Susanne Viktoria Haupt
30. Juli 2018

Gemeinsam gegen Bildungsarmut

Seitenansichten Spezial: Die Bücher-Boxen von „Librileo gemeinnützig“

Für Sarah Seeliger und Julius Bertram ist das Vorlesen nicht nur ein wichtiger Bestandteil des eigenen Familienlebens, sondern auch der Kern von „Librileo gemeinnützig“

Aufmerksame Leser von langeleine.de wissen, dass ich selbst Mutter bin. Mein Sohn geht mittlerweile auf die 13 Jahre zu und ist ein echter Bücherwurm. Ihm ist kein Buch zu dick und für jede noch so kurze Reise kommt eine gut gepackte Büchertasche mit. Die Liebe zur Literatur kann natürlich ein wenig in den Genen liegen, aber einige wichtige Grundsteine haben wir als Eltern gelegt. Als unser Sohn auf die Welt kam, steckten wir mitten in einem Umzug. Das Einzige, was ich zum Vorlesen greifen konnte, waren ältere Ausgaben der Musikzeitschrift Visions und die Nibelungensagen. Das war uns aber völlig egal, wir haben munter daraus vorgelesen. Jeden Abend saßen wir an dem Bett meines Sohnes und lasen vor. Mal aus „He Duda“, mal aus „Grünes Ei mit Speck“, mal die Geschichten vom reiselustigen Hasen Felix. Und selbst noch heute, obwohl er mittlerweile selbst Bücher mit über 400 Seiten verschlingt, lesen wir uns ab und an etwas gemeinsam vor. Wenn er krank ist, wenn er einen blöden Tag hatte oder aber mit den Großeltern ein paar Tage Urlaub macht. Dann setze ich mich abends mit dem Telefon auf meinen Lese-Sessel und schlage ein Buch auf. Kein Wunder also, dass hier ein Bücherregal nach dem anderen Einzug erhält.

Vorlesen als wichtiger Baustein

Dieses Glück haben aber leider nicht alle Kinder und das liegt keineswegs daran, dass betreffenden Eltern ihre Kinder egal sind. Manchmal fehlt einfach das Geld für Bücher und der Gang zur Bibliothek ist im Angesicht der eigenen Notlage nicht zu meistern. Manchmal kennen die Eltern das Vorlesen nicht mal aus der eigenen Kindheit. Und so ist es leider eine traurige Wahrheit, dass mittlerweile 55 Prozent der Eltern ihren Kindern in den ersten zwölf Monaten nur unregelmäßig vorlesen. 28 Prozent lesen in den ganzen ersten drei Lebensjahren ihren Kindern nur unregelmäßig vor. Das liegt in diesem Falle auch nicht daran, dass der Wert des Vorlesens unterschätzt wird. Laut Stiftung Lesen schreiben rund 91 Prozent der Menschen dem Vorlesen eine positive Entwicklung auf das Kind zu. Neben diesem wunderbaren Moment zwischen Eltern und Kind fördert das Vorlesen natürlich auch klar die Sprachentwicklung, die Geduld und Konzentrationsfähigkeit. Für viele ist es aber neben dem finanziellen Aspekt auch schwierig, die passende Buch-Auswahl zu treffen. Es ist also leicht, zu sagen, dass Eltern doch bitte ihren Kindern vorlesen sollen, wenn man nicht genau weiß, wann man damit anfangen soll, welche Bücher man wählen sollte und wie man dies finanzieren kann.

