Sebastian Albrecht
16. Dezember 2018

Der Tod weint rote Tränen

Im Lodderbast kehrt heute Abend der blanke Horror ein: „The Strange Colour Of Your Body’s Tears“ ist nichts für zartbesaitete Gemüter

The Strange Colour Of Body's Tears

Nichts für schwache Nerven, dafür für Horror-Connaisseure umso mehr: „The Strange Colour Of Your Body’s Tears“, Filmplakat

Inzwischen dürfte sich die mal exquisite, mal abseitige, aber immer charmante und lohnenswerte Film-Auswahl des Lodderbasts herumgesprochen haben. Die ist zugegeben nicht immer für jede und jeden etwas – oder zumindest nicht jedes Mal. Das gilt auch für den heutigen Film „The Strange Colour Of Body’s Tears“ des verheirateten Regie-Paars Hélène Cattet und Bruno Forzani, der heute Abend im französischen Original mit Untertiteln gezeigt wird. Wer kein großes Faible für Horrorfilme hat oder dieses Genre grundsätzlich ausspart, sollte das Lodderbast heute Abend lieber meiden und eine andere Abendbeschäftigung planen – der Heimweg könnte unter Umständen sonst sehr, sehr lang und unangenehm werden. Aber auch all diejenigen, die im Horror-Genre nicht über die handelsüblichen Hollywood-Filme hinausgekommen sind, dürften überrascht werden, denn hier werden keine junge, gutgebaute Teenager und Mittzwanziger von inzestuösen Kannibalen-Hinterwäldlern durch eben diesen gejagt und niedergemetzelt, und auch eine Zombiekalypse, die keiner als solche erkennt, da es Zombie-Filme in Zombie-Film-Universen nicht zu geben scheint, bricht diesmal nicht aus.

Die Story von „The Strange Colour Of Your Body’s Tears“ ist zwar in der Gegenwart verortet, allerdings werden Cineasten dennoch von nostalgischen Gefühlen beglückt werden, denn der Film der beiden Belgier Cattet und Forzani beruft sich nicht nur auf die Genre-Klassiker der 60er- und 70er-Jahre, er wurde auch auf 16-mm-Filmmaterial gedreht und nicht digital. Und ist ganz im Geiste dieser Ära nicht gerade zimperlich. Dabei geht die Geschichte relativ harmlos los: Von einer Geschäftsreise zurück, findet Dan Kristensen (Klaus Tange) seine Wohnung zurück, in der jede Spur von seiner Frau fehlt. Was vielleicht nicht der Rede wert wäre, schließlich kann die Gute ja auch einkaufen, mit Freundinnen unterwegs oder – im schlimmsten Fall – durchgebrannt sein, wenn die Haustür nicht von innen verriegelt gewesen wäre. Auch hat seine Frau nichts von ihren Sachen mitgenommen. Als er sich erst innerhalb des Hauses auf die Suche macht und dann schließlich seine Nachbarn befragt, gerät er nicht nur wortwörtlich in ein unheimliches Labyrinth, sondern auch in einen Albtraum, der an Obsession, nackter Haut und Blut nicht geizt. Nach „Amer – die dunkle Seite deiner Träume“ ist „The Strange Colour Of Your Body’s Tears“ das zweite Werk von Cattet und Forzani in Spielfilm-Länge.

Sonntag, 16. Dezember 2018:
„The Strange Colour Of Your Body’s Tears“, Spielfilm von Hélène Cattet und Bruno Forzani, B/F/LUX 2013, 102 min., OmU, Lodderbast, Berliner Allee 56, 30175 Hannover, Beginn: 19 Uhr, Eintritt: 10 Euro, ermäßigt: 8 Euro

(Foto: Pressefoto/Filmplakat)

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Kategorien: Film, Tagestipps

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