Enter the dragon
von Henning Chadde Mittwoch, 28. Oktober 2009All hail, Drachenkraft: Die Londoner Power-Speed-Melodic-Metaller DragonForce laden heute im Kulturzertrum Faust zur Hochgeschwindigkeits-Rutsche

Mit Speed Licks, Plastik-Schwert und Wumme immer ordentlich auf die Umme: DragonForce
Jesus, diese Burschen sind schnell. Unheimlich schnell. An ihren Instrumenten unterwegs. Nenn es Power-, Speed- oder Melodic-Metal - die nahezu hammerkranken Saiten-Raser und Drumkick-Treter der Londoner Matten-Fraktion DragonForce sausen in einer derart wahnsinnigen Geschwindigkeit durch ihre Sound-Universen, als wenn der Leibhaftige persönlich auf einer Pershing II hinter ihnen her wäre. Zur Abwehr werfen die sechs Mannen um Frontdüse ZP Theart dem Gehörnten Tonnen von Kaskaden-Soli, panzerdicke Mosh-Riffings, beinahe durchgängige Blastbeats und Double-Bass-Attacken bis zum Abwinken entgegen, gepaart mit einem hochmelodischen, mehrstimmigen Gesang, der dem metallischen Tirilieren ebenso nahe zu stehen scheint wie dem Kastraten-Goldkehlchen. Ganz ehrlich: Mehr kann man gegen Mr. Teufel auch nicht tun. Denn wer es bei dieser schier wahnwitzigen Verquickung von musikalischen Unwahrscheinlichkeiten nicht mit der Angst zu tun bekommt, dem ist nicht mehr zu helfen.
Zum einen bekommen selbst Gitarren-Altmeister wie Metallicas Kirk Hammett feuchte Augen der Verzweifelung beim Lauschen der dragonforceschen Speed-An- und Ausfälle. O-Ton: “Die Jungs sind die schnellsten Gitarristen, die ich je gesehen habe. Sie spielen wie Yngwie Malmsteen auf Steroiden!” Zum anderen kriegen gestandene Metaller und Noise-Spezialisten ob der beinahe schon Spinal-Tab-mäßigen Klischee-Peitsche der Dragonforcler garantiert Plaque auf den Zähnen, während selbige wiederum vor Angst klappern. Schenkt man der internationalen Hardrock- und Metal-Presse Glauben, dann stehen genau diese im Nähmaschinentakt abklöppelnden - und nicht nur im übertragenen Sinne säbelrasselnden - Drachen-Kraftmeier für das frische Blut und die glorreiche Zukunft des - in diesem speziellen Falle wie auch immer musikalisch gearteten - Schwermetall-Genres. Gott bewahre. Oder eben Teufel. Hauptsache, einer kümmert sich drum. Denn gegen diese geballte Plastik-Power kann selbst die Vorband des Abends, die Würzburger Breitbein-Tanzkapelle The New Black (sic!) nichts, aber auch rein gar nichts ausrichten. Auch, wenn sie sehr trefflich auf Klein-Metallica machen.
Wie auch immer: Die letzte Schlacht um die Zukunft des Metal hat anscheinend begonnen, und eines sei an dieser Stelle verraten: Es sieht hart aus. Richtig hart. Mit der Zukunft. Heilung geht jedenfalls gänzlich anders. Aua. Der Verfasser dieser Zeilen beißt zur Nervenberuhigung besser erstmal ein paar unschuldigen Weingummi-Fledermäusen die Köppe ab. Der alten Zeiten wegen. Besser so, denn sonst gäbe es als Alternative nur noch die Tischplatte. Obwohl: Doppelt hält ja bekanntlich besser…
Mittwoch, 28. Oktober 2009:
Dragonforce, Support: The New Black, Kulturzentrum Faust, 60er-Jahre Halle, Zur Bettfedernfabrik 3, 30451 Hannover, Beginn: 21 Uhr, Eintritt: 20 Euro
Holla, die Sound-Waldfee:
www.myspace.com/dragonforce
www.myspace.com/thenewblackofficial
(Foto: Pressefoto)
Rubrik: Tagestipps, Unrat, Musik
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