Die Richtigen erreichen

Diesen Mangel haben Sarah Seeliger und ihr Lebensgefährte Julius Bertram erkannt. Beide sind mittlerweile Eltern von drei Kindern, und Vorlesen ist ein fester Bestandteil des Familienlebens. 2013 gründeten sie „Librileo“ als Start Up. Kern der Geschäftsidee war ein Box-Abo mit Kinderbüchern für Familien zu erschaffen, welche den Eltern die altersgerechte Auswahl abnimmt. Nun ist das natürlich bereits eine schöne und lobenswerte Sache, allerdings reichte das Sarah und Julius einfach nicht. „Uns ist ziemlich schnell aufgefallen, dass Eltern, die sich ein Kinderbuch-Abo leisten, bereits wissen, wie wichtig Bücher für die Entwicklung von Kindern sind“, so Sarah im Interview mit langeleine.de. Es galt nun genau jene Familien zu erreichen, die kaum finanzielle Mittel für ein Kinderbuch-Abo haben und damit nicht oder nur unzureichend diesen wichtigen Grundstein für ihre Kinder legen können. „Librileo“ musste sich demnach einer Weiterentwicklung unterziehen und vom Start Up zum gemeinnützigen Unternehmen werden. Denn nur so konnte der bestmögliche Beitrag zur Bekämpfung von Bildungsarmut beigesteuert werden.

Liebevoll und altersgerecht ausgewählt: Die Bücherboxen von Librileo machen sofort Lust auf mehr

Viel mehr als nur ein Buch-Paket

Aber was ist denn nun genau das, was „Librileo gemeinnützig“ bietet? Finanziert über das Bildungs- und Teilhabe-Paket des Jobcenters können beispielsweise Familien, die von Sozialleistungen leben, Bücher-Boxen von „Librileo“ beziehen. Diese Bücher-Boxen richten sich vornehmlich an Kinder zwischen null und sechs Jahren. Gemeinsam mit einem Team aus mittlerweile zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern planen Sarah und Julius die altersgerechten Buch-Pakete. „Zum Beispiel haben wir Bücher wie „Gute Nacht Gorilla“ für Babys zum Thema Einschlafen oder „Mein erstes Zahnputz-Buch“ zum Thema Zähneputzen, „Mein Lieblingsbuch fürs Töpfchen“ sowie weitere thematisch abgestimmte Fühl- und Klapp-Bücher. Für die etwas größeren Kinder haben wir Papp-Bücher wie „Leo Lausemaus will nicht aufräumen“ passend zum Thema Aufräumen und Sauberkeit oder „Der Regenbogenfisch.“ Weiter geht es mit den Themen Toleranz, Streiten und Vertragen und Teilen mit Büchern wie „Knut hat Wut“ oder „Der Bär am Klavier“ von David Litchfield“, erzählt uns Sarah. Aber auch Vorschul-Klassiker wie „Der Grüffelo“ sind mit im Programm.

Eine gute Sache aus Berlin – auch für Hannover

Bei den Bücher-Boxen bleibt es für das Team aber natürlich nicht. Obgleich „Librileo“ seinen Hauptsitz in Berlin hat, möchte man auch in anderen Städten, darunter auch Hannover, noch aktiver werden. Dafür bietet „Librileo“ beispielsweise KiTa-Workshops an und möchte vor allem auch kostenfreie öffentliche Lese-Stunden in Familienzentren und anderen Einrichtungen organisieren. So sollen die Jüngsten nicht nur ihre ersten Lesungen besuchen können, sondern die Eltern auch auf das Angebot des gemeinnützigen Unternehmens aufmerksam gemacht werden. Und worauf können sich die angehenden Bücherwürmer in Hannover freuen? „In Hannover sind natürlich auch Lese-Stunden in öffentlichen Einrichtungen geplant. Familienzentren, Bibliotheken und andere Institutionen können sich gerne bei uns melden, wenn sie auch eine Lesestunde in ihr Programm aufnehmen möchten. Zu den Lesestunden für Groß und Klein sind alle herzlich willkommen, die sich für das gemeinsame Lesen und Bücher begeistern“, erzählt uns Sarah.

Für dieses Engagement gibt es von langeleine.de fünf von fünf Sternen. Und auch, wenn sich dadurch die Bildungsarmut in Deutschland wahrscheinlich nicht vollständig bekämpfen lassen wird, ist es allemal besser, als nichts zu tun.

weitere Informationen:
www.librileo-gemeinnuetzig.de

„Seitenansicht“ erscheint in Kooperation mit der Buchhandlung Decius.

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Kategorien: Literatur

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