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Breitenreiters letztes Spiel?

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund

Sitzt morgen vielleicht das letzte Mal an der Seitenlinie als 96-Trainer: André Breitenreiter

„Mit einer Leistung wie aus dem Hinspiel haben wir durchaus Chancen, für eine große Überraschung zu sorgen“, sagte 96-Trainer André Breitenreiter vor der Partie am Samstag gegen Borussia Dortmund. Breitenreiter hat damit sicherlich recht, denn im Hinspiel am zweiten Spieltag sah man eine mutig aufspielende und aufopferungsvoll verteidigende hannoversche Mannschaft, die sich nach dem Abpfiff mit einem überraschenden, torlosen Punktgewinn von ihren Fans feiern lassen durfte. Seither sind jedoch 17 Spieltage ins Land gezogen und den BVB und 96 trennen fußballerisch mittlerweile nicht nur mehrere Morgen, sondern gefühlte Lichtjahre. Während sich Schwarz-Gelb unter seinem neuen Trainer Lucien Favre zum Tabellenführer und Meisterschaftsfavoriten entwickelte, wurde aus Hannover 96 ein Top-Aspirant auf den direkten Abstieg.

Vertane Chance

Hannover 96 hatte während der Winterpause die Chance, sich für den beschwerlichen Weg aus dem Tabellenkeller zu wappnen. Es wurden zwei Leihen getätigt und Rekordtransfer Jonathas zurückgeholt – so sollte der Kader den Turnaround schaffen. Das Spiel gegen den SV Werder Bremen vergangene Woche jedoch zeigte, dass es weiterer Verstärkungen bedürfte, um denm Abstiegh zu entgehen. Dem Mittelfeldzentrum würde ein torgefährlicher Spielmacher gut tun, der auch ein Auge für den Nebenmann hat. Und bei all den verletzungsanfälligen Spielern im Kader würde auch ein weiterer schneller Außenstürmer helfen. Hieß es letzte Woche noch von Präsident Martin Kind, dass die Transferaktivitäten beendet seien, so ruderte er in dieser Woche schon wieder zurück. Es sollen noch weitere Transfers getätigt werden. Doch die Chance für die potenziellen Neuzugänge, sich vor dem Rückrundenauftakt mit der Mannschaft einzuspielen, ist damit schon einmal vertan.

Blutleerer Rückrundenstart

André Breitenreiter betonte auf den 96-Pressekonferenzen immer wieder, dass er weitere neue Spieler brauche. Sein Wunsch wird nun wohl erhört, doch ob er mit dem oder den Neuen überhaupt noch zusammen auf dem Trainingsplatz stehen wird, das steht derweil noch in den Sternen. Zu Wochenbeginn wurde erneut die Trainerfrage gestellt, beantwortet wurde sie nicht wirklich. Denn Breitenreiter wird in Dortmund auf der Bank sitzen – doch zum Trainer bekennen wollte sich weder Manager Horst Heldt noch Präsident Kind. Generell sei man ja mit der Arbeit des Trainers zufrieden, doch mittlerweile würde selbst Breitenreiter verstehen, wenn man ihn beurlauben würde. Seine Mannschaft ließ gegen Bremen das Aufbäumen vermissen, welches sich jeder, der es mit den Roten hält, gewünscht hätte. Blutleer beschreibt den harmlosen Rückrundenauftakt ganz gut. Und sollte 96 im Signal Iduna Park des BVB so hilflos agieren, wie gegen die nicht gerade vor Spielfreude überschäumenden Hanseaten, dann droht in Dortmund ein Schlachtfest – und einen solchen Abgang hätte Breitenreiter einfach nicht verdient.

Ein Nachgeschmack bleibt

Dem 96-Cheftrainer steht nun also ein Schicksalsspiel bevor, zu dem es eigentlich gar nicht hätte kommen dürfen. Denn Hannover 96 hätte zur Rückrunde die Reißleine ziehen können, wenn man mit der Arbeit des Trainers nicht mehr zufrieden gewesen wäre. Ein neuer Übungsleiter hätte übernommen und das Team während der Winterpause kennenlernen, seine Ideen implementieren und ein neues 96 auf den Rasen stellen können. Da sich der Verein aber gegen einen Rauswurf entschied, müsste man nun konsequenterweise auch mit Breitenreiter weitermachen – notfalls bis zum bitteren Ende. Ob der Trainer die Mannschaft erreicht oder nicht, kann ein Außenstehender nur schwer beurteilen, doch falls dies nicht mehr der Fall sein sollte, dann darf sich Horst Heldt den schwarzen Peter für eine verkorkste Winterpause selbst zustecken, denn dann hätte er handeln müssen. Doch irgendwie bleibt der ekelige Nachgeschmack, dass 96 einfach noch Dortmund und vielleicht sogar noch Leipzig abwartet, damit der neue Coach nicht gleich mit 0:10 Toren nach zwei Spielen verbrannt wird und der viel zitierte positive Aspekt eines Trainerwechsels nicht gleich in Gänze verpufft.

Ein Debakel droht

Gegen den Bundesliga-Primus aus Dortmund kann 96 morgen eigentlich nur verlieren, auch wenn Fortuna Düsseldorf es den Roten vormachte, wie man als Underdog gegen den BVB gewinnen kann. Doch im Gegensatz zum aktuellen hannoverschen Team kratzt und beißt sich die Fortuna in jeden noch so aussichtslosen Zweikampf, frisst auch mal Gras und belohnt sich für das Aufbäumen. Bei Hannover 96 hat man hingegen das Gefühl, dass die Spieler schon mit hängenden Schultern auf den Platz auflaufen. Und nun steht das Schicksalsspiel des Trainers an. Wird 96 von den Virtuosen rund um Marco Reus auseinandergenommen, dann dürfte es das letzte Spiel Breitenreiters gewesen sein. Gleiches dürfte auch im Falle einer knappen Niederlage ohne ersichtliche Gegenwehr der Fall sein. Sollte Hannover gut mitspielen und verlieren oder gar Remis spielen, dann könnten wir den 45-Jährigen auch nächste Woche noch auf der 96-Bank sehen. Im Falle eines Sieges… Nein, dazu fehlt mir einfach die Fantasie. Mein Tipp: Hannover 96 wird im Signal Iduna Park so richtig in die Mangel genommen und mit 0:5 die Heimreise antreten.

Samstag, 26. Januar 2019, 15.30 Uhr:
Borussia Dortmund – Hannover 96

(Foto: Thomas Rodenbücher/Wikipedia, Copyright: CC BY-SA 2.0 [1])

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