Susanne Viktoria Haupt
12. November 2018

„Mann, bist Du imstande, gerecht zu sein?“

Passend zum 100. Jahrestag des Frauenwahlrechts in Deutschland zeigt das Kino am Raschplatz den Film „Suffragetten – Taten statt Worte“

Starkes Thema, starkes Line-Up: Meryl Streep, Helena Bonham Carter und Carey Mulligan in „Suffragette – Taten statt Worte“, Filmplakat

Die Überschrift zu diesem Tagestipp spendierte mir niemand Geringeres als Olympe de Gourges. Sie war jene, die bereits im Jahr 1791 „Die Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“ formuliert hatte. De Gourges setzte sich in ihrem Leben unermüdlich nicht nur allgemein für die Rechte der Frauen, sondern auch insbesondere für das Frauen-Wahlrecht ein. Die Überschrift, die genau jener Deklaration entnommen ist, geht so weiter: „Es ist eine Frau, die Dir diese Frage stellt; dieses Recht wenigstens kannst Du ihr nicht nehmen. Sage mir, wer hat Dir die souveräne Macht verliehen, mein Geschlecht zu unterdrücken?“ Obgleich Frauen in Deutschland seit 1918 das Wahlrecht besitzen und wir auch ansonsten von einer gesetzlichen Gleichberechtigung sprechen können, ist sie im Alltag immer noch größtenteils eine Illusion. Das zeigt sich beispielsweise dann, wenn uns Frauen die Schuld an erlebten Vergewaltigungen und/oder sexuellen Belästigungen gegeben wird. Wenn unser Nein nicht zählt. Wenn gesagt wird, dass nur, weil nun Frauen aufstehen, die die Gräueltaten von Männern zu Protokoll tragen, eine Hexenjagd inszeniert werden würde, die sich gegen die armen Männer richten würde. Auch lesbische Frauen sind von diesen Zuständen betroffen, wenn sie zum Beispiel auf offener Straße sexuell belästigt und bedroht werden, weil sie doch „nur mal einen richtigen Mann“ brauchen. Denn Gleichberechtigung bedeutet eben auch, dass man einem anderen Menschen denselben Wert zuschreibt wie grundsätzlich allen und ihn dementsprechend behandelt.

Aber genauso fernab von jeder Gleichberechtigung sind jene Männer, die andauernd der Meinung sind, dass sie Frauen ungefragt beschützen müssten. Oder aber ihnen im Berufs- oder Privatleben weniger zutrauen und weniger von ihnen als von ihren männlichen Kollegen erwarten. Warum? Weil Unwissenheit oder Inkompetenz bei Frauen und Mädchen doch eben „irgendwie süß“ ist. Weil man sich dann eben besonders „stark“ und „männlich“ fühlen kann. Gleichberechtigung ist eben, wenn es egal ist, ob ich da unten eine Vagina habe oder nicht. Gleichberechtigung wäre, wenn das Geschlecht komplett egal wäre. Und Gleichberechtigung wäre auch, wenn es normal wäre, dass auch Männer in Elternzeit gehen. Diese Liste könnte ich nun noch deutlich länger weiterführen. Gleichberechtigung ist ein Prozess, der leider noch lange nicht abgeschlossen ist. Da reichen einfache Gesetze nicht aus.

Aber wir haben unsere politische Stimme und zumindest in Westeuropa wird uns die auch niemand so einfach mehr wegnehmen können. In Großbritannien und den USA haben die Frauen den sogenannten Suffragetten einiges hinsichtlich des Wahlrechts zu verdanken. „Le suffrage“ bedeutet übrigens Stimme/Wahlstimme. Passend zum 100. Jahrestag der Einführung des Frauen-Wahlrechts in Deutschland zeigt das Kino am Raschplatz wiederum heute den Blockbuster „Suffragette – Taten statt Worte“.

In „Suffragette“ kommt die junge verheiratete Wäscherin Maud Watts (Carey Mulligan) durch Zufall mit den Frauenrechtlerinnen der Suffragetten-Bewegung in Kontakt. Inspiriert durch die flammenden Reden von Emmeline Pankhurst (Meryl Streep), fühlt sich Maud schnell mit ihnen verbunden. Als sie jedoch im Rahmen einer Kundgebung festgenommen und ihrem Mann Sonny (Ben Whishaw) übergeben wird, ändert sich ihr Leben drastisch. Sonny hat etwas gegen die Nähe seiner Frau zu den radikalen Frauenrechtlerinnen und schmeißt sie kurzerhand aus dem Haus. Fortan ist Maud auf sich alleine gestellt und engagiert sich mit Leib und Seele bei den Suffragetten. Ein Film, der zeigt, wie viel Entbehrungen die großen Schlachten der Frauenbewegungen gekostet haben.

Montag, 12. November 2018:
„Suffragette – Taten statt Worte“, Drama von Sarah Gavron, UK 2015, 106 min., Kino am Raschplatz, Raschplatz 5, 30161 Hannover, Beginn: 18 Uhr, Eintritt: 9 Euro, ermäßigt: 8,50 Euro

(Foto: Filmplakat)

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Kategorien: Film, Politik, Tagestipps

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