- langeleine.de – Das Online-Journal für Hannover - http://www.langeleine.de -

Criminal Minds

Vom Verstehen des Bösen: Kriminalpsychologin Julia Shaw ist heute mit ihrer Publikation „Böse – Die Psychologie unserer Abgründe“ im Literarischen Salon zu Gast

Wie viel Böses steckt wirklich in uns? Und was ist eigentlich böse? Jenen Fragen geht Kriminalpsychologin Julia Shaw auf den Grund

„Ich bin nicht böse“. Das würde ich gerne völlig überzeugt von mir selbst behaupten, aber es stimmt eben nicht. Ich bin nicht nicht böse. Das bedeutet nicht, dass ich Katzen-Babys trete oder wahrhaftig mörderische Gedanken habe. Aber wer mich einmal im Straßenverkehr erlebt hat, der weiß, dass ich kein Mensch bin, der nur nett ist. Von einem Serienmörder à la „Criminal Minds“ bin ich dennoch weit entfernt. Als ich im Herbst auf dem Cap Taillat auf eine Hornisse getreten bin, machte ich mir weniger Sorgen um meinen Fuß als um die arme Hornisse, die meinem Gewicht hilflos ausgeliefert war. Meine Boshaftigkeit konzentriert sich eher auf Fluchen, Schadenfreude und mangelnder Toleranz gegenüber Gewöhnlichkeiten. Aber sind deswegen alle Serienmörderinnen und Serienmörder gleich weniger Mensch als ich? Und habe ich vielleicht auch tief in mir etwas ganz Dunkles, das mich eventuell zu solchen Taten verleiten könnte? Ist das Böse häufig vielleicht einfach ein Kind der Umstände?

In der amerikanischen Serie „Criminal Minds“ zumindest liegt die Ursache für das Böse immer irgendwo in der Vergangenheit der Täterinnen und Täter. Allen voran ungelöste Vater- oder Mutter-Komplexe. Das suggeriert den Zuschauerscharen bereits, dass jede und jeder das Potential eines sehr bösen Menschen in sich trägt. Gleichzeitig zeigt es, dass hinter diesen Taten immer noch irgendwie ein Mensch steckt, ob wir wollen oder nicht. Julia Shaw ist Kriminalpsychologin und setzt sich schon innerhalb ihres Berufes mit dem Bösen im Menschen auseinander. In ihrem neuen Buch „Böse – Die Psychologie unserer Abgründe“ verändert sie unser Verständnis für das Böse allerdings grundlegend. Dabei geht es zum einen um die Konstruktion neuer Kategorien sowie das Aufdecken von alltäglichen Handlungen, die uns irgendwie böse machen, die allerdings größtenteils konventionell akzeptiert werden. Auch wird über die Mechanismen gesprochen, die uns auf der Sonnenseite davon abhalten, unsere diabolischen Gedanken in die Tat umzusetzen. Im Literarischen Salon stellt Shaw daher nicht nur ihre Thesen vor, sondern auch zur Diskussion, und es wird nicht überraschen, dass dieser Abend den ein oder anderen nachdenklich stimmen wird.

Montag, 3. Dezember 2018:
„Böse“ — Eine Kriminalpsychologin will das Böse anders denken, Lesung und Diskussion mit Julia Shaw, Literarischer Salon, Leibniz Universität Hannover, Hörsaal-Gebäude Conti-Campus am Königsworther Platz, Königsworther Platz 1, 30167 Hannover, Beginn: 20 Uhr, Eintritt: 10 Euro, ermäßigt: 6 Euro

(Foto: Buchcover)

[1]
Wenn Dir dieser Text gefällt, teile den Artikel auf Facebook,
hinterlasse einen Kommentar oder abonniere unseren RSS-Feed [2]!