Susanne Viktoria Haupt
3. Januar 2019

Haste keins, schnitz dir eins!

Der Stoff, aus dem größenwahnsinnige Träume sind: Das Kommunale Kino im Künstlerhaus zeigt heute Nihal Attalahs neuen Film „Rey“

Ist schon jetzt Kult: „Rey“ von Nihal Attalah, Filmplakat

Ich habe da so einen Freund, und nein, das ist jetzt nicht gelogen. Das ist keine dieser Situationen, in denen ich jemanden um Rat frage, weil es doch „um einen Freund“ geht. Ich habe einen sehr guten Freund, sowas wie einen besten Freund noch aus Studienzeiten. Wir nannten ihn immer scherzhaft Napoleon (weil er nun mal sehr viel Ähnlichkeit mit ihm hat, also äußerlich) und ich beneide ihn bis heute um seinen kanariengelben Vogel. Und er ist auch ein etwas schräger Vogel. Brillant, aber schräg. Liebevoll, aber manchmal auch größenwahnsinnig. Leider auch so trocken in seinem Humor, dass man nicht immer ganz sicher sein kann, ob dieses oder jenes nun im Scherz gesagt wurde – oder aber nicht. Einmal sprach er davon, dass er ein eigenes Imperium aufbauen wollen würde. Sowas wie Europa, nur eben mit kanariengelber Flagge und unter seiner Herrschaft. Man sagt immer, dass Freundinnen und Freunde das Spiegelbild von einem selbst seien. Das lasse ich mal so stehen.

Einen ähnlichen Gedanken hatte auch Orélie Antoine de Tounens. Geboren wurde er 1825 in Frankreich, dann ging er allerdings für ein Studium nach Chile. Chile fand er nicht nur einfach super und wollte Teil davon sein, sondern eher auch gleich einen Teil davon haben. Da Orélie nun mal kein riesiges Heer hatte, war also eine Übernahme von ganz Chile ausgeschlossen. Blieb also nur noch ein Streifen Land, das für Chile selbst nicht von Belang war, aber von den Mapuche bewohnt wurde. Mit den Mapuche verstand sich der französische Austausch-Herrscher auf Anhieb ganz fabelhaft und ermutigte sie nicht nur dazu, einen eigenen Staat zu gründen und sie bei der Gründung zu unterstützen, sondern ihn gleichzeitig zum König zu machen. Da saß aber jemand in Aristoteles Rhetorik-Klasse ganz weit vorne. Alles schön und gut, nur die Chilenen und Franzosen hat das neue Königreich von Araukanien und Patagonien nicht interessiert. Und das trotz bereits vorhandener eigener Flagge und Hymne!

Aus diesem historischen Stoff hat Regisseur Niles Attalah nun einen Film namens „Rey“ gemacht, der gerade aufgrund seines Trash-Gehalts bereits zum Kult-Objekt einer kleinen Fangemeinde erhoben wurde. Das fügt sich in diesem Falle aber auch ideal ins Gesamtbild. Gezeigt wird „Rey“ heute und in den kommenden Tagen im Kommunalen Kino im Künstlerhaus.

Donnerstag, 3. Januar 2019:
„Rey“, Spielfilm von Niles Attalah, Chile/F/NL/D 2017, 90 min., OmU, Kino im Künstlerhaus, Kommunales Kino, Sophienstraße 2, 30159 Hannover, Beginn: 18 Uhr, Eintritt: 6,50 Euro, ermäßigt: 4,50 Euro

  • weitere Aufführungstermine:
  • Freitag, 4. Januar, 18 Uhr
  • Samstag, 5. Januar, 18 Uhr
  • Sonntag, 6. Januar, 20.15 Uhr
  • Dienstag, 8. Januar, 20.15 Uhr

(Foto: Filmplakat)

Wenn Dir dieser Text gefällt, teile den Artikel auf Facebook,
hinterlasse einen Kommentar oder abonniere unseren RSS-Feed!

Artikel drucken

Kategorien: Film, Tagestipps

Kommentiere diesen Artikel