Marcel Seniw
14. September 2018

„Spiele gegen Mannschaften mit ganz anderen Ambitionen gewinnen“

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Auswärtsspiel bei RB Leipzig

Linton Maina

Umdribbelte zuletzt namhafte Gegner: die neue 96-Hoffnung Linton Maina

Zwei Spiele, zwei Punkte, Platz elf – die Ausbeute von Hannover 96 aus den ersten beiden Bundesliga-Spieltagen liest sich nun wirklich nicht sonderlich beeindruckend, aber trotzdem weitaus besser als die von Eintracht Braunschweig. Und im Gegensatz zum Letztplatzierten der Dritten Liga spielte 96 auswärts gegen einen selbsternannten Kandidaten für die Europa-League (Werder Bremen) und einen Champions-League-Aspiranten (Borussia Dortmund). Dementsprechend gar nicht mal so übel, die zwei Punkte. In Bremen führten die Roten, gegen Dortmund musste man mich teilweise zweimal kneifen, denn die Leistung gegen Schwarz-Gelb war wirklich beeindruckend. Neuzugang Walace und Linton Maina gefielen mir in einer starken Mannschaft besonders gut: Walace war allgegenwärtig und räumte im zentralen Mittelfeld fast alles ab, Maina bewies, dass er nicht nur frech nach vorne spielen, sondern auch giftig verteidigen kann.

Eine erneute Top-Leistung ist nötig

Die Einstellung seiner Mannschaft auf die jeweiliegn Gegner gelang Trainer André Breitenreiter und seinem Team jedenfalls vorzüglich. Gut, Dortmund hätte das Spiel auch gewinnen können, die Alu-Treffer haben wir noch im Gedächtnis. Doch die ersten Fragezeichen, ob diese Mannschaft nach der Vielzahl von Abgängen in der Bundesliga würde bestehen können, sind dadurch verflogen, dass die Roten zu Hause gegen ein Top-Team der Liga den Ton angaben, den Ball gut laufen ließen und defensiv sehr kompakt standen. Eine derartige Top-Leistung wird am morgigen Samstag aber wieder von Nöten sein, um bei RB Leipzig bestehen zu können.

Der Gegner ist noch nicht in richtig in der Saison angekommen

Generell ist es schwierig, die Roten zu Saisonbeginn nur anhand der bisher geholten Punkte zu bewerten. Am dritten Spieltag bereits das dritte Team mit – zumindest – europäischen Ambitionen zu bespielen, ist sicherlich kein Zuckerschlecken. Erst recht dann nicht, wenn RB Leipzig schlecht in die Saison gestartet ist und nun auf Wiedergutmachung sinnt. Mit 1:4 kamen die Roten Bullen in Dortmund unter die Räder, und beim ersten Heimspiel gegen Aufsteiger Fortuna Düsseldorf nicht über ein 1:1-Remis hinaus. Nun könnte man meinen, dass RB unter dem Ex-96-Coach Ralf Rangnick noch nicht funktioniere, man könnte aber auch der erfolgreichen Europa-League-Qualifikation den schwarzen Peter für den verkorksten Saisonstart zuschieben, welche wahrscheinlich eine höhere Priorität genoss. Das Marketing-Tool will schließlich prominent platziert werden.

Kein Wiederesehen mit dem Ex

Während es am Samstag zum Wiedersehen mit dem Ex-Coach kommt, wird es ein weiteres Wiedersehen mit einem Ex-Spieler nur auf der Tribüne geben. Marcel Halstenberg, der den Sprung zu den Profis in Hannover nicht schaffen sollte, bei RB Leipzig aber zum Stammspieler avancierte und schon einmal für die Nationalmannschaft auflief, stand acht Monate nach seinem Kreuzbandriss in einem Freundschaftsspiel während der Länderspielpause für 30 Minuten wieder auf dem Platz. Ein Einsatz gegen seinen Jugendklub kommt laut Rangnick aber noch zu früh: „Wir müssen schauen, dass wir nachhaltig etwas von ihm haben.“ Der 26-Jährige soll also nicht verheizt, sondern behutsam wieder an die Wettkampf-Bedingungen in der Bundesliga herangeführt werden.

