Susanne Viktoria Haupt
5. September 2018

It’s Crime Time!

Das Krimifest Hannover und Region feiert heute in der Nord/LB art gallery seinen Auftakt mit einer Lesung mit Muriel Baumeister und Rainer Strecker

Ob heute aus “The Big Sleep” gelesen wird, können wir leider nicht verraten. Aber das Publikum darf sich auf einige Filmklassiker aus dem Universum von Raymond Chandler freuen

Da sage noch einmal jemand, dass Hannover literarisch nichts zu bieten hätte. Neben dem ohnehin schon bunten Programm zahlreicher Lesebühnen, Salons und Etagen, feiern Hannover und seine Region im September bereits zum achten Mal das Krimifest. Passend zum Fest gibt es an dieser Stelle einen kleinen literaturwissenschaftlichen Exkurs, der Euch beim nächsten Stammtisch in der Kneipe sicherlich in einem sehr klugen Licht erscheinen lassen wird. Versprochen!

Kriminal-Literatur, wie wir sie kennen, gibt es schon wirklich sehr lange. Das ist jetzt nichts Neues, wenn man beispielsweise an den wohl bekanntesten aller Detektive, Sherlock Holmes, denkt, der bereits 1886 seinen ersten Auftritt hatte. Aber Sir Arthur Conan Doyle und sein geliebter Sherlock Holmes waren nicht die ersten ihrer Art, wenn auch natürlich etwas ganz Besonderes. Echten Aufwind bekam die Kriminal-Literatur aber bereits im 18. Jahrhundert. Die Gründe dafür liegen tief in der Aufklärung verwurzelt. Da man nun den Menschen und sein Handeln nicht mehr theologisch erklären konnte, machte man sich auf die Suche nach anderen Möglichkeiten. Und landete nicht nur bei der Natur des Menschen, sondern zeitgleich auch bei der Anthropologie, der Menschenkunde, die den Menschen als Ganzes betrachten wollte. Durch diese Entwicklung entwickelten auch die gemeinen, aber dennoch freundlichen Bürgerinnen und Bürger nicht nur ein ganzheitliches Interesse am Menschen, sondern auch an seinen moralischen Entgleisungen. Im 18. Jahrhundert wurden infolgedessen zunehmend echte Kriminalfälle literarisch aufbereitet und diese befriedigten die Leserschaft nahezu im selben Maße, wie es die Reality Shows um die Jahrtausendwende taten. Erst durch diese Entwicklung war es Autorinnen und Autoren wie Sir Arthur Conan Doyle oder auch Agatha Christie später möglich, eben nicht nur jene vortrefflichen Krimi-Meilensteine zu verfassen, sondern auch auf die bereits in der Gesellschaft verankerten Begeisterung zu stoßen.

Kriminal-Literatur ist also eine feine Sache. Nur leider wird sie immer noch häufig als “Trivial-Literatur” abgetan. Ein Krimi ist nun mal kein Goethe oder Schiller. Aber ich kann Euch ganz offen und ehrlich sagen, dass das völliger Unsinn ist. Denn in der Literaturwissenschaft ist der Begriff Trivial-Literatur längst obsolet. Wer die Lektüre eines spannenden Schmökers verschmäht, hat nämlich eine Sache nicht begriffen: Literatur ist nicht nur da, um zu (be)lehren oder unseren Horizont zu erweitern, sondern auch, um genossen zu werden. Literatur darf unterhalten. Und auf welche Art und Weise sie jeden einzelnen unterhält, sollte auch bitte jeder einzelne für sich entscheiden dürfen. Am Ende sind ohnehin das Buch und der Mensch, was zählt.

In diesem Sinne feiern wir natürlich so ein fulminantes Format wie das Krimifest. Und ein klein wenig auch, weil hinter diesem großen Ganzen ein Mensch steht, dem langeleine.de schon seit vielen Jahren tief verbunden ist: Volker Petri. Während er allgemein ganz gerne in der Buchhandlung Decius anzutreffen ist, scheinen in ihm tausende Ideen zur Literaturvermittlung zu brennen. Und auch, wenn an diesem Fest natürlich auch zahlreiche andere Menschen hart und voller Leidenschaft mitarbeiten, ist es doch Volker Petri, bei dem am Ende alle Fäden zusammenlaufen. Daher einfach mal danke, denn so ein Einsatz für die hannoversche Literatur-Landschaft darf nicht unerwähnt bleiben.

Für die Eröffnungsfeier in der art gallery der Nord/LB hat sich das Team des Krimifestes einen speziellen Blick auf ein paar Klassiker ausgedacht. Schauspielerin Muriel Baumeister liest gemeinsam mit dem Schauspieler und Hörbuch-Sprecher Rainer Strecker aus Detektivfilm-Klassikern, die allesamt auf Romanen von Raymond Chandler basieren. Gemeinsam mit seinem melancholischen Detektiv Philip Marlowe revolutionierte er nicht nur den klassischen Detektiv-Roman, sondern machte auch die Hardboiled Novels salonfähig. Vor, während und nach dieser szenischen Lesung gibt es zudem ein kleines musikalisches Programm. Da sind wir doch dabei, oder?

Mittwoch, 5. September 2018:
Eröffnung des 8. Krimifestes Hannover und Region, Nord LB/art gallery, Friedrichswall 10, 30159 Hannover, Beginn: 20 Uhr, Eintritt: 19,20 Euro

Infos zum kompletten Programm des Krimifestes:
www.krimifest-hannover.de

(Foto: Filmplakat)

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Kategorien: Literatur, Lokalitäten, Tagestipps

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