Susanne Viktoria Haupt
1. Januar 2019

Des Malers Tragik

Mit „Werk ohne Autor“ hat Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck vor allem die tragischen Momente des Malers Gerhard Richter eingefangen

Thriller und Historien-Drama in einem: „Werk ohne Autor“ von Florian Henckel von Donnersmarck, Filmplakat

Die Werke von Gerhard Richter gehören zu den teuersten der Welt. Zumindest wenn man nur auf lebende Künstler blickt. Sein Leben war bisher auch äußerst anregend und aufregend. Aber ein besonders tragisches Bruchstück aus seinem Leben kam erst 2004 an die Oberfläche. Denn Gerhard Richters Tante wurde während des NS-Regimes erst einer Zwangssterilisation unterzogen und später ermordet. Das alleine ist tragisch genug, aber die Wege des Lebens schlagen manchmal ganz absurde Richtungen ein. Richters erste Frau, Marianne Eufinger, war die Tochter von Heinrich Eufinger, der einer der Hauptverantwortlichen für die Zwangssterilisation war. Richter soll das zu Zeiten der Ehe nicht gewusst haben. Die Geschichte klingt nach einem ganz schlechten Film. Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck wollte aus diesen tragischen und absurden Begebenheiten aber einen guten Film machen und liefert nun mit „Werk ohne Autor“ direkt den deutschen Oscar-Beitrag 2019.

In „Werk ohne Autor“ heißt Gerhard Richter Kurt Barnert (Tom Schilling). Aber auch Kurt wird Zeuge davon, wie seine geliebte Tante Elisabeth (Elisabeth May), die an Schizophrenie erkrankt ist und von SS-Männern weggebracht wird. Kurt sieht sie nie wieder und verliert sich einige Jahre lang im Strudel der Ereignisse. Nach dem Krieg geht Kurt an die Kunstakademie Dresden und lernt dort Ellie (Paula Beer) kennen, in die er sich verliebt. Die Liebe zwischen den beiden geht sogar so weit, dass er mit ins elterliche Haus einzieht. Was Kurt allerdings nicht weiß, ist, dass Ellies Vater Professor Carl Seeband (Sebastian Koch) eben jener Arzt ist, der für die Sterilisation und spätere Ermordung seiner Tante verantwortlich ist.

Mit „Werk ohne Autor“ hat sich Florian Henckel von Donnersmarck wahnsinnig viel vorgenommen. Die Geschichte zieht sich über drei Generationen hinweg und verlangt sowohl den Darstellerinnen und Darstellern, wie auch dem gesamten Team ordentlich etwas ab. Ob das für einen Mann in Gold reichen wird? Zumindest kann man sich im Apollo-Kino heute zum Jahresbeginn schon einmal eine erste Meinung bilden.

Dienstag, 1. Januar 2019:
„Werk ohne Autor“, Spielfilm von Florian Henckel von Donnersmarck, D 2018, 188 Min., Apollo-Kino, Limmerstraße 50, 30451 Hannover, Beginn: 20.15 Uhr, Eintritt: 7,50 Euro, ermäßigt: 6,50 Euro

(Foto: Filmplakat)

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Kategorien: Film, Tagestipps

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