Roman Kansy
12. Oktober 2018

Neue Sachlichkeit 2.0

„Symphony of Now“ ist ein Montage-Film rund um die nächtliche Essenz der Landeshauptstadt

Schnelle Schnitte, exzentrische Musik, Hommage und Montage: Regisseur Schaff legt auf den künstlerischen Aspekt seines Films wert

Heute Abend erwartet die interessierten Zuschauerinnen und Zuschauer eine cineastische Liebeserklärung an das moderne Berlin bei Nacht. Denn „Symphony Of Now – Berliner Elektronächte“ zeigt das Lebensgefühl der Großstadt aus einer unverbrauchten Perspektive. Hierzu kommen verschiedene Künstler unterschiedlicher Disziplinen zusammen, um den alles antreibenden Freiheitsdrang, der die Welt-Metropole bestimmt, abzubilden.

Ausgangspunkt der Idee von Regisseur Johannes Schaff ist der deutsche experimentelle Dokumentarfilm „Berlin – Die Sinfonie der Großstadt“ von Walther Ruttmann, der im September 1927 in Berlin uraufgeführt wurde. Während Ruttmanns konzeptionelles Vorbild die Stadt bei Tageslicht zeigte und im Zuge der aufkommenden technologischen Revolution der Welt den Arbeitsalltag mitsamt seinen schweren Arbeitsmaschinen darstellte, ermöglicht Schaff einen Blick in die nächtliche Sphäre des heutigen Berlins, die nicht weniger belebt daherkommt. Berlin schläft schließlich nie.

Wie im Vorbild stehen auch Menschen bei ihrer Arbeit im Bilde, allerdings erweitert Schaff seinen Blickwinkel auf das hedonistische Nachtleben, das von kulinarischen Entdeckungen, Kunst, Kultur und der ekstatischen Feierei der Berliner Clubs gespeist wird. Eben das Leben im Moment – ganz getreu des Titels „Symphony Of Now“. Im Zuge der avantgardistischen Dimension, die der Regisseur eingeschlagen hat, sind auch Koryphäen der elektronischen Musik und damit auch der Berliner Club-Kultur mit an Bord. Die Zuschauer werden bei der filmischen Tour durch das nächtliche Berlin musikalisch von elektronischen Klängen bis hin zu Krautrock begleitet. Eben typisch für das zeitgenössische Berlin. Für die Kompositionen verantwortlich sind Größen wie Frank Wiedemann, Hans J. Roedelius, Gudrun Gut und Thomas Fehlmann oder Samon Kawamura und Alex.Do.

„Symphony Of Now“ versteht sich als Neuauflage des dokumentarischen Originals der Weimarer Zeit und ist wie sein Vorbild in insgesamt fünf Akte gegliedert. Die Tageszeiten wirken dabei wie das Negativ von Ruttmanns Werk. Während „Berlin – Die Sinfonie der Großstadt“ mit dem Tagesanbruch begann und den Zuschauer bis in den Abend begleitete, startet die Neuauflage im aufkeimenden Abend und endet in den frühen Morgenstunden. Auf Eindrücke der geschichtsträchtigen Ruinen der Stadt wie den Mauer-Resten folgen Szenen moderner Architektur, und man sieht Menschen bei kulinarischen Erkundungen, Gentrifizierungs-Proteste, spielende Kinder, berauschte Erwachsene, Schauspieler, feierwütige Meuten und vieles mehr von dem, was Berlin so bekannt macht.

Wer sich selbst auf die als avantgardistisch angepriesene Reise durch die schrille Bilderflut Berlins machen möchte, hat heute Abend im Lindener Apollo-Kino Gelegenheit dazu.

Freitag, 12. Oktober 2018:
„Symphony Of Now – Berliner Elektronächte“, Film von Johannes Schaff, D 2018, 67 min., Apollo-Kino, Limmerstraße 50, 30451 Hannover, Beginn: 23 Uhr, Eintritt: 8,50 Euro, ermäßigt: 7,50 Euro

  • weitere Aufführungstermine:
  • Samstag, 13. Oktober, 23 Uhr
  • Mitttwoch, 17. Oktober, 22:30 Uhr
  • Donnerstag, 8. November, 22:30 Uhr
  • Freitag, 9. November, 23 Uhr
  • Samstag, 10. November, 23 Uhr
  • Mittwoch, 14. November, 23 Uhr

(Foto: Pressefoto)

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Kategorien: Film, Tagestipps

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