Milena Wurmstädt
8. August 2018

Jugend rettet – jetzt nicht mehr

Das Kino am Raschplatz zeigt heute eine Dokumentation über das Seenoot-Rettungsboot „Iuventa“

"Iuventa", Filmplakat

Immer bereit Menschenleben zu retten, nun beschlagnahmt: die Iuventa auf hoher See

In den letzten Wochen gab es auch in Hannover Aktionen zum Thema Seenot-Rettung auf dem Mittelmeer. Bei einer Demonstration baumelte unter anderem ein riesiges Transparent vom Pressehaus, und auf der Lister Meile veranstalteten orange gekleidete Menschen einen Flashmob, bei dem sie allesamt schweigend und Plakate haltend 15 Minuten lang in einem auf dem Boden aufgemalten Schiff standen.

Keine Frage: Das Thema Seenot-Rettung ist brandaktuell, nicht erst seit der Kapitän der „Lifeline“ angeklagt wurde. 2015 gründete sich der Verein „Jugend Rettet“ in Berlin. Die jungen Menschen renovierten einen alten Fischkutter, nannten ihn „Iuventa“ und stachen schließlich ein Jahr später in See. Seitdem retteten sie etwa 14000 Menschen das Leben. 2017 kam dann der Schock: Die Iuventa wurde beschlagnahmt. Der Vorwurf lautete: Zusammenarbeit mit Schlepperbanden. Bis heute wurde jedoch keine Anklage gegen die Organisation erhoben. Grund für den Vorwurf war wohl ein Foto, auf dem ein Schnellboot von „Jugend Rettet“ zu sehen war, ein offenbar mit Geflüchteten überfülltes Schlauchboot und ein drittes Boot, von dem aus sich zwei Männer an dem Motor des Boots der Geflüchteten zu schaffen machten.

Ob der Vorwurf auch daher rührt, dass „Jugend Rettet“, wie viele andere NGOs auch, nicht bereit war, den sogenannten „Code of Conduct“ der italienischen Regierung zu unterschreiben, ist nicht bekannt. Die Konvention beinhaltet unter anderem, dass Gerettete nicht an andere Schiffe übergeben werden sollen, wie es bisher die Regel war. Sondern von der Crew des Schiffes, das gerettet hat, an Land gebracht werden müssen. Der damit verbundene Aufwand ist jedoch für die meisten NGOs personell und finanziell nicht tragbar. Darüber hinaus wird der italienischen Regierung von unterschiedlichen Seiten vorgeworfen, dem internationalen Seerecht zu widersprechen.

Der Regisseur Michele Cinque begleitete die Organisation „Jugend Rettet“ ein Jahr lang durch alle Höhen und Tiefen. Entstanden ist der Film „Iuventa“, der heute im Kino am Raschplatz gezeigt wird. Als Gäste sind bei der Film-Vorstellung der Landesbischof Ralf Meister, der Produzent Christoph Brüning und drei Crew-Mitglieder anwesend.

Mittwoch 8. August 2018:
„Iuventa“, Dokumentarfilm von Michele Cinque, I/D 2018, 86 min., OmU (Englisch, Arabisch), Kino am Raschplatz, Raschplatz 5, 30161 Hannover, Beginn: 18 Uhr, Eintritt: 9 Euro, ermäßigt: 8,50 Euro

(Foto: Filmplakat)

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Kategorien: Film, Politik, Tagestipps

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