik, Theater, Filmen, Vorträgen und Lesungen begleitet, die eine detaillierte Sicht auf die 68er-Bewegung bieten soll. Im Schloss Herrenhausen findet heute Abend die Vorstellung des gleichnamigen Buches statt, einer Essay-Sammlung, die die Ausstellung begleiten soll.

Dienstag, 19. Juni 2018:
“Ansichten einer Revolte. Hannover 1967-1969″, Vortrag und Diskussion, Schloss Herrenhausen, Herrenhäuser Straße 4, 30419 Hannover, Beginn: 19 Uhr, Eintritt frei

Das Veranstaltungsprogramm im Überblick:
Ansichten einer Revolte – das Programm

Flyer zur Ausstellung und Programm der VHS:
Programm der Ada und Theodor Lessing-Volkshochschule Hannover

(Foto: Pressefoto/Ausstellungsflyer)

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Kategorien: Politik, Tagestipps

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