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Das leichteste Spiel der Saison?

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Heimspiel gegen den FC Bayern München

Takuma Asano

Hatte in Mainz die Entscheidung auf dem Fuß: 96-Stürmer Takuma Asano

Eigentlich bin ich ja gar kein Gegner des Video-Beweises, eigentlich bin ich ja nur ein harscher Kritiker des konfusen Köllner Kellers. Aber über den von Jean-Philippe Mateta nahezu herausgeschwalbten Strafstoß für Mainz 05 in der letzten Partie von Hannover 96 beim 1:1-Auswärtsremis muss ich mich dann doch noch einmal aufregen. Erst will Köln ein Handspiel von Kevin Wimmer gesehen haben, dann greift der berüchtigte Keller nach Matetas Schwalbe nicht ein. Schon übel für die Roten, weshalb ich auch den geplatzten Kragen von Horst Heldt völlig nachvollziehen konnte: „Das ist der Wahnsinn an Schwalbe. Warum fällt der, wegen Altersschwäche? Glasklare Fehlentscheidung. Das ist nicht mehr akzeptabel, der ganze Scheiß“, wütete der 96-Manager am Sky-Mikrofon nach dem Abpfiff. Zwar griff Köln nach dem Elfmeter noch einmal pro 96 ein, als es den Treffer von Anthony Ujah zum 2:1 für Mainz aufgrund einer Abseitsstellung völlig zurecht widerrief, doch wenn der Video-Assistent auch noch in diesem Fall gepennt hätte, dann könnten wir ihn, wie von André Breitenreiter angemahnt, auch gleich ganz abschaffen.

Die Mannschaft kämpft

Immerhin: Hannover 96 hat sich beim FSV Mainz 05 nicht wie ein Absteiger präsentiert – zumindest nicht in Halbzeit eins. In der zweiten Hälfte hatte ich allerdings das Gefühl, als hätten die Roten die Hosen voll. Hendrik Weydandts Traumpass auf Takuma Asano hätte zwar die Weichen auf Sieg stellen können, doch der Japaner vergab die größte 96-Chance nach dem Seitenwechsel. Die 05er kauften den 96ern anschließend mehr und mehr den Schneid ab, und mit etwas Pech und nur einer Fußspitze weniger hätte Hannover die Partie noch verloren – Köln hin oder her. Dennoch zeigte André Breitenreiters Team eine ordentliche Reaktion auf die schwache Vorstellung gegen Hertha BSC: Die Mannschaft ist noch längst nicht tot und scheint sich trotz der prekären Lage gemeinsam mit ihrem Trainer aus dieser herauskämpfen zu wollen. Jetzt fehlen nur noch die Ergebnisse. Und nun kommen die Bayern, jetzt wird es ernst.

Schwere Prüfung

Nicht selten hört, liest oder spricht man vor Duellen mit Bayern München, dass die Partie für Hannover 96 ja ein ganz einfaches Spiel sei. Gegen die Bayern holt man eh nichts, ein Punkt wäre schon ganz toll und bei einem Sieg würde natürlich gleich die Sensationskeule durch die Medienwelt geprügelt – zurecht. Doch warum um Himmelswillen soll diese Partie aktuell leicht sein? Die Bayern scheinen sich momentan unter ihrem neuen Trainer, dem ehemaligen Spieler Niko Kovac, wiedergefunden zu haben. Kovac hat die anfängliche Rotation eingeschränkt, sein System geändert, Joshua Kimmich auf die Doppelsechs neben Leon Goretzka berufen, und auf einmal siegen die Bayern wieder. Gegen diese Bayern, die bislang noch mit Klatschen am Geizen waren, sollte man sich vorsehen, dass man nicht die erste wirklich derbe Niederlage kassiert. Eine Niederlage kann wehtun, doch eine zu hohe Reibe kann eine Hypothek für die Schlussphase der Saison bedeuten. Hannover 96 steht ganz und gar nicht vor dem leichtesten Spiel der Saison, es steht vielmehr vor einer der schwersten Prüfung des Jahres.

Yin und Yang

Nicht falsch verstehen, ich würde auch eine 1:2-Niederlage gegen die Bayern als einen Achtungserfolg ansehen. Selbst dann noch, wenn Lewandowski in der 88. Minute noch ein drittes Tor obendrauf setzen sollte. Eine geschlossene, vor allem selbstbewusste und nicht nur auf Schadensbegrenzung ausgelegte Mannschaftsleistung gegen den FC Bayern – genau die wünsche ich mir von Hannover 96. Denn selbst eine knappe Niederlage – so blöd das auch klingen mag – könnte für die letzten Spiele des Jahres für Selbstvertrauen bei Hannover 96 sorgen. Frei nach dem Motto: Wir hätten die Bayern ja immerhin fast geärgert. Doch wo Yin ist, ist Yang nicht weit: Im Umkehrschluss könnte der FC Bayern auch mit 6:0 in Hannover gewinnen. Dann wäre nicht nur das gerade wieder leicht vor sich hinglimmende Selbstvertrauen wie weggepustet, sondern auch der Trainer wieder in der Kritik.

Ein wenig Träumen muss erlaubt sein

Hannover 96 steht also vor dem vielleicht schwersten Spiel unter Trainer André Breitenreiter. Dennoch, so surreal wie es klingen mag, standen die Chancen auf einen 96-Sieg über München lange nicht so gut wie dieser Tage: Neuer Trainer, viele Verletzungen, Systemänderungen und ein kräftezehrendes 3:3-Remis unter der Woche bei Ajax Amsterdam – die Bayern haben auch schon in der Bundesliga gegen Fortuna Düsseldorf zu Hause zwei Punkte liegen lassen und drei Buden kassiert. Also wenn nicht jetzt, wann dann? Mein Tipp: Hannover 96 verliert trotzdem mit 0:3. Auch ein wenig Träumen ist schlussendlich nur geträumt.

Samstag, 15. Dezember 2018, 15.30 Uhr:
Hannover 96 – FC Bayern München

(Foto: Pressefoto/Hannover 96)

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