Susanne Viktoria Haupt
4. August 2018

Kampf um die Wahrheit

Das Apollo-Kino zeigt mit „Die Verlegerin“ heute einen ebenso brisanten wie brillant besetzten Film

Overrated? Von wegen! In „Die Verlegerin“ läuft Meryl Streep erneut zu Höchstform auf

In Zeiten, in denen Schlagworte wie „Fake News“ sehr zentral sind, ist es manchmal ganz nett, wenn man daran erinnert wird, was eine gute freie Presse eigentlich leisten kann. Schnell vergisst man nämlich jene Momente, in denen die Presse nicht nur um ihre eigene Freiheit gekämpft hat, und diese auch ungern hergibt, sondern auch darum gekämpft hat, das jeweils betroffene Volk adäquat zu informieren. Genau das thematisiert Hollywood-Altmeister Steven Spielberg, mit ihm reisen wir samt seinem neuesten Kassenschlager „Die Verlegerin“ zurück ins Jahr 1971 und zwar direkt nach Washington, USA.

Katharine Graham (gespielt von Meryl Streep) ist nach dem Tod ihres Mannes dazu gezwungen, sowohl die verlegerischen Tätigkeiten der Washington Post Company als auch einen Sitz im Vorstand zu übernehmen. Diese durch und durch von Männern besetzte Domäne stand jedoch nicht gerade ganz oben auf ihrer Liste und für eine Frau war es in den 1970er-Jahren nochmal eine Schippe schwieriger als heute, so eine Position zu besetzen. Auch wenn man das kaum glauben mag. Doch eines Tages landen auf dem Schreibtisch des Journalisten Ben Bradlee (Tom Hanks) ganz brisante Informationen. Es ging dabei um geheime Akten der US-Regierung über den Verlauf des Vietnam-Kriegs. Aus diesen Akten kann deutlich entnommen werden, dass die US-Regierung sogar bereits in Zeiten, in denen sie jegliches Interventionsvorhaben in Vietnam bestritten hat, schon den festen Vorsatz hatte, Krieg zu führen. Und auch, dass der Vietnam-Krieg so hohe Verluste mit sich getragen hat, dass er in keiner Weise noch weiterzuführen war. Aber die US-Regierung wollte diesen Krieg auf Biegen und Brechen gewinnen und ihren Feind ausbluten lassen.

Keine leichte Kost. Weder für Bradlee noch für die neue Verlegerin Graham. Zumal mit diesen Papieren durchaus Menschen belastet werden, die Graham persönlich kennt und schätzt. Dennoch entscheidet sie sich mutig für eine Veröffentlichung, um die Öffentlichkeit über die falschen Informationen von Seiten der Regierung aufzuklären. Ein nobler Zug, der jedoch nicht nur Bradlee wegen Hochverrats ins Gefängnis bringen, sondern auch die gesamte Washington Post in einem Rutsch in den Abgrund stürzen könnte. Und so beginnt ein erbarmungsloser Kampf um Wahrheit und Freiheit.

Es ist kein Wunder, dass die beiden Hauptdarstellerinnen und -darsteller in „Die Verlegerin“ mit Meryl Streep und Tom Hanks besetzt wurden. Zum einen zählen beide nicht nur zu den erfolgreichsten, sondern auch zu den konstant besten Schauspielerinnen und Schauspielern Hollywoods. Ein Drehbuch kann noch so schlecht sein, ein Hanks oder eine Streep kann es auf Erfolgskurs bringen. Egal ob Feel-Good-Komödie, wie „Mamma Mia!“ (Streep) oder ernstes Drama wie „Forrest Gump“ (Hanks) – diese beiden können einfach alles. Das beweist eine ziemlich lange Liste von Nominierungen und Gewinnen sämtlicher wichtiger Filmpreise der Welt. Aber „Die Verlegerin“ scheint auch eine klare Botschaft an den derzeit amtierenden US-Präsidenten Donald Trump zu sein. Denn der haut der Menschheit gerade den Ausdruck „Fake News“ nur zu gerne um die Ohren und versucht die Presse, auf jede nur erdenkliche Weise zu denunzieren. Und Hanks und Streep aber sind beide bekennende Trump-Gegner und vor allem Streep geriet mit dem motzenden Kleinkind im Anzug auch schon real aneinander.

„Die Verlegerin“ ist brisantes Kino auf hohem Hollywood-Niveau. Daran hat natürlich auch Regisseur Spielberg einen erheblichen Anteil. An den Haaren herbeigezogen ist die Story ebenfalls nicht. Die Pentagon-Papiere, um die es im Film geht, sind und waren real und rüttelten seinerzeit am Stuhl von Präsident Nixon. Zu sehen ist der mehrfach für einen Oscar nominierte Film heute im Apollo-Kino in Linden.

Samstag, 4. August 2018:
„Die Verlegerin“, Spielfilm von Steven Spielberg, USA 2017, 115 min., Apollo-Kino, Limmerstraße 50, 30451 Hannover, Beginn: 20.15 Uhr, Eintritt: 8 Euro, ermäßigt: 7 Euro

  • weitere Vorstellungen:
  • Montag, 6. August, 17.45 Uhr
  • Mittwoch, 8. August, 20.15 Uhr
  • Samstag, 1. September, 20.15 Uhr
  • Monntag, 2. September, 18 Uhr
  • Mittwoch, 5. September, 18 Uhr

(Foto: Filmplakat)

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Kategorien: Film, Tagestipps

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