Susanne Viktoria Haupt
26. Januar 2019

Hier kann man noch gen Sonnenuntergang reiten!

Die Swamp Rock-Combo Gehøvenen spielt heute exklusiv im Béi Chéz Heinz ungefähr 30 Songs aus 30 Jahren Bandgeschichte

Zu einer Band wie Gehøvenen passen keine Hochglanzfotos. Dafür sind sie heute aber ganz scharf im Béi Chéz Heinz zu sehen

Neulich machte eine Meldung im Internet die Runde, als eine Frau Menschen anbot, dass sie ganz dramatisch in Schwarz zu deren Beerdigung erscheinen würde. Sie würde dann mit einem ebenfalls schwarzen Regenschirm etwas abseits stehen und mit Tränen auf die Beisetzung blicken. Dadurch sollten alle Anwensenden denken: Mann, der oder die Verstorbene hatte wohl ein ganz spannendes Geheim-Leben! Ja, und irgendwie haben wir doch alle ein geheimes Parallel-Leben. Bereiche, in die wir maximal unsere besten Freunde reinlassen. Wir können nicht wissen, was hinter den zahlreichen geschlossenen Türen abläuft. Vielleicht geht Poetry Slam-Daddy Henning Chadde gerne zum Rodeo. Vielleicht näht langeleine-Autor Sebastian Albrecht in seiner Freizeit heimlich Eiskunstlauf-Kostüme und verkauft sie auf Etsy. Und vielleicht verbringe ich meine Urlaube zu 85 Prozent damit, irgendwo Karussell zu fahren. Wer weiß!

langeleine-Chef Jörg Smotlacha hingegen macht aus seinem Parallel-Leben kein großes Geheimnis. Das könnte man langweilig und wenig mysteriös finden, wenn seine Aktivitäten nicht so cool und teilungswürdig wären. Smotlacha ist nämlich niemand anderes als der Kopf der Band Gehøvenen. Soll heißen: Der Junge kann nicht nur schreiben, sondern auch singen. Ich habe den Beweis in CD-Form. Aber er kommt natürlich nicht alleine auf die Bühne geschossen, denn sonst würde ich hier wohl kaum von einer Band sprechen. Und die Jungs von Gehøvenen haben genauso Pfeffer unter den Sohlen wie Good Ol‘ Joe. Mit Jan, Stefan und Matthias an Gitarre, Bass, Banjo und Orgel und Robert am Schlagzeug fegen Gehøvenen heute wie Cowboys in bester Manier über die Bühne des Béi Chéz Heinz. Denn daran erinnert der Sound der Combo, nur eben auf eine gute Art und Weise. Sie klingen in etwa so, als wenn Johnny Cash erst mit Ende 30 beschlossen hätte, Musik zu machen, aber gleichzeitig die Eingebung gehabt hätte, dass er viel zu cool ist, um damit Karriere zu machen – und mal ernsthaft, eigentlich war Johnny Cash ja auch immer viel zu cool dafür.

In Frankreich nennt man es das „Je ne sais quoi“, ich nenne es diese unglaublich beeindruckende „I don’t give a Fuck“-Einstellung, die Menschen rau und spannend kantig macht. Das spürt man bei Gehøvenen aber nicht nur am Sound, sondern auch am gesamten Auftreten. Und das ist es auch, was einem zeigt, dass hier nicht einfach ein Parallel-Leben, ein Hobby zum Ausgleich des Alltagsstresses, auf die Bühne gebracht wird, sondern ein wichtiger Teil der Persönlichkeit, eine Leidenschaft, eine Lebenseinstellung. Deswegen sollten alle Interessierten vorab auch ein paar Plakate zum Hochhalten basteln, auf denen der Wunsch nach mehr Gehøvenen-Konzerten sichtbar wird. Denn wir alle möchten doch etwas öfter gen Sonnenuntergang reiten und dabei den perfekten Soundtrack im Ohr haben, oder nicht?

Samstag, 26. Januar 2019:
Gehøvenen, Konzert, Béi Chéz Heinz, Liepmannstraße 7b, 30453 Hannover, Einlass: 19 Uhr, Beginn: 20 Uhr, Eintritt: 9 Euro

(Foto: Pressefoto/Béi Chéz Heinz/Gehøvenen)

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Kategorien: Musik, Tagestipps

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