Susanne Viktoria Haupt
17. September 2018

Der Rächer der Südstaaten

Seitenansicht: „Zum Leben verdammt“ von Daniel Woodrell

Grenzüberschreitend: Daniel Woodrells neuer Roman „Zum Leben verdammt“, Buchcover

Es ist ungefähr acht Jahre her, dass „Macht Worte!“-Papa Henning Chadde mir Daniel Woodrell empfohlen hat. Das läuft in und außerhalb der Räume von langeleine.de sowieso ganz oft so ab. Wir empfehlen uns Bücher, wir schenken uns Bücher und wir sprechen sehr gerne allgemein über Literatur. Auf Grund dieser Empfehlung hatte ich mir damals „Stoff ohne Ende“ von Woodrell gekauft. Das war also mein erster Woodrell und danach folgten noch einige weitere. Wie zum Beispiel „Winters Knochen“, ein Buch, das 2010 mit Jennifer Lawrence in der Hauptrolle der Ree Dolly verfilmt wurde. Was die Romane von Woodrell auszeichnen, ist zum einen die Kürze. Seine Romane lassen sich auf Grund ihres überschaubaren Umfangs locker an zwei bis drei Abenden durchlesen. Das andere ist immer das Symbol des schweren, harten und nicht selten durch äußere Umstände bedrohten Lebens. Woodrells Romane sind immer etwas rauer, als man es zunächst erwarten würde. Aber dennoch überschreiten sie nur sehr selten die Grenze der Angemessenheit.

In seinem neuesten Roman „Zum Leben verdammt“ widmet sich Woodrell dem amerikanischen Bürgerkrieg. Protagonist Jake Roedel, der Sohn deutscher Einwanderer ist, steht mit Leib und Seele auf der Seite der Konförderierten. Jake glaubt, dass er auf Seiten der Südstaatler für die einzig wahre Gerechtigkeit kämpfen würde. Bereits mit 20 Jahren ist er tief von ihrem Kampfgeist beeindruckt und will an ihrer Seite Rache an der Union üben. Zu diesem Zwecke scheut Jake vor nichts zurück. Er mordet und plündert und lässt jeden noch so harmlosen scheinbaren Verräter die Macht seiner Waffe spüren. Jake scheint für diesen Krieg zu leben, bis er nicht nur Gefühle für eine Frau entwickelt, sondern auch durch einige einschneidende Erlebnisse an den Motiven und Methoden der Konförderierten zu zweifeln beginnt…

„Zum Leben verdammt“ gehört zu jenen Werken von Daniel Woodrell, in denen der Autor durchaus häufiger als der Leserschaft vielleicht lieb ist, die Grenzen des normalen Wahnsinns überschreitet. An der Seite von Jack führt Woodrell uns durch zahlreiche blutige Kämpfe und lässt uns schlucken. Das ist durchaus ein Stoff, der nicht einfach zu verarbeiten ist. Auf der anderen Seite wiederum zeigt Woodrell mit seinem neuen Roman, was solch angebliche Freiheitskämpfe mit jungen Menschen anstellen. Denn der Leserschaft wird schnell klar, warum sich Jake sich von den rächenden Südstaatlern so angezogen fühlt – und vor allem auch, was es braucht, um einen Menschen wieder zur Besinnung zu bringen. Zumindest im einfachsten Fall.

Mit „Zum Leben verdammt“ hat der 1953 in Missouri geborene Schriftsteller erneut bewiesen, dass ihm kein Thema zu hart oder zu schwierig ist. Und den Sezessionskrieg mal eben auch auf nicht einmal 300 Seiten so gut zu beleuchten, ist wahrlich keine einfache Sache.

Daniel Woodrell: „Zum Leben verdammt“, 272 Seiten, Liebeskind, ISBN-13: 978-3954380947, 20 Euro

„Seitenansicht“ erscheint in Kooperation mit der Buchhandlung Decius.

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Kategorien: Literatur

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