Sebastian Albrecht
14. November 2018

Irrungen und Wirrungen des Deutschen Krieges

Das Theatermuseum Hannover beleuchtet heute Theodor Fontanes weniger bekannte Seite – die des Kriegsberichterstatters

Theodor Fontane

Beschäftigte sich häufig mit heiklen Themen wie außerständischen Beziehungen und Krieg: Theodor Fontane

Trotz des kalten und gnadenlosen Images, das ihn umgibt, ist der Berufs des Models und der damit verbundene Einstieg in eine glitzernde Glamourwelt für nicht wenige Mädchen und junge Frauen noch immer das erträumte Ziel. Dabei schaffen es die wenigsten in die Sphären, in denen sich Namen wie Gisele Bündchen, Naomi Campell oder Kate Moss bewegen oder bewegten – auch ist ihnen keine annähernd so lange Halbwertszeit vergönnt, wie den Top-Models. Mit fünfundzwanzig zählen sie häufig bereits zu den alten Eisen, Angebote ans Land zu ziehen wird zunehmend schwerer. Und auch durch das Fußball-Business, das ebenfalls nicht durch seinen Kuschel-Faktor besticht – und die eine oder andere Parallele zum Modelgeschäft aufweist-, zieht sich der Jugendwahn. War ein Spieler mit Ende zwanzig, Anfang dreißig noch im besten Fußballalter, werden inzwischen Spieler angezählt, die gerade davorstehen, die Dreißig zu überschreiten. Manche haben sogar Schwierigkeiten, einen neuen Verein zu finden. Dabei gibt es durchaus Gegenbeispiele wie Axel Witsel – mit 29 Jahren als Dortmunder „Königstransfer“ bezeichnet –, Cristiano Ronaldo – für den Juventus Turin, obwohl schon 33 Jahre alt, über 100 Millionen Euro Ablöse zahlte – oder Claudio Pizarro – der sogar inzwischen die Vierzig geknackt hat –, die zeigen, dass die Leistungskurve nicht zwangsläufig in den Keller schießen muss.

Junge Sängerinnen und Boybands, die mit zwanzig schon vier Alben veröffentlicht haben und Topseller sind, gutaussehende Schauspielerinnen und Schauspieler, die, gerade eben volljährig geworden, verschwitzt und mit lasziven Blick, engem Top oder Waschbrettbauch gegen außerirdische Roboter kämpfen oder in protzigen Karren Städte zu Schutt und Asche fahren, sind der Unterhaltungs– und Kultur-Branche natürlich ebenfalls nicht fremd. Selbst im Literaturbetrieb wird Jugendlichkeit mitunter stark in den Mittelpunkt gerückt, wie etwa bei Nick McDonell oder Helene Hegemann. Doch spuckt besonders die schreibende Zunft auch regelmäßig ältere Debütanten in die Bücherregale. Die Krimi-Autorin Dona Leon schrieb ihren ersten Roman „Venezianisches Finale“ mit 49 Jahren, der Schriftsteller Donald Ray Pollock war bei seinem Erstling gar noch vier Jahre älter. Ein fast noch jugendliches Alter, über das Helga Hammer und Edward O. Wilson womöglich schmunzeln können – sie waren 77 respektive 82 Jahre alt, als sie mit ihren ersten Romanen debütierten.

Als literarischer Spätzünder, wenn auch freilich in einer anderen Zeit, dem 19. Jahrhundert, gilt auch Theodor Fontane, Vertreter des Realismus und Alptraum so manches Abi-Jahrgangs. Vom Beruf her eigentlich Apotheker, so ein Erinnerungsschnipsel aus dem Deutsch-Unterricht, fing Fontane erst im höheren Alter von fast sechzig Jahren an, Romane zu schreiben. Das ist zwar richtig – sein Debüt „Vor dem Sturm“ erschien 1878, als er 58 Jahre alt war –, aber im Nachhinein erscheint das doch eine verkürzte Darstellung. In der Tat gehören seine bekanntesten Werken wie „Effi Briest“, „Stine“ oder „Irrungen, Wirrungen“ zum Spätwerk, doch schon mit 19 wurde seine erste Novelle „Geschwisterliebe“, die wie der indizierte Song einer sehr erfolgreichen Berliner Punkband heißt, veröffentlicht. Obwohl Fontane sich zunächst für die Tätigkeit als Apotheker entschied, bedeutete das nicht das Ende von Fontanes literarischen Ambitionen, sie traten höchstens etwas zurück. Fontane begann, neben der Arbeit erste Gedichte zu verfassen, zudem übersetzte er Shakespeares „Hamlet“. Nicht erst im betagteren Alter wagte Fontane dann größere Schritte: Als er den Apotheken-Dienst verließ, um als freier Schriftsteller zu arbeiten, stand er wenige Monate vor seinem dreißigsten Geburtstag.

Seine ersten Texte erschienen in der „Dresdner Zeitung“, die ersten Werke Fontanes sind, neben Gedichtbänden, dann auch eher journalistischer Natur: Reportagen-Sammlungen, Reise- und Kriegsberichte. Später wurde er Korrespondent in London und arbeitete, wieder zurück in Preußen, an dem insgesamt fünfbändigen Mammut-Werk „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“, das nicht bloß der Schönheit der Landschaft Tribut zollt, sondern auch ein Bild von Mensch, Kultur und Geschichte zeichnet. Neben vielen Reisen berichtete Fontane auch von mehreren Kriegen, wie dem Deutsch-Dänischen und dem Deutsch-Französischen Krieg. Zwischen beiden lag 1866 wiederum der Deutsche Krieg, dessen Haupt-Konfliktparteien das Königreich Preußen und das Kaiserreich Österreich waren, die beide viele deutsche Staaten sowie Preußen und das Königreich Italien als Verbündete an der Seite hatten. Im zweibändigen Band „Der deutsche Krieg von 1866“ hat Fontane auch diesen Krieg auf über tausend Seiten sehr detailliert festgehalten. Um dieses unbekanntere, aber zeithistorische Werk geht es heute Abend im Theatermuseum des Schauspielhauses Hannover in einem Vortrag von Prof. Dr. Thomas Vogtherr. Wer mit Fontanes Prosa wenig anfangen kann, braucht keine Angst zu haben – unstandesgemäße Liebschaften stehen heute nicht auf dem Lehrplan. Wer hingegen gerne an die Fontane-Romane im Deutsch-Unterricht zurückdenkt und/oder sich für deutsche Geschichte interessiert, der wird mit dem heutigen Abend sowieso nichts falsch machen.

Mittwoch, 14. November 2018:
„Der deutsche Krieg von 1866: Fontanes Bericht über den preußisch-österreichischen Krieg“, Vortrag mit Bildern von Prof. Dr. Thomas Vogtherr, Theatermuseum Hannover, Prinzenstraße 9, 30159 Hannover, Beginn: 19 Uhr, Eintritt: 7 Euro

(Foto: Wikipedia.de)

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Kategorien: Literatur, Politik, Tagestipps

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