Jörg Smotlacha
5. Juli 2018

Von Blicken und Störungen

Im Sprengel Museum ist derzeit der erste Teil einer Ausstellungsreihe zur Geschichte der Fotografie zu sehen

Giuseppe Penone: "To Turn Upside Down Your Own Eyes", 1970

Ausdrucksstark: “To Turn Upside Down Your Own Eyes” von Giuseppe Penone, 1970

Wie ist die Geschichte der Fotografie zu lesen? Wie lässt sich ihre Geschichte nach dem “Ende der großen Erzählungen” überhaupt begreifen? Walter Benjamin hatte in seinem 1931 veröffentlichten Aufsatz “Kleine Geschichte der Photographie” noch den Begriff der Aura geprägt, die als Phänomen, auch schon in der Daguerreotypie und frühen Porträt-Fotografie zu finden war, später setzte er sich bekanntermaßen besonders mit der techischen Reproduzierbarkeit von Kunst auseinander, die gerade in der Fotografie eine dominante Rolle spielen sollte. Knapp einhundert Jahre später stellen sich viele Fragen allerdings noch einmal ganz anders. Im Zeitalter der medialen Überfrachtung gilt es vor allem darum, zu verstehen, welchen Bildern man überhaupt noch trauen darf.

Aus künstlerischer und kunsthistorischer Sicht ist aber eine erneute Einordnung erst recht spannend – und so setzt sich das Sprengel Museum Hannover im ersten Teil einer mehrteilig konzipierten Ausstellungsserie “Kleine Geschichte(n) der Fotografie” mit wesentlichen Begriffen einer möglichen alternativen Fotografie-Geschichtsschreibung auseinander und stellt ihre Verschiedenartigkeit dar. Die Ausstellung ist unterteilt in die Bereiche “Abstraktion”, “Bewegung”, “Bild-Gebäude”, “Blick”, “Weiblicher Körper” und “Re:Produktion”. Zu sehen sind Werke von Lynda Benglis, David Claerbout, Jan Dibbets, Valie Export, Claus Goedicke, Andreas Gursky, Gottfried Jäger, Barbara Kasten, Sherrie Levine, Giuseppe Penone, Thomas Ruff, Edward Ruscha, Katharina Sieverding, Jörg Sasse, Hannah Villiger, Christopher Williams sowie eine “Störung” von Franz de Hamilton und ein begleitender Beitrag von Adrian Sauer.

Donnerstag, 5. Juli 2018:
“Kleine Geschichte(n) der Fotografie (#1)
. Eine Ausstellung in mehreren Kapiteln”, Sprengel Museum, Kurt-Schwitters-Platz, 30169 Hannover, geöffnet: 10-18 Uhr, Eintritt: 7 Euro, ermäßigt: 4 Euro

  • Die Ausstellung ist noch bis zum 2. September zu sehen
  • Öffnungszeiten: Di 10-20 Uhr, Mi bis So 10-18 Uhr
  • freitags Eintritt frei

(Foto: Pressefoto/Giuseppe Penone: “To Turn Upside Down Your Own Eyes”, 1970/Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz/Copyright: VG Bild-Kunst, Bonn 2018)

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Kategorien: Kunst, Tagestipps

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