Marcel Seniw
24. August 2018

Auf in die zweite Saison nach dem Wiederaufstieg!

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Auftaktspiel der Bundesliga-Saison 2018/19 beim SV Werder Bremen

Freut sich auf den Saison-Auftakt mit Hannover 96: Torjäger Niklas Füllkrug

Lange leise gewesen? Nein, langeleine.de! Aber ja, die Sommerpause verpasste unser aller Lieblings-96-Kolumne leider mal wieder einen Maulkorb. Umso schöner ist es, dass es auf langeleine nun nicht mehr länger leise um Hannover 96 bleiben wird, denn ab dem morgigen Samstag gehen die Roten endlich wieder auf Punktejagd. Das erste Spiel der Saison 2018/19 wird 96 an der Weser bestreiten, doch bevor wir uns dem ersten Gegner widmen, gilt es, noch den einen oder anderen Sachverhalt der Sommerpause aufzuarbeiten. Also dann mal auf ins Abseits!

Die Transfers

Salif Sané, Martin Harnik, Felix Klaus, Kenan Karaman, Manuel Schmiedebach, Florian Hübner, Jonathas, Charlison Benschop, Sebastian Maier – Hannover 96 hat sich in diesem Sommer gleich von neun Spielern getrennt, auch wenn Rekord-Transfer und -Flop Jonathas an die Corinthians Sao Paulo zunächst nur ausgeliehen ist. Weitere Abgänge sollen eigentlich noch folgen: Babacar Gueye und Uffe Bech dürfen sich einen neuen Verein suchen. Dem entgegen stehen die Neuzugänge Genki Haraguchi, Takuma Asano, der aus der eigenen Jugend hochgezogene Linton Maina sowie die W-Fraktion bestehend aus Leo Weinkauf, Kevin Wimmer, Bobby Wood und Walace. Und dann wäre da ja noch das Märchen von Hendrik Weydandt. Aber der Reihe nach…

Jonathas

Der Rekordtransfer Jonathas konnte die in ihn gesteckten Erwartungen auch jenseits seines millionenschweren Kaufpreises letzte Saison nicht ansatzweise erfüllen – und aufgrund seiner vielen Ausfälle wurden die ersten Felipe-Vergleiche schnell herangezogen. Die Trennung vom Wandervogel war somit eine logische Konsequenz, und da Niclas Füllkrug, an dem Borussia Mönchengladbach mit einem 18 Millionen-Angebot und auch einige Vereine aus England interessiert gewesen seien sollen, letzte Saison bewiesen hat, dass er für 10 plus x Tore gut ist, kann man mit dem Abgang von Jonathas am Maschsee ganz gut leben. Schwerer wiegen da andere Transfers, allen voran der Abgang von Publikumsliebling Salif Sané.

Klaus und Haraguchi

Der Abgang von Felix Klaus zum VfL Wolfsburg beispielsweise ist auch so einer, über den man reden muss. Klaus spielte eine gute letzte Saison, unvergessen sein traumhafter Freistoß beim 4:2-Heimerfolg über vogelwilde Dortmunder, doch dann schloss er sich dem VFL Wolfsburg an. Für die Außenbahn konnte 96 sich aber nun die Dienste des Ex-Herthaners Genki Haraguchi sichern. Haraguchi kennt die Bundesliga und ist mit 4,5 Millionen Euro bei den heutigen Transfer-Gebahren fast schon ein Schnäppchen – wir reden schließlich von einem Spieler, der im WM-Achtelfinale gegen Belgien den Führungstreffer erzielt hat. Haraguchi ist schnell und flexibel im offensiven Mittelfeld einsetzbar – ebenso, wie es auch Felix Klaus war.

Linton Maina

Ebenfalls für die Außenbahn wurde Eigengewächs Linton Maina in die Profi-Mannschaft hochgezogen. Der 19-Jährige ließ an den letzten Spieltagen der vergangenen Saison bereits in Ansätzen durchblicken, dass er viel Potenzial in sich trägt. Zuletzt zeigte er bei der Saisoneröffnung gegen Athletic Bilbao, warum André Breitenreiter ihn zu den Profis holte: Vor dem Treffer zum 2:0 durch Takuma Asano fing Maina den Ball an der Mittellinie ab, zündete den Turbo, tunnelte einen Gegenspieler und schickte schließlich Asano steil in den Strafraum, der direkt verwandelte. Die Anlagen sind gegeben, die ersten Vergleiche mit Supertalent Leroy Sané von Manchester City, den Breitenreiter bei Schalke 04 entdeckt hatte, sind jedoch überzogen. Maina wird seine Spielzeit bekommen, ebenso wie Pausen. André Breitenreiter wurde nicht müde in den Pressekonferenzen zu betonen, dass er seinen Schützling behutsam aufbauen werde.

