Jörg Smotlacha
10. September 2018

Unser Schrott für Afrika

Von den Verlierern der Digitalisierung: der österreichische Dokumentarfilm “Welcome To Sodom” im Kommunalen Kino im Künstlerhaus

"Welcome to Sodom", Filmszene

Europas größte Müllhalde liegt in Ghana: “Welcome to Sodom”, Filmszene

Mitten unter uns leben Flaschensammler und müssen müssen davon leben, dass wir unsere Bierflaschen achtlos an die Straße stellen, denn was sind schon acht Cent? Derweil haben wir ganz andere Sorgen: Der Drucker spinnt rum, ein neuer Flachbildschirm muss her und das Smartphone ist auch nicht mehr das Neueste. Zu dumm nur, dass Aldi gerade nichts im Angebot hat.

Mitten in Ghana liegt Sodom. Es ist jener Teil der ghanaischen Hauptstadt Accra, der den Müll der westlichen Welt beherrbergt. Denn auf der Deponie von Agbogbloshie lagern 250.000 Tonnen Elektroschrott aus Europa und der restlichen Welt. Unsere alten Smartphones, Computer und Monitore, Drucker und all die anderen schönen Geräte, die wir uns mehrmals im Jahr neu kaufen und dann die alten Geräte achtlos wegwerfen. Doch irgendwo muss der ganze Schrott ja hin und Ghana ist weit weg. Und so hat Europa seine Müllhalde nach Afrika verlagert, um den Abfall seiner heilen elektrifizierten und digitalisierten Welt nur nicht vor der Haustür liegen zu haben.

Jüngst hat der südafrikanische Fotograf Pieter Hugo in seiner Ausstellung “Between the Devil and the deep blue Sea”, die in Wolfsburg und Dortmund zu sehen war und aktuell im Lissaboner Stadtteil Belém gezeigt wird, die Serie “Permanent Error” präsentiert, die eindrucksvolle Bilder aus Accra beinhaltete. Nun zieht der Dokumentarfilm “Welcome to Sodom” nach und porträtiert die Verlierer der digitalen Revolution – die Menschen, die mit unserem Schrott leben müssen. Denn logischerweise ist Agbogbloshie ein Ort, den fast niemand betreten mag. Außer denjenigen, die inmitten des ganzen Schrottes und brennenden Mülls hoffen, etwas zu finden, das ihr Überleben sichert…

Der österreichische Dokumentarfilm “Welcome to Sodom” hat nicht den illegalen Elektroschrott-Handel im Visier und nicht die Mechanismen einer verkommenen Weltwirtschaft, sondern die Menschen, die am unteren Ende der Globalisierung leben. Ein wichtiger Film.

Montag, 10. September 2018:
“Welcome to Sodom”, Dokumentarfilm von Florian Weigensamer und Christian Krönes, A 2018, 92 min., OmU, Kommunales Kino im Künstlerhaus, Sophienstraße 2, 30159 Hannover, Beginn: 18 Uhr, Eintritt: 6,50 Euro, ermäßigt: 4,50 Euro

  • weitere Aufführung:
  • Mittwoch, 12. September, 20.15 Uhr

(Foto: Pressefoto/Kommunales Kino/Camino Filmverleih)

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Kategorien: Film, Politik, Tagestipps

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