Susanne Viktoria Haupt
29. November 2018

Es war der Gärtner

Mit der Fernbedienung in die Politik: Das Kino im Sprengel zeigt heute Hal Ashbys Erfolgsfilm „Willkommen Mr. Chance“

Eine Paraderolle für den Komiker und Schauspieler Peter Sellers: „Willkommen Mr. Chance“, DVD-Cover

In Krimis wird ganz oft die These aufgestellt, dass es am Ende ohnehin der Gärtner war. Gärtner sind eben irgendwie unscheinbar und werden oftmals unterschätzt. Dabei haben Gärtner zumindest in den Vereinigten Staaten genauso ein Anrecht auf die magische Tellerwäscher-Karriere wie alle anderen. Das soll heißen, dass auch sie es mit harter Arbeit bis ganz nach oben schaffen können. Von mir aus auch an die Spitze der Kriminalität.

In Hal Ashbys Satire „Willkommen Mr. Chance“ erhält der Gärtner allerdings ganz unfreiwillig großartige Chancen. Chance (Peter Sellers) – so sein passender Name – ist, seit er denken kann, Gärtner eines wohlhabenden Mannes. Chance kann weder lesen noch schreiben, aber neben der Gärtnerei ist es stets das Fernsehen, dass ihn fasziniert und mit der Außenwelt verbindet. Als sein Hausherr stirbt, ist Chance auf sich allein gestellt und muss samt Fernbedienung das Anwesen verlassen. Die Jahre, in denen Chance abgeschottet von der Außenwelt gearbeitet hat, haben Spuren hinterlassen. Die „echte Welt“ erscheint ihm nahezu verrückt und er begegnet ihr vor allem mit viel Naivität. Für alle anderen scheint Chance aber keineswegs naiv zu sein, sondern eher weise. Seine unwissenden Kommentare über das Zeitgeschehen lassen ihn schnell zum Yoda werden und katapultieren ihn in die Politik. Und gerade hier scheinen Chance wirklich alle Türen offen zu stehen.

„Willkommen Mr. Chance“ basiert auf dem Roman „Being There“ von Jerzy Kosiński und wäre wahrscheinlich nie verfilmt worden, wenn sich nicht Peter Sellers höchstpersönlich so sehr darum bemüht hätte. Er war es, der sofort das Potential der Geschichte erkannte und nach seinem Erfolg mit der „Pink Panther“-Reihe auch endlich die Roman-Verfilmung von „Mr. Chance“ umsetzen konnte. Chance war nicht nur eine Rolle, die Sellers auf den Leib geschrieben war, sondern leider auch seine vorletzte. Das Kino im Sprengel zeigt heute „Willkommen Mr. Chance“ und gibt so jedem die Chance, diese fantastische Film-Satire endlich einmal auf einer großen Leinwand zu sehen.

Donnerstag, 29. November 2018:
„Willkommen Mr. Chance“, Spielfilm von Hal Ashby, USA 1979, 113 min., Kino im Sprengel, Klaus-Müller-Kilian-Weg 2, 30167 Hannover, Beginn: 20.30 Uhr, Eintritt: 5 Euro

(Foto: DVD-Cover)

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Kategorien: Film, Tagestipps

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