Jörg Smotlacha
7. September 2018

„Noch will ich nicht ausgestopft werden“

Spannende Auseinandersetzung mit der Frage nach der Identität: „Ein ganz gewöhnlicher Jude“ in der Hinterbühne

"Ein ganz gewöhnlicher Jude", Pressefoto

In der Identitätskrise: „Ein ganz gewöhnlicher Jude“, Pressefoto

Emanuel Goldfarb möchte einfach nur ein ganz gewöhnlicher Jude sein. Er lebt in Deutschland und ist Journalist. Doch eines Tages erhält er eine Einladung von einem Lehrer, der es für eine gute Idee hält, dass Goldfarb vor seiner Klasse über seine jüdische Identität spricht und Fragen zum Judentum beantwortet. Warum? Goldfarb ist stinksauer und formuliert eine Absage.

Warum soll er vor die Klasse treten? Er ist doch nichts Besonderes. Ein Deutscher mit jüdischen Wurzeln zwar, aber eben „ein ganz gewöhnlicher Jude“. Was will dieser blöde Lehrer? Er schreibt: „Ich eigne mich nicht als Forschungsobjekt. Noch bin ich nicht reif fürs Museum. Noch will ich nicht ausgestopft werden. Aufgespießt. Präpariert wie eine interessante Missgeburt.“

Die grundlegende Frage ist, wie verwerflich der Wunsch des gewiss gutmeinenden Lehrers Herrn Gebhardt ist. Für Emanuel Goldhardt ist es jedenfalls eine Qual und so beginnt er einen Monolog, der zum Theaterstück wird. Mit „Ein ganz gewöhnlicher Jude“ hat der Schweizer Autor Charles Lewinsky Fragen aufgeworfen und ein Stück entwickelt, in dem es keinesfalls nur um Jüdischsein und das Problem des keimenden Antisemitismus geht, sondern auch um eine große Identitätskrise.

„Ein ganz gewöhnlicher Jude“ wurde 2005 unter der Regie von Oliver Hirschbiegel mit Ben Becker in der Titelrolle verfilmt und wurde von der Kritik sehr unterschiedlich aufgenommen, was gewiss nicht gegen den kontroversen Stoff spricht. Das Theater Flunderboll zeigt das Stück heute und morgen in der Hinterbühne.

Freitag, 7. September (und Samstag, 8. September) 2018:
Theater Flunderboll: „Ein ganz gewöhnlicher Jude“, Schauspiel von Charles Lewinsky, Hinterbühne, Hildesheimer Straße 39a, 30169 Hannover, Beginn: 20 Uhr, Eintritt: 12 Euro, ermäßigt: 8 Euro

  • weiterer Aufführungstermin:
  • Samstag, 8. September, 20 Uhr

(Foto: Pressefoto/Hinterbühne)

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Kategorien: Bühne, Tagestipps

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