Susanne Viktoria Haupt
20. Januar 2019

Vormoderne Kommunikationswege

Gelungene Abwechslung: Das Theaterstück „Café Surreal“ beschäftigt sich heute im KinderTheaterHaus mit analoger Kommunikation

Café Surreal

Von Gesprächen und Konflikten: „Café Surreal“, Pressemotiv

Nun, was ist das eigentlich derzeit? Die Moderne ist es längst nicht mehr, aber kann man das noch Postmoderne nennen? Obwohl, was war oder ist eigentlich die Postmoderne? Bevor wir dieses Fass nun öffnen, was in etwa der Büchse der Pandora gleichkommt, stellen wir lieber mal den Tagestipp für heute vor. Um unsere Gegenwart kommen wir aber dennoch nicht herum. Um miteinander zu kommunizieren, bedarf es heutzutage kaum noch einer großen Anstrengung. Hier mal schnell eine Nachricht getippt, dort einen Post gesetzt – und für besonders Faule gibt es ein paar Seufzer als Sprachnachricht. Diese Variante ist übrigens nicht nur besonders faul, sondern auch eine ziemlich egozentrische Kommunikationsform. Sie dürften eigentlich nur Kinder nutzen, denn die süßen Stimmen konserviert man sich natürlich gerne auf dem mobilen Endgerät.

Auf diesen Kommunikationswegen tun wir uns übrigens indirekter weh. Wir können schneller gemein sein, denn wir sehen unseren Gegenüber nicht. Wir verschwinden in der Anonymität und können Gesprächen schon damit aus dem Weg gehen, in dem wir andere Menschen blockieren oder aber einfach ihre Nachrichten löschen. Wir trauen uns mehr hinsichtlich der Austeilung, aber dem Einstecken gehen wir großzügig aus dem Weg.

Ein Treffen in einem Café ist eine ganz andere Angelegenheit. Hier sitze ich einem Menschen gegenüber und interagiere direkt. Ich höre zu, ich reagiere, bei Bedarf kann ich dramatisch vom Tisch aufstehen, meine Serviette hinschmeißen und aus der Tür rennen. Das ist nicht so passiv-aggressiv wie das Beenden einer Facebook-Freundschaft. Das hat irgendwie noch Stil und gibt die Möglichkeit, einen Konflikt offen auszutragen. So auch im „Café Surreal“, dem fiktiven Café im gleichnamigen Stück, das heute im KinderTheaterHaus aufgeführt wird. Hier kommuniziert man noch direkt, aber im Sinne des Surrealismus muss das keinesfalls normal ablaufen. Geeignet ist das Stück für Jugendliche ab 14 Jahren. Es lädt ein, darüber nachzudenken, was eigentlich normal ist, und wie wir wieder lernen können, auch hinsichtlich der zwischenmenschlichen Kommunikation aus unserer Komfortzone herauszutreten.

Sonntag, 20. Januar 2019:
„Café Surreal“, Theaterstück ab 14 Jahren, Gastspiel der Theatergruppe Menschenlandschaften, KinderTheaterHaus Hannover, Kestnerstraße 18, 30159 Hannover, Beginn: 20.15 Uhr, Eintritt: 12 Euro, ermäßigt: 8 Euro

(Foto: Pressefoto/Freies Theater Hannover)

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Kategorien: Bühne, Medien, Tagestipps

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