Takuma Asano

Wie bereits angerissen, gehört auch Takuma Asano zu den Neuen bei Hannover 96. Letzte Saison war der Spieler des FC Arsenal London noch an den VfB Stuttgart ausgeliehen, konnte sich dort aber nicht so recht durchsetzen. Seinen einzigen Liga-Treffer erzielte er gegen Hannover, was die Verantwortlichen vielleicht aufhorchen ließ. Asano ist pfeilschnell, verfügt über eine gute Technik und spielt bei André Breitenreiter die hängende Spitze hinter Füllkrug – mit allen Freiheiten. Der Japaner kann aber auch über die Außenbahnen kommen. Leider ist der Harnik-Ersatz nur ausgeliehen. Dass Asano Knipser Harnik auch ersetzen kann, bewies er zuletzt im DFB-Pokal, wo er einen sehenswerten Treffer erzielte und fast schon klausesk einen Elfmeter provozierte.

Die W-Fraktion

Ebenfalls auf der Harnik-Position als hängende Spitze fühlt sich Bobby Wood wohl. Der US-Amerikaner hat eine schwere Zeit beim HSV hinter sich, seine Formkurve zeigte in den Tests und beim DFB-Pokalspiel in Karlsruhe aber zuletzt positive Tendenzen auf. Ebenfalls vom HSV kam Walace – im Gegensatz zu Wood wurde der brasilianische Goldmedaillen-Gewinner von 2016 jedoch fest verpflichtet. Das Zusammenspiel von ihm und Pirmin Schwegler funktionierte zuletzt ausgesprochen gut. Hier könnte sich ein neues Top-Duo auf der Doppel-Sechs gefunden haben. Der Abgang von Ex-Kapitän und Bankdrücker Manuel Schmiedebach wurde jedenfalls mit Qualität aufgefangen. Mit Leo Weinkauf wurde ein Torhüter mit Perspektive verpflichtet, er könnte in Zukunft langsam zur Nummer 1 reifen. In die größten Fußstapfen wird aber Stoke-City-Leihgabe Kevin Wimmer treten müssen, schließlich ist er der designierte Nachfolger von Salif Sané. Für Wimmer gibt es eine Kaufoption, die bei 12 Millionen Euro liegen soll. Doch wenn Wimmer die Leistung aus dem DFB-Pokal bestätigen kann (der Österreicher erzielte das 1:0 per Kopf), könnte er tatsächlich zu einem würdigen Nachfolger werden.

Auf den Spuren von Miro Klose

Und dann ist da noch dieser fast schon märchenhafte Aufstieg eines bis vor kurzem völlig unbekannten Stürmers aus der Region Hannover, der natürlich auch noch mit W beginnt: Hendrik Weydandt. Der 23-Jährige spielte vor vier Jahren noch in der Kreisliga, wurde dort in seinem ersten Jahr Torschützenkönig. Sein Weg führte ihn von dort direkt in die Oberliga zum 1. FC Germania Egestorf/Langreder, mit dem er in die Regionalliga aufstieg. Letztes Jahr erzielte er 15 Treffer für die Germanen, knipste unter anderem auch gegen die 96-Reserve. Zu dieser wechselte er in diesem Sommer, doch aufgrund von Personalmangel – Wood war noch nicht geliehen – lud André Breitenreiter Weydandt ins Trainingslager an die Nordsee ein. Dort hinterließ er einen so bleibenden Eindruck, dass er fortan bei den Profis mittrainierte. Eine Vorbereitung, in der er nach Niklas Füllkrug zweitbester Torschütze war. Schließlich knipste Weydandt bei seinem Profi-Debüt im DFB-Pokal nach der späten Einwechslung in der 82. Minute doppelt. Wie weit dieses Märchen gesponnen werden kann, ist unklar. Seinne ersten Profivertrag wird Weydandt aber wohl schon bald unterzeichnen. Eine auch nur halb so erfolgreiche Karriere wie die von WM-Rekordtorjäger Miroslav Klose, der mit 20 Jahren noch in der Bezirksliga kickte, ist dem 1,95 Meter großen Hünen jedenfalls zu wünschen.

Der Trainer

Wenn es nach Trainer André Breitenreiter geht, der erst kürzlich seinen Vertrag bis 2021 verlängerte, dann müsste Hannover 96 auf dem Transfermarkt aber noch einmal tätig werden. Denn Innenverteidiger Timo Hübers riss sich in der Vorbereitung das Kreuzband, wird mindestens neun Monate ausfallen. Ein neuer Abwehrspieler soll also mindestens noch kommen, neben Timm Klose von Norwich City wird auch Papy Djilobodji vom AFC Sunderland mit 96 in Verbindung gebracht. Den Wunsch nach einem Innenverteidiger wird Horst Heldt seinem Trainer wohl erfüllen, den nach einem weiteren Außenbahnspieler wohl eher nicht. Heldt wolle Spielern wie Linton Maina den Weg nicht verbauen, vielmehr die Entwicklung fördern, hieß es zuletzt.

Die Vorbereitungsspiele

Die Vorbereitungsphase auf die kommenden Saison lief gut bei Hannover 96. In neun Testspielen gingen die 96er achtmal als Sieger vom Platz und erlitten nur einer Niederlage. Diese setzte es im Testspiel gegen den Wolfsberger AC (2:3). Während manches Testspiel wenig Aussagekraft besitzt, wie gegen die Eiderstedt-Auswahl während des St.-Peter-Ording-Trainingslagers, rückten vor allem die Tests gegen PEC Zwolle (3:1), Udinese Calcio (5:1 und 2:1) sowie Athletic Bilbao (2:0) in den Fokus. Hier zeigte sich Breitenreiters Mannschaft in Spiellaune und treffsicher.

