Lorenz Varga
17. Januar 2019

Faschismus ist verhinderbar

Im Schauspielhaus feiert heute Bertolt Brechts Gangster-Satire „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ Premiere

Al Capone? Adolf Hitler? Katja Gaudard als Arturo Ui

Bertolt Brechts Theaterstück „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“, eine Parabel über den Aufstieg Adolf Hitlers, die als Gangster-Satire im Chicago der Prohibitionszeit angesiedelt ist, feiert heute im Schauspielhaus seine Premiere. Die Story: Der Gangsterboss Arturo Ui will an die Macht. Doch in Chicago hat der alte Dogsborough das Sagen. Er ist der Inbegriff eines redlichen Mannes. Sein Wort zählt, sein Ruf ist tadellos. Auch dem mächtigen Blumenkohl-Kartell geht es schlecht, es ist Wirtschaftskrise. Die dringend benötigten Anleihen werden von Dogsborough verweigert. Da wird er durch eine Intrige übervorteilt und macht sich angreifbar. Aber noch hält Ui seine schützende Hand über ihn, unliebsame Zeugen werden von seinen Schergen aus dem Weg geräumt. Doch das alles hat seinen Preis. Arturo Ui verlangt Schutzgeld. Dem wird durch einen Speicherbrand beim Gemüsehändler Hook Nachdruck verliehen. Der Speicherbrand-Prozess wird zur Farce, längst hat Ui seinen Einfluss auch auf das Justizwesen der Stadt ausgedehnt. Das zunehmend gewalttätige Klima verängstigt die Menschen und macht sie gefügig. Auch in den eigenen Reihen wird gesäubert. Sein ihm ergebener Leutnant Ernesto Roma wird mit seinem Anhang an die Wand gestellt. Aber Chicago reicht nicht, Arturo Ui will mehr.

Die Parallelen zum Aufstieg Adolf Hitlers sind unverkennbar. Das beginnt schon bei der Namensgebung wie etwa Ernesto Roma (Ernst Röhm), Ignatius Dullfeet (Engelbert Dollfuß) oder auch dem hinkenden Guiseppe Givola (Joseph Goebbels). Desweiteren ist in dem alten Dogsborough Reichspräsident Hindenburg zu erkennen, der sich durch die Unterschlagung von Osthilfe-Geldern angreifbar gemacht hatte, und das Feuer in Hooks Speicher ist unschwer als Reichtagsbrand zu identifizieren. Schließlich endet das Stück mit dem Einmarsch in Cicero, sprich Österreich. Arturo Ui selber trägt dabei nicht nur Züge Adolf Hitlers, er residiert beispielsweise auch in einem Hotelzimmer so, wie es einst Al Capone tat. Und auch die Ermordung von Ernesto Roma und seinem Gefolge erinnert nicht nur an den sogenannten Röhm-Putsch, sondern auch an das Valentinstag-Massaker 1929 in Chicago.

Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui entstand 1941 im Exil. Es wurde zu Bertolt Brechts Lebzeiten weder gedruckt noch aufgeführt. Eigentlich hatte Brecht das Stück für das amerikanische Theater geschrieben, doch dort wagte sich niemand an eine Aufführung. Ein Stück, das die soziale und ökonomische (kapitalistische) Situation Amerikas als tendenziell ebenso anfällig für Faschismus beschrieb, wie die in Europa, war dann wohl doch zu heikel. So fand die Uraufführung erst 1958 in Stuttgart statt.

Donnerstag, 17. Januar 2019:
„Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“, Premiere, Inszenierung von Claudia Bauer, Schauspielhaus Hannover, Prinzenstraße 9, 30159 Hannover, Beginn: 19.30 Uhr, Eintritt: 23 bis 45 Euro

  • weitere Aufführungen:
  • Samstag, 19. Januar, 19.30 Uhr
  • Mittwoch, 23. Januar, 19.30 Uhr
  • Freitag, 8. Februar, 19.30 Uhr
  • Sonntag, 17. Februar, 17 Uhr
  • Eintritt: 15 bis 43 Euro

(Foto: Pressefoto/Niedersächsisches Staatstheater/Isabel Machado Rios)

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Kategorien: Bühne, Tagestipps

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