Sebastian Albrecht
26. September 2018

Digital in eine nachhaltige Zukunft?

Ist die Digitalisierung Fluch oder Segen? Im Pavillon wird heute Abend über die Nachhaltigkeit unserer digitalen Zukunft diskutiert

Digitalisierung

Am Strand liegen und außer einem eiskalten Getränk in der Hand auch das Internet bei sich haben: Die Digitalisierung macht’s möglich

Noch in den Neunzigern sah die Zukunft düster aus: Sollten wir den Übergang ins 21. Jahrhundert überhaupt heil überstehen? Würden die Computer die komplizierte Umstellung zwischen den Jahren 1999 und 2000 hinbekommen oder die ganze Welt in Chaos versinken lassen, vielleicht gar ein digitales Terror-Regime der Einsen und Nullen anstreben? Egal wie, wir hätten nicht mehr lange zu lachen. Das Damoklesschwert der zu Neige gehenden Erdöl-Reserven hing bereits über den Köpfen unser Eltern, die Erderwärmung kam langsam im Mainstream an, Müllberge türmten sich, niedliche Tiere verfingen sich in Plastik oder fraßen kleine Plastikteilchen und starben ganz unniedlich vor sich hin. So richtig ändern wollte sich aber dennoch nichts. Auch Teil der Neunziger: Die Begeisterung für das Internet, ein Trend, dem jedoch von einigen Experten keine lange Dauer beschieden wurde. Und in der Tat war es zwar ganz nett, Schulfreunden eine E-Mail schicken oder über den AOL-Instant-Messenger miteinander „chatten“ zu können, aber so richtig prickelnd war es damals noch nicht: Eine Stunde pro Tag, da der Minutenpreis relativ hoch war. Außerdem war in der Zeit, in der man online war, das Telefon blockiert.

Keine zwanzig Jahre später gehen nicht mehr nur Jugendliche und technikaffine Erwachsene ins Internet, sondern auch Großeltern, die die Fotos ihrer Enkelkinder auf Facebook liken, und selbst Kühlschranke und Häuser sind inzwischen online. Es muss sich niemand mehr über ein langsames 56k-Modem ins Internet einwählen, Computer und Laptop sind automatisch mit dem Netz verbunden und auch unterwegs tragen wir es in Form von Smartphones und Tablets in unseren (Hosen-)Taschen bei uns. Auch ansonsten ist unserer Leben immer digitaler geworden. Ob Online-Banking, digitales Fernsehen, Social Media oder Apps, die uns die Schlaf-, Ess-, Sport- und viele andere Gewohnheiten optimieren sollen – viele Aspekte unseres Lebens laufen mittlerweile längst digital ab.

Worin nicht wenige eine Chance sehen. Für manche ist es gar der Weg zurück ins Paradies, denn, so sagen sie, Digitalisierung sei ein großer Faktor für Nachhaltigkeit. Während früher viele Menschen ein Auto ihr eigen nannten, mit dem sie regelmäßig sonntags zwei Straßen weiterfuhren, um Brötchen zu kaufen, schwindet in der jüngeren Generation die Notwendigkeit, ein eigenes Auto besitzen zu müssen. Car-Sharing ist dank Vernetzung und Smartphones so einfach wie nie, und für kurze Strecken gibt es Fahrrad-Sharing-Dienste. Für Filme, aber auch Musik und Bücher bedarf es nicht mehr unbedingt die physischen Datenträger, es reicht ein Abspielgerät und eine Registrierung bei Spotify, Netflix und Co. Nachhaltigkeits-Apps helfen uns in Sekundenschnelle bei unseren Kauf-Entscheidungen. Standen früher noch Status-Symbole wie der fette Familien-Schlitten in der Garage oder die riesige Stereo-Anlage im Wohnzimmer, die beste Sound-Beschallung versprach, haben wir nun alles, was wir brauchen, auf dem Smartphone dabei. Was auf den ersten Blick nach einem nachhaltigen und ressourcenschonenden Schritt aussieht, ist das auf den zweiten aber dann doch nicht zwingend.

Effizienz-Steigerungen lassen Geräte wie Smartphone oder Tablets zu stromfressenden Monstern werden, die je nach Nutzung mehrmals am Tag aufgeladen werden müssen, das neueste Model, das es häufig obligatorisch bei Vertragsverlängerung dazu gibt, muss irgendwie auch irgendwo gebaut werden. Von Nachhaltigkeit oder Fairtrade bleibt dann wenig übrig. Ist die Digialisierung in Hinsicht auf Nachhaltigkeit also gänzlich nutzlos? Nicht unbedingt, wie Tilman Santarius, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler und Professor für Sozial-Ökologische Transformation und Nachhaltige Digitalisierung an der TU Berlin und am Einstein Center Digital Futures, findet. Vielmehr braucht Digitalisierung einen klaren Plan, um diese Funktion erfühlen zu können. Zusammen mit Steffen Lange veröffentlichte er das Buch „Smarte Grüne Welt? Digitalisierung zwischen Überwachung, Konsum und Nachhaltigkeit“, in dem er sich mit der Thematik auseinandersetzt. Heute Abend ist Santarius im Pavillon zu Gast und stellt im Vortrag „Werden wir durch Digitalisierung unseren Planeten retten?“ seine Thesen vor.

Mittwoch, 26. September 2018:
„Werden wir durch Digitalisierung unseren Planeten retten?“, Vortrag und Gespräch mit Tilman Santarius, Pavillon Hannover, Lister Meile 4, 30161 Hannover, Beginn: 19 Uhr, Eintritt frei

(Foto: Pressefoto/Pavillon)

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Kategorien: Medien, Politik, Tagestipps

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