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Mit Spielwitz gegen den Realitätsentzug

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Heimspiel gegen Hertha BSC Berlin

Martin Kind

Sorgte unter der Woche für viel Gesprächsstoff: 96-Präsident Martin Kind

Und wieder setzte es für Hannover 96 am vergangenen Spieltag eine Auswärtsniederlage. Es ist ja nicht so, dass Hannover 96 auswärts gar keine Punkte holen würde, derer drei auf einen Streich findet man aktuell allerdings nur im 96-Archiv und nicht auf dem Platz nach Abpfiff. Präsident Martin Kind forderte unter der Woche angesichts der bedrohlichen Lage neun Punkte aus den letzten fünf Partien. Nun gut, zu Beginn der Saison hatte sich Unternehmer Kind schon einmal ein wenig verkalkuliert, als er auf elf Punkte aus den ersten fünf Spielen tippte. Aber fordern darf er ja als Präsident, da ist die Rechnung auch ganz einfach. Auswärts holt 96 eh keinen Sieg, weshalb wir einfach mal von null Punkten in Mainz und Freiburg ausgehen. Bleiben noch drei Heimspiele gegen Berlin, am letzten Spieltag gegen Düsseldorf und zwischendrin eben noch gegen die Bayern.

Gegen die Bayern kann man ja mal gewinnen

Kinds Rechnung klingt jetzt erst einmal gar nicht so unmöglich. Die Hertha hat die Bayern mit 2:0 weggeputzt, die Fortuna hat in München erst letzte Woche 3:3 gespielt und da die Bayern gegen Mönchengladbach zu Hause auch noch mit 0:3 verloren haben, werden sie für 96 zur Laufkundschaft, denn Hannover 96 hat – sogar in der Festung Borussia-Park gegen Mönchengladbach einen Treffer erzielt. Zwar auch vier kassiert, aber immerhin getroffen. Gegen Bayern dürfen wir bei dieser Offensivpower also schon einmal einen Dreier kalkulieren. Schwieriger werden da also die Partien gegen Hertha BSC Berlin und Fortuna Düsseldorf. Die Fortuna muss bezwungen werden – allein schon aus dem Grund der direkten Konkurrenz und dass sie als Aufsteiger für einen Klub wie 96, der die Klasse halten will, eh zum Pflichtsieg-Programm zählt. Bleibt also noch die Hertha aus Berlin, der kommende Gegner.

Nach starkem Saisonbeginn aus der Spur geraten

Hertha BSC hat einen furiosen Saisonstart hingelegt. Vor allem Spielmacher Ondrej Duda schoss förmlich durch die Decke. Endlich einmal blieb der filigrane Spieler mit dem Killerinstinkt längere Zeit verletzungsfrei, da zeigte der 23-jährige Slowake der Liga direkt, was für ein enormes Talent in ihm schlummert. An den ersten acht Spieltagen verzeichnete Duda sechs Treffer, unter anderem gegen Schalke, Bayern und Mönchengladbach. Doch seit dem 2:0-Heimsieg über den FC Bayern warten die Herthaner vergebens auf einen weiteren Sieg. Vier Remis und zwei Niederlagen, darunter eine derbe 1:4-Reibe in Düsseldorf, stehen seither zu Buche – und auch Duda erzielte seitdem nur noch einen Treffer.

Schwer einzuschätzender Kontrahent

Daher ist die Mannschaft von Trainer Pal Dardai schwer einzuschätzen. Eigentlich bringt das Team alles mit, um Hannover 96 zu besiegen, aber wenn Duda keinen guten Tag erwischt, und auch Javairo Dilrosun, Herthas Sommer-Neuzugang von Manchester City, aufgrund einer Oberschenkel-Blessur nicht mitwirken kann, dann fehlt den Berlinern ein gehöriges Maß an Qualität, trotz Altmeistern wie Salomon Kalou und Vedad Ibisevic. Und außerdem wäre da ja noch der Neun-Punkte-Plan von Martin Kind. Und diesen gilt es natürlich allein schon aus markenstrategischen Gründen zu befolgen. Bundesliga-Star hin oder her: Am Ende sind es doch nur Angestellte.

Hannover 96 will nichts falsch gemacht haben

Aber Spaß beiseite, denn spaßig ist momentan gar nichts bei Hannover 96. Neben der prekären sportlichen Lage mit neun mickrigen Pünktchen aus zwölf Spielen brennt der Baum nämlich auch sonst schon wieder lichterloh. Und wieder einmal geht es um Martin Kind und die umstrittetene Satzungsänserung: Dieses Mal soll ein Punktabzug oder gar der Lizenzentzug drohen, dann würde 96 vielleicht in die vierte Liga absteigen. Hannover 96 will nichts falsch gemacht haben, doch was nun wirklich geschehen wird, Punktabzug, Lizenzentzug oder bei all dem Wirrwarr vielleicht auch Realitätsentzug, das wird sich erst in den kommenden Tagen, Wochen oder Monaten entscheiden.

Bisher immer mit dem blauen Auge davongekommen

Fakt ist doch, dass Martin Kind und Hannover 96 bislang immer irgendwie mit einem blauen Auge davongekommen sind. Warum nicht auch dieses Mal? Martin Kind ist ein knallharter Unternehmer, der sich sicherlich vorab mit Juristen zusammensetzt und Lücken in bestehenden Systemen sucht, bevor er Vorstöße wagt, die die Existenz seines Vereins gefährden. Falls nicht, dann muss man sich wirklich fragen, ob Kind noch der richtige Mann an der Spitze des Vereines ist. Die 20 Jahre der erheblichen Förderung – die die DFL als nicht gegeben sieht – hin oder her: Sollte Kind den Karren jetzt tatsächlich derart an die Wand fahren, würde er eines seiner Lebenswerke in Stücke zerfetzen. Bevor das geschieht, sollte schleunigst jemand anderes das Ruder übernehmen. Doch das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.

Good Vibes am Ende

Wieder viel zu viel geschehen für ein kleines Abseits. Doch bevor wir hier allzu apokalyptisch werden und über die vierte Liga reden, möchte ich lieber noch ein paar Good Vibes verbreiten, denn Hannover 96 wird sich sportlich gegen die Hertha schon einmal für einen möglichen Punktabzug wappnen und die Berliner mit 2:1 zurück in die Hauptstadt schicken. Sie können es ja doch noch, dieses komische Siegen.

Samstag, 1. Dezember 2018, 15.30 Uhr:
Hannover 96 – Hertha BSC Berlin

(Foto: AxelHH/Wikipedia, Copyright: CC BY-SA 3.0 [1])

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