Lorenz Varga
9. November 2018

Demaskiert sie, bevor es zu spät ist!

Heute feiert der Ballhof Zwei die Premiere von Martin Schäubles Roman „Endland“ – eine düstere Version des Gedankenspiels „Was wäre, wenn Nationalisten die Macht ergriffen“

Das Volk von „Endland“: Masken statt Freiheit und Selbstbestimmung, Szenenfoto

Es ist schon erschreckend, wie nah und realistisch die Vision in Martin Schäubles Roman „Endland“ doch ist. An der Macht ist Die Nationale Alternative. Sie hat die D-Mark wieder eingeführt, die Arbeitslosenhilfe privatisiert und rund um Deutschland herum, das jetzt Endland ist, eine Grenzmauer gezogen. Es gibt noch ein zentrales Flüchtlingslager. Dieses, einem Gefängnis gleichendem Lager, soll, wenn es nach der Nationalen Alternative geht, aber auch noch geschlossen werden. Dazu bräuchte die Partei eine Zweidrittel-Mehrheit. Es gibt sie also noch, die sogenannten Alt-Parteien. Und auch die Lügenpresse ist noch da. Überhaupt gibt es in Europa kaum noch den Euro, der Nationalstaat ist auch anderswo auf dem Vormarsch. So hat Russland die Ukraine nun komplett besetzt und in den Vereinigten Staaten herrscht Bürgerkrieg, der Präsident kann sich nur mit Hilfe des Militärs halten.

Die Geschichte von „Endland“ handelt einerseits von den beiden Soldaten Anton (Sebastian Weiss) und Noah (Maximilian Grünewald). Sie sollen die Außengrenze vor Migranten, im Jargon der Nationalisten „Invasoren“ genannt, schützen. Die Freundschaft zwischen den beiden ist zunächst sehr merkwürdig. Anton steht der Nationalen Alternative sehr nahe und findet die meisten Positionen richtig. Noah hingegen verachtet die Nationalisten. Andererseits handelt die Geschichte von Fana (Sithembile Menck). Sie flieht aus Äthiopien. Nicht nur vor Hunger und Armut, sondern auch, weil sie Medizin studieren und einfach nur ein selbstbestimmtes Leben als Ärztin führen will. Doch die Flucht wird zum Alptraum. Dennoch gelingt es ihr, nach Endland zu gelangen. Im zentralen Lager wartet sie auf ihren Bescheid. Dann bekommt Anton einen folgenschweren Auftrag und nichts ist mehr wie es war…

Das Schlimme an der Geschichte von „Endland“ ist: Der Autor sagt selbst, er habe gar nicht sonderlich kreativ sein müssen. Er habe nur das Programm der AfD Wirklichkeit werden lassen. Wer also immer noch denkt, die AfD sei eine demokratische Partei, der lese den Roman oder schaue sich dieses Theaterstück an!

Freitag, 9. November 2018:
„Endland“, Theaterstück nach dem Roman von Martin Schäuble, Inszenierung von Paul Schweig, Ballhof Zwei, Knochenhauerstraße 28, 30159 Hannover, Beginn: 19.30 Uhr, Eintritt: 18 bis 22 Euro

  • weitere Aufführungen:
  • Dienstag, 13. November, 19.30 Uhr
  • Freitag, 16. November, 19.30 Uhr
  • Samstag, 1. Dezember, 19.30 Uhr

(Fotos: Pressefoto/Niedersächsisches Staatstheater/Isabel Machado Rios)

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Kategorien: Bühne, Tagestipps

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