Raoul Festante
25. Dezember 2009

„Ich werde zeichnen, bis ich 90 bin“

Künstlerin aus Berufung: Die Malerin und Burlesque-Tänzerin Zoë McTaggart im Portrait

Wer Zoë McTaggart in ihrem Atelier besuchen möchte, wird zunächst überrascht sein, dass sich dieses nicht wie sonst üblich in einem Erdgeschoss befindet, sondern im 4. Stockwerk eines Mehrfamilienhauses in der Südstadt. Dass Zoë MacTaggarts Atelier ursprünglich mal das Wohnzimmer ihrer 3-Zimmer-Wohnung war, empfinden sie und ihr Lebenspartner aber nicht als Nachteil. Ein Atelier kostet schließlich Geld, und wichtiger ist für die Künstlerin, dass ihre Werkzeuge immer griffbereit stehen: „Klar würde ich gerne ein größeres Atelier haben, aber im Moment ist das leider finanziell nicht drin. Außerdem kann ich mitten in der Nacht aufstehen und an einem Bild weitermalen.“

Zoë Mac Taggart

Das Erscheinungsbild muss stimmen: Zoë McTaggart

Eigentlich hätte es mit ihrem beruflichen Werdegang auch ganz anders kommen können, denn ursprünglich studierte Zoë MacTaggart Kunst auf Lehramt an der Universität Hannover. Doch nach dem erfolgreichen Abschluss des Studiums war der Wunsch, freischaffende Künstlerin zu werden, größer als die Aussicht auf eine Beamtenlaufbahn – auch wenn MacTaggart das Unterrichten noch nicht ganz aufgegeben hat. Einmal im Monat gibt sie in der Reihe „Dr. Sketchys Anti Art School“ Malkurse im Kulturpalast in Linden. Ursprünglich aus New York importiert, gibt es in Deutschland mittlerweile in fast allen Großstädten sogenannten „Dr. Sketchys“-Kurse. „Das ist wie Aktzeichnen, nur dass die Modelle eben interessantere Posen machen, glamourösere Klamotten anhaben und nicht völlig nackt sind. Auch die Stimmung ist einfach lockerer, denn es darf auch mal laut gelacht oder ein Bier getrunken werden bei der Arbeit“, findet MacTaggart.

Irgendwann von der Kunst leben können

Auch die Motive auf MacTaggarts eigenen Bildern in ihrem kleinen Atelier zeigen fast ausschließlich Aktzeichnungen im Stil der Burlesque-Tänzerinnen. Burlesque ist sozusagen die Vorform des modernen Striptease und hat seine Wurzeln in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wo es unter anderem durch die großen Varieté-Theater wie das Moulin Rouge stark beeinflusst wurde. Als Herabwürdigung der Frauen sieht MacTaggart die teilweise sehr direkten Bilder aber auf keinen Fall. Für sie hat die Arbeit auch einen emanzipatorischen Effekt: „Ich finde bei den Burlesque-Tänzerinnen das Selbstbewusstsein wichtig, mit dem sie sich präsentieren. Entscheidend ist, dass sie sich dabei gut fühlen und nicht unbedingt danach gucken, ob es sexy ist oder den Männern oder mir gefällt. Ich freue mich dann, wenn ich sie zeichnen darf.“

Zoë Mac Taggart

Aus Überzeugung Burlesque-Tänzerin: Zoë MacTaggart

Die Realistin in Zoë MacTaggart hofft, irgendwann von ihrer Kunst leben zu können. Fünf Jahre gibt sie sich Zeit, um finanziell auf eigenen Beinen zu stehen. Mutig im nicht ganz leichten Kunstgeschäft. Dass dabei nicht nur Talent zählt, sondern auch Geschäftssinn und professionelle Vermarktung der Kunst, ist für MacTaggart selbstverständlich. Das Erscheinungsbild muss einfach stimmen, egal ob Flyer oder Website. Auch in sozialen Netzwerke im Internet ist sie aktiv, nutzt das Web 2.0 genauso wie Postkarten und Buttons, die sie auf ihren Veranstaltungen verteilt. Für die Idealistin Zoë MacTaggart, die das Risiko der freien Kunst der Sicherheit einer Beamtenlaufbahn vorgezogen hat, ist jedenfalls klar, dass die Kunst ihre Berufung ist: „Ich nehme diese Marketing-Sache und das Geschäft sehr ernst, einfach weil ich irgendwann in der Lage sein will, mit meinem Idealismus Geld zu verdienen, um meine Ruhe zu haben und mich ganz darauf konzentrieren zu können. Ich werde auf jeden Fall zeichnen, bis ich 90 und in Rente gegangen bin.“

Zoë MacTaggart im Netz:
www.zoemactaggart.com

(Fotos: Pressefotos)

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Kategorien: Kunst, Menschen

Ein Kommentar

  1. rita maggi sagt:

    man bekommt lust,diese künstlerin und ihre arbeiten kennenzulernen.

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