Roman Kansy
14. Januar 2019

Der kubanische Billy Eliott

Der Film „Yuli“ erzählt als Hybrid zwischen Tanzfilm und Biographie über das emotionale Leben des kubanischen Ballett-Tänzers Carlos Acosta

 

„Yuli“ ist ein wunderbarer Spagat zwischen filmischer Biographie und Hommage an Kuba

Protagonist Carlos (Edilson Manuel Olbera) verbringt seine Jugend unter ärmlichen Verhältnissen in der kubanischen Hauptstadt Havanna. Als sein Vater (Santiago Alfonso) das große Tanz-Talent seines Sohnes bemerkt, sieht er darin eine Möglichkeit, ihn aus der strukturellen Armut ausbrechen zu lassen. Das strenge Familien-Oberhaupt meldet Carlos gegen seinen Willen in einer der staatlichen Ballett-Schulen an. Mit Härte und Disziplin sorgt er dafür, dass Carlos den für ihn auserwählten Weg beendet. Für den Sohn ist es allerdings alles andere als leicht, in einem Ballett-Internat, fernab von seiner Familie, zu leben. Er lernt, sein Leben in der Einsamkeit einzurichten und schafft es, das ursprünglich aufgezwungene Ballett, zu seinem Zufluchtsort zu machen. Alle, die ihm bei seinem Tanz beobachten, merken bald, dass sie dem nächsten großen Ballett-Star zuschauen.

Die spanische Regisseurin Iciar Bollain schafft es, die Ausdrucksstärke des Ballett-Tanzes sinnvoll in die Dramaturgie ihres Films zu integrieren. Ballett und Film greifen hier beeindruckend ineinander. Die Tanz-Szenen sind von solcher Ausdruckskraft, dass Worte gar nicht nötig sind, um die Szenen sprechen zu lassen. Als Choreographin wurde Maria Rovira engagiert. Der Film thematisiert nonverbal die Gewalt des Vaters gegen seinen Sohn, die emotionale Welt eines gefeierten Stars und die Last des Gefühls, seine Heimat verlassen zu haben. Aber auch die Heimat Kuba hat eine stille Rolle in Bollains Werk erhalten: Land und Menschen werden durch faszinierende Bilder ebenso portraitiert wie die dunkleren Seiten der kubanischen Gesellschaft. Bollain verschweigt bei allem nicht die harte Realität, mit all ihrer Armut und der komplizierten politischen Situation, mit der viele Kubaner zu kämpfen haben. „Yuli“ bleibt vor allem als mutiger, energetischer Film in Erinnerung, der den Spagat zwischen heimatlicher Liebeserklärung und Biographie über einen besonderen Tänzer beeindruckend meistert.

Montag, 14. Januar 2019:
„Yuli“, Drama von Iciar Bollain, E/GB/D 2018, 110 Min., Omu, Vorpremiere mit Weinumtrunk, Kino am Raschplatz, Raschplatz 5, 30161 Hannover, Beginn: 20.30 Uhr, Eintritt: 9 Euro, ermäßigt: 8,50 Euro

(Foto: Filmplakat)

Wenn Dir dieser Text gefällt, teile den Artikel auf Facebook,
hinterlasse einen Kommentar oder abonniere unseren RSS-Feed!

Artikel drucken

Kategorien: Film, Tagestipps

Kommentiere diesen Artikel