96 ist schnell

Rangnick weiß, dass es gegen Hannover 96 ungemütlich werden könnte. In der Bullen-DNA ist Offensivfußball sehr dominant verankert. Gegen-Pressing, hoch gestaffelt stehen und immer mit Vollgas nach vorne – so kennen wir die Sachsen. Genau diese Spielweise könnte Hannover in die Karten spielen, denn Breitenreiter ist ein ausgewiesener Taktikfuchs. In der vergangenen Spielzeit siegte Leipzig zweimal knapp (2:1, 3:2), doch in diesem Jahr ist Hannover 96 viel schneller als in der letzten Saison. Mit Ihlas Bebou hatten die Roten schon vergangenes Jahr den schnellsten Spieler der Bundesliga im Kader, mit Linton Maina und Takuma Asano, die die Positionen von Felix Klaus und Martin Harnik übernommen haben, stehen dem 96-Coach nun zwei weitere Raketen mit explosivem Antritt zur Verfügung.

Rangnick hat Respekt

Konter könnten gegen die Bullen also ein probates Mittel werden, auch wenn Rangnick während der Länderspielpause „sowohl an der defensiven als auch an der offensiven Vorgehensweise“ hat arbeiten lassen. Ihm ist klar, worauf es gegen Hannover ankommt: „Hannover wird versuchen, uns defensiv die Räume zu nehmen und uns durch ihre schnellen Konterspieler vor Probleme zu stellen. Wir werden gegen diesen Gegner eine gute Balance zwischen Abwehr und Angriff benötigen – aber vor allem brauchen wir eine gute Verteidigung rund um den eigenen Strafraum.“

Mit Überzeugung nach Leipzig

Genau in diesem Bereich rund um den gegnerischen Strafraum läuft es bei 96 noch nicht so richtig, was ein erzieltes Tor aus zwei Spielen belegt. Breitenreiter hat das erkannt, und direkt die Trainings-Inhalte angepasst: „Es gilt, die Qualität im letzten Drittel zu erhöhen, die Qualität der letzten Pässe. Das waren auch Ansätze bei uns im Training – dass wir die Situationen genauer ausspielen, um dann auch zu Torchancen zu kommen.“ Insgesamt nehme sich Hannover 96 laut des 44-Jährigen viel für das Spiel in Leipzig vor. In den letzten beiden Vergleichen sei man nah dran gewesen, die Spiele gegen Mannschaften mit „ganz anderen Ambitionen und Möglichkeiten zu gewinnen“. 96 will in Leipzig mit drei Punkten vom Platz gehen, auch wenn der Chefcoach weiß, dass RB diese Partie „unbedingt gewinnen“ möchte und dazu auch die nötige Überzeugung mitbringen wird nach dem schwachen Start. „Darauf werden wir vorbereitet sein und dagegen werden wir uns wehren – so wie auch in den letzten beiden Spielen gegen richtig gute Mannschaften“, führte Breitenreiter aus.

Der erste Sieg in Leipzig

Ich bin zuversichtlich, dass 96 auch bei den derzeit tobenden Bullen bestehen kann. Es könnte sogar zum ersten Bundesliga-Sieg über den noch nicht ganz so traditionsreichen, flügelverleihenden Verein aus Sachsen kommen. Dementsprechend mutig fällt mein Tipp aus: Bei Hannover 96 platzt der Tor-Knoten, Niklas Füllkrug wird doppelt treffen und die Roten werden den Bullen die Flügel beim 3:1-Auswärtssieg stutzen.

Samstag, 15. September, 15.30 Uhr:
RB Leipzig – Hannover 96

(Foto: Pressefoto/Hannover 96)

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Kategorien: Sports

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