Der Auftakt im DFB-Pokal

Obwohl man befürchten musste, dass das Team nach dem großen Aderlass Zeit brauchen würde, um in die Spur zu finden, dominierte Hannover 96 beim ersten echten Härtetest gegen den Karlsruher SC im DFB-Pokal von Beginn an. Zudem trafen mit Wimmer, Asano und Weydandt drei Neuzugänge. Gegen den KSC zeigte sich zudem ein neuer Trumpf im 96-Spiel: Mit Maina, Asano und Bebou hat 96 eine so brutal schnelle Offensivreihe hinter Niclas Füllkrug, dass 96 in dieser Saison zu einer fiesen Kontermaschine werden könnte. Neun Sekunden pro Angriff reichten ja schon einmal in Hannover, um erfolgreichen Fußball zu spielen und sich fürs internationale Geschäft zu qualifizieren.

Erfolgreiche Integration

Erfreulich festzuhalten bleibt jedenfalls, dass die Neuzugänge scheinbar schnell integriert werden konnten: Walace und Schwegler harmonieren bereits, Asano wirbelt gegnerische Abwehrreihen durcheinander, Wimmer ist stark bei Standards und steht hinten wie ein Fels, Maina ist frech wie Oskar, Weydandt schreibt an seinem Märchen weiter und Wood streift so langsam den HSV-Ranzen von seinem Rücken ab. Einzig Genki Haraguchi muss noch zeigen, warum er 4,5 Millionen Euro kostete. Da der WM-Fahrer aber auch erst spät ins Training einstieg und dann mit muskulären Problemen zu kämpfen hatte, konnte er sich bislang auch noch nicht wirklich auszeichnen. So wuchsen während der Vorbereitung aus den ersten Ängsten vor der ach so schweren zweiten Saison im Oberhaus die ersten Hoffnungen auf eine weitere, abstiegssorgenfreie Saison. Trotz eines schweren Auftaktprogramms könnte Hannover 96 in dieser Saison also für die ein oder andere Überraschung gut sein.

Der erste Gegner: SV Werder Bremen

Zum Auftakt der neuen Saison muss Hannover 96 nun also in die Hansestadt reisen. Mit dem SV Werder Bremen trifft Hannover 96 direkt auf einen Gradmesser, denn Bremen beendete die letzte Saison mit drei Zählern mehr als die Roten. Werder will an die starke Rückrunde (in der Rückrunden-Tabelle belegte Bremen Rang 5) unter Trainer Florian Kohfeldt anknüpfen und sich für höhere Aufgaben qualifizieren. Mit Yuya Osako und den Rückkehrern Claudio Pizarro und Ex-96er Martin Harnik wurde die Offensive um Max Kruse und Fin Bartels verstärkt, für den abgewanderten Thomas Delaney wurde Evertons Davy Klaassen verpflichtet. Und bei den Bremern scheint es ebenfalls schon gut anzulaufen: Werder siegte im Pokal mit 6:1 bei Wormatia Worms und zeigte sich in Baller-Laune. 96 wird am Samstag defensiv also wohl etwas mehr geprüft werden, als es noch gegen Karlsruhe der Fall war.

Der erste Tipp

Angeführt vom neuen Kapitän Waldemar Anton wird Hannover 96 in Bremen auf Sieg spielen. Zusammen mit seinem neuen Stammtorwart Michael Esser wird er den Laden gegen Bremen dicht halten. Schade, dass Martin Harnik aufgrund eines Muskelfaserrisses nicht mitwirken kann: Bis zum ersten Spiel von ihm zusammen mit Kumpel Max Kruse in der Bundesliga wird er sich noch etwas gedulden müssen. Für 96 ist der Ausfall gar nicht mal so schlecht, schließlich kennt der Österreicher noch die eine oder andere Schwäche in der 96-Hintermannschaft. Doch selbst wenn der 31-Jährige seinen neuen Kollegen Tipps mit auf den Weg ins Spiel geben sollte, denke ich, dass es für Werder Bremen nicht reichen wird. Hannover 96 machte einen super Eindruck während der Vorbereitung und die neuen Verpflichtungen scheinen allesamt zu Volltreffern zu werden. Daher tippe ich das erste Ergebnis der Saison ziemlich optimistisch: Hannover 96 siegt beim SV Werder Bremen mit 3:1. Asano und Maina werden wirbeln, Füllkrug gegen seinen Ex-Klub knipsen.

PS: Die Nordkurve hat den Stimmungsboykott für beendet erklärt. Dazu dann vor dem ersten Heimspiel mehr.

Samstag, 25. August 2018, 15.30 Uhr:
SV Werder Bremen – Hannover 96

(Foto: Pressefoto/Hannover 96)

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Kategorien: Sports

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