Marcel Seniw
6. Oktober 2018

Klassentreffen unter Ehrenründlern

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Heimspiel gegen den VfB Stuttgart

Martin Kind

96-Präsident Martin Kind hat seiner sportlichen Leistung ausdrücklich das Vertrauen ausgesprochen: Der Druck nimmt trotzdem zu

Wenn Hannover 96 am Samstag auf den VfB Stuttgart trifft, dann kommt es auch wieder zum Klassentreffen der Ehrenrunden-Dreher von 2016/17. Doch nicht nur der damalige direkte Wiederaufstieg vereint die beiden Traditionsvereine, sondern auch die Tatsache, dass beide alles andere als berauschend in die aktuelle Saison gestartet sind. Und obendrein der Fakt, dass die Wege vieler ehemaliger 96er-Spieler in den letzten Jahren ins Schwaben-Ländle führte. Spieler wie Mohammed Abdellaoue, Karim Haggui oder Eigengewächs Konstantin Rausch wechselten als Spieler, 96-Urgestein Steven Cherundolo nach seiner aktiven Karriere und einigen Jahren in der 96-Jugend als Trainer, zum VFB Stuttgart. Und Cherundolo ist bei den Schwaben Co-Trainer unter dem ehemaligen 96-Coach Tayfun Korkut, dessen Weg ihn über Kaiserslautern und Leverkusen zurück seine Heimat Stuttgart führte. Und zwischen den schwäbischen Pfosten steht mit Ron-Robert Zieler, dem vergangenes Wochenende ein kurioses Eigentor unterlief, ein weiterer Ex-Hannoveraner. Doch bei aller Freundschaft: Am Samstag hat keine der beiden Parteien Geschenke zu verteilen.

Ein erstes Sechs-Punkte-Spiel

Nach sechs Spieltagen steht Hannover 96 auf dem letzten Rang der Bundesliga-Tabelle. Zwei magere Pünktchen konnten Trainer André Breitenreiter und seine Jungs bisher einfahren, das schwierige Auftakt-Programm kann inzwischen nicht mehr als Ausrede dienen. Gegen die Schwaben, die aktuell mit fünf Zählern auf dem Relegationsplatz 16 stehen, muss endlich der erste Sieg her, um sich aus dem Negativ-Strudel befreien zu können. Zudem nimmt sich an diesem Wochenende die direkte Konkurrenz gegenseitig die Punkte weg: Fortuna Düsseldorf (15.) empfängt Schalke 04 (17.), Leverkusen (14.) gastiert in Freiburg (13.). Aus dem Klassentreffen wird für beide Teams also ein klassisches Sechs-Punkte-Spiel.

Oh je: Das Vertrauen wurde ausgesprochen!

Nach dem schwachen Start beider Teams stehen natürlich auch die beiden Trainer im Blickpunkt. Zwangsläufig wird der Trainer des Tabellenletzten immer in Frage gestellt, auch Tayfun Korkut wurde bereits angezählt. In Hannover kommt der Tenor aber noch sehr gelassen daher. Klub-Boss Martin Kind hat jedenfalls unter der Woche der sportlichen Leitung um André Breitenreiter und Horst Heldt sein Vertrauen ausgesprochen. Man habe die Verträge mit beiden vorzeigt verlängert, weil man von ihrer Arbeit überzeugt sei, woran auch der unbefriedigende Saisonstart nichts geändert habe. Nur blöd, dass man diese Worte vor so gut wie jedem Trainerrauswurf zu hören bekommt. Müssen wir uns also Sorgen um den Pokalhelden und Aufstiegstrainer André Breitenreiter machen?

Wackelt der Trainerstuhl?

Nein, noch ist alles im Rahmen. Kind brachte auch zum Ausdruck, dass Trainer und Manager bisher alle ihre Aufgaben bei 96 erfüllt haben. Davon gehe er nun einfach aus. Und dennoch: Sollte die Partie gegen Stuttgart in einem Offenbarungseid wie gegen Frankfurt enden – Breitenreiter sprach nach der 1:4-Niederlage seiner Mannschaft die Bundesliga-Tauglichkeit ab -, dann könnte auch der Stuhl des Erfolgstrainers wackeln.

Füllkrug fraglich, Video-Unterricht für die Defensive

Um den Bock umzustoßen, braucht es Power in der Offensive. Hinter einem Einsatz von Niclas Füllkrug steht nach seiner Kapselverletzung aus dem Frankfurt-Spiel aber noch ein Fragezeichen, und auch der bisher so agile Linton Maina fällt mit Knie-Problemen wohl definitiv aus. Der erste Dreier muss trotzdem her. Somit könnte Bobby Wood in die Startaufstellung rücken, Hendrik Weydandt wird wohl auch bei einem Ausfall Füllkrugs auf sein Startelf-Debüt warten müssen, selbst wenn eine Doppelspitze mit Wood eine Option wäre. Für Maina könnte Genki Haraguchi auflaufen oder Florent Muslija, der gegen Frankfurt immerhin den Ehrentreffer markierte. Nach dem defensiven Kollaps ohne Kevin Wimmer könnte auch der Österreicher wieder in die Start-Aufstellung rücken. Immerhin: der Cheftrainer zeigte seinen Verteidigern Videos von Weltstars wie Sergio Ramos, Mats Hummels, Rapahel Varane und Jerome Boateng, wie sie die Bälle auch mal einfach auf die Tribüne nageln. Die spielerische Lösung muss nicht immer die richtige Wahl sein, rustikal hauen auch mal die Besten der Besten dazwischen.

Zum Sieg würgen

Doch völlig egal, mit wem Hannover 96 am Samstag aufläuft: Dieses Spiel muss mit drei Punkten für das Heim-Team enden. Ansonsten erleben wir wohl einen stürmischen Oktober rund um den Maschsee herum. Mein Tipp: Hannover 96 würgt sich zum ersten Befreiungsschlag der Saison und wird mit 1:0 siegen. Nicht unbedingt schön, teilweise rustikal, aber endlich mal erfolgreich.

Samstag, 6. Oktober 2018, 15.30 Uhr:
Hannover 96 – VFB Stuttgart

(Foto: AxelHH/Wikipedia, Copyright: CC BY-SA 3.0)

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Kategorien: Sports

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