Susanne Viktoria Haupt
14. September 2018

FairStanden?

Am Kröpcke steht heute alles im Zeichen des fairen Handels: Hannover eröffnet die Faire Woche

Der Anfang ist gemacht, aber es bedarf auf jeden Fall einer einheitlichen, gerechten und transparenten Regelung: das Fair Trade-Siegel

Ja, es gibt diese Fälle auch in Deutschland. Dass Menschen in einem oder gar mehreren Berufen gleichzeitig arbeiten und am Ende des Monats einfach gar nichts übrig bleibt. Oder man gar in den roten Zahlen landet. Nicht ohne Grund gibt es mittlerweile viele Menschen, die zwei oder mehr Jobs haben, um sich irgendwie über Wasser halten zu können. Das ist kurz gesagt einfach ätzend. Wer in Vollzeit arbeitet, egal ob in einem oder zwei Jobs, sollte dazu in der Lage sein, seinen Lebensunterhalt zu sichern. Miete zu zahlen, Nahrungsmittel zu kaufen und auch mal den einen oder anderen Euro zur Seite legen zu können. Nun gibt es in Deutschland zwar einen Mindestlohn, aber dennoch gibt es viele Berufe, die ausgeschlossen werden. Beispielsweise Volontäre, die manchmal mehr als 40 Stunden die Woche arbeiten, aber nicht an den gesetzlichen Mindestlohn gebunden sind. Es passiert daher gar nicht selten, dass diese Menschen noch Unterstützung vom Staat beantragen müssen. Nun könnte man argumentieren, dass Lehrjahre nun mal keine Herrenjahre sind, aber wer so viel Energie in einen Job steckt, sollte dementsprechend auch entlohnt werden. Damit es zumindest irgendwie „reicht“.

Für andere Länder sind solche Berichte allerdings ein echtes Luxusproblem. Denn dort geht es nicht darum, dass man am Ende des Monats vielleicht nichts mehr übrig hat, sondern, dass man trotz hoher Stundenzahl nicht dennoch verhungert. Wenn man beispielsweise auf Plantagen in Mittelamerika arbeitet und mit einem echten Hungerlohn versucht, die Familie überhaupt irgendwie durchzubringen. Ohne Sozialleistungen, ohne doppelten Boden, ohne Urlaubsanspruch. Nun könnte man in diesem Falle sagen: Aber das ist ja nicht in Deutschland so, also was kümmert mich das? Was kann ich da schon machen?

Kurz gesagt: eine Menge. Denn wir sind die Konsumenten von Produkten, die aus Übersee kommen und nun mal ganz oft unter sehr zweifelhaften und teilweise unmenschlichen Zuständen produziert wurden. Da hängen Plantagen-Arbeiter dran, die eben maximal einen Hungerlohn bekommen und Bauern, die von größeren Konzernen schwer übers Ohr gehauen werden und nicht richtig entlohnt werden. Das umfasst sowohl Nahrungsmittel wie auch Kleidung und Kosmetik. Alles, was wir in unseren Händen halten, kann theoretisch den Hunger von mehreren Menschen an sich haften haben. Das ist ein Fakt. Von daher können wir auch immer hier direkt vor Ort etwas ändern. Jede und jeder von uns. Und das müssen wir zwangsläufig auch, wenn wir weiterhin die Hoffnung auf eine gleichberechtigte Weltgemeinschaft aufrecht erhalten wollen. Wir müssen uns bewusst werden, dass unser Handeln Auswirkungen hat. Auswirkungen, die wir hier zwar weder sehen noch spüren, aber die deswegen nicht weniger existent sind.

Der Schlüssel dazu heißt Fair Trade, fairer Handel. In Deutschland gibt es keine einheitliche Regelung bezüglich der Kennzeichnung von fair gehandelten Produkten. Das Fair Trade-Siegel ist aber zumindest schon mal ein guter Hinweis darauf, dass zumindest irgendetwas innerhalb des Produktes ganz fair seinen Weg zu uns gefunden hat. Dass wenigstens irgendein Produktions-Spot fair für die Arbeit entlohnt wurde. Auch, wenn das bei weitem noch nicht genug ist, und Kleinbauern teilweise hohe Abgaben für dieses Siegel bezahlen müssen. Und mit dem Kauf von Fair Trade-Produkten sind natürlich auch nicht gleich alle großen Probleme in der Welt beseitigt. Dennoch ist es ein kleiner, aber wichtiger Beitrag, den wir leisten können.

Rund um Fair Trade dreht sich daher nun alles innerhalb der Fairen Woche in Hannover. Wie jedes Jahr im September informieren und sensibilisieren verschiedene Veranstaltungen zu dem Thema und beantworten einige wichtige Fragen. Agenda 21 und das Nachhaltigkeitsbüro laden heute mit zahlreichen Kooperationspartnern zur offiziellen Eröffnung der Fairen Woche ein. Am Kröpcke können sich Interessierte an zahlreichen Ständen nicht nur informieren, sondern auch den ein oder anderen Snack genießen. Zugleich lässt es sich dort auch hervorragend über das gesamte Programm informieren. Fair ist gut und auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Fairstanden?

Freitag, 14. September 2018:
„Hannover handelt fair!“, offizielle Eröffnung der Fairen Woche in Hannover, Kröpcke, 30159 Hannover, geöffnet von 11 bis 14 Uhr, Eintritt frei

Infos zum Programm der Fairen Woche Hannover:
Faire Woche Hannover 2018

(Foto: Offizielles FairTrade-Siegel)

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Kategorien: Politik, Tagestipps

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