Sebastian Albrecht
29. Januar 2019

Take The (Female) Power Back

Das Kommunale Kino im Künstlerhaus zeigt heute Abend den Dokumentarfilm „#Female Pleasure“ von der Schweizer Regisseurin Barbara Miller

Female Pleasure

Dokumentiert den Einsatz von fünf Frauen gegen die Unterdrückung der weiblichen Sexualität: „#Female Pleasure“, Filmplakat

Fünf Frauen aus den verschiedensten Teilen der Welt hat Regisseurin Barbara Miller in den Mittelpunkt ihrer Dokumentation „#Female Pleasure“ gestellt – fünf Frauen, die auf den ersten Blick vielleicht nicht viel gemeinsam hätten, wäre da nicht der Titel des Filmes, der einen Fingerzeig gibt, was sie einen könnte. Und in der Tat ist die weibliche Lust die Gemeinsamkeit ihrer Geschichten, die dem Film einen thematischen Überbau gibt; doch im Prinzip geht es in „#Female Pleasure“ um mehr, denn natürlich ist Beschäftigung mit der weiblichen Sexualität immer auch mit der allgemeinen Rolle der Frau in einer Gesellschaft verknüpft. Die fünf Frauen, die Miller porträtiert, kommen von verschiedenen Kontinenten, aus fünf unterschiedlichen Kulturen beziehungsweise Religionen, die alle auf ihre ganz eigene Weise weibliche Sexualität unterdrücken, verschleiern und verdrängen.

Millers Protagonistinnen wollen die Strukturen aufbrechen, die einer selbstbestimmten weiblichen Sexualität im Wege stehen, wollen Mut beweisen und aufmerksam machen. Ein gleichberechtigtes Miteinander schaffen. Zu dem Quintett zählt die japanische Künstlerin Rokudenashiko, die 2014 verhaftet und angeklagt wurde: Sie hatte ein Kajak entworfen, das einer Vulva nachempfunden war – nicht ihr erstes Kunstwerk, das sich an den weiblichen Genitalen orientierte, um anzuprangern, dass diese in der japanischen Gesellschaft tabuisiert und wenig präsent sind. Weniger verschämt wird in Japan hingegen auf das männliche Geschlechtsteil reagiert, so zum Beispiel beim Kanamara-Matsuri, einem jährlich gefeierten Fest in der Stadt Kawasaki, das übersetzt soviel wie „Fest des stählernen Penis“ bedeutet.

Vithika Yadav wiederum ist Mitbegründerin der Plattform „Love Matters“. Sie soll rund um die Themen Liebe, Beziehungen und Sex aufklären. Außerdem kämpft sie für eine Stärkung der Rolle der Frau in ihrem Heimatland Indien, die dort noch immer einen geringen Wert hat und sexuellen Belästigungen und Übergriffen ausgesetzt ist. Ebenfalls Menschenrechtsaktivistin ist Leyla Hussein. Die Somalierin setzt sich für ein Ende der Tradition der weiblichen Beschneidung ein. Eine Erfahrung, die sie selbst ebenfalls machen musste. Über dieses „Reinheitsritual“ herrschen bei vielen noch immer bloß vage Vorstellungen, durch Husseins Aufklärung wird vielen erst das Ausmaß der grausamen Praktik bewusst.

Mit Deborah Feldman und Doris Wagner komplettieren zwei Frauen aus der westlichen Welt das Quintett. Feldman wuchs zwar mitten im liberalen New York auf, jedoch als Angehörige einer ultraorthodoxen jüdischen Gemeinschaft. Mit siebzehn Jahren wurde sie an einen Mann verheiratet, den sie nicht kannte. Ihr wurde beigebracht, ihm, auch in sexueller Hinsicht, dienen zu müssen. Einige Jahre nach der Geburt ihres Sohnes gelang es ihr, aus der Gemeinschaft zu entfliehen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Die Deutsche Doris Wagner hingegen trat mit 19 Jahren in ein erzkatholisches Ordenskloster ein. Als Nonne wurde sie mehrmals von einem Priester sexuell missbraucht. Von einer vorgesetzten Nonne, der sie sich anvertraute, bekam sie keine Hilfe. Wagner sagte sich von der katholischen Kirche los und setzt sich inzwischen für Missbrauchsopfer in der katholischen Kirche und kirchlichen Sekten ein.

Obwohl die Geschichten der fünf Frauen deprimierend erscheinen mögen, gelingt es Miller, mit „#Female Pleasure“ ein positives Bild zu zeichnen. „Wer will, dass die Welt so bleibt, wie sie ist, will nicht, dass sie bleibt“, heißt es in einem Gedicht von Erich Fried und könnte einen guten Untertitel für den Film abgeben: Alle fünf Frauen verweigern sich ihrem apodiktischen Schicksal, hinterfragen Traditionen und widersetzen sich festgefahrenen Strukturen. Fazit: Es sollte einem Menschen möglich sein, seine Sexualität selbstbestimmt, fernab von Unterdrückung und Zwang ausleben zu können. Und doch ist das – besonders häufig für Frauen – noch immer keine Selbstverständlichkeit, ganz im Gegenteil. Das zu ändern, dafür stehen Wagner, Feldmann, Yadav, Hussein und Rokudenashiko exemplarisch in Millers Film „#Female Pleasure“, der heute Abend im Kommunalen Kino im Künstlerhaus gezeigt wird.

Dienstag, 29. Januar 2019:
„#Female Pleasure“, Dokumentation von Barbara Miller, CH/D 2018, 97 min., Kommunales Kino im Künstlerhaus, Sophienstr. 2, 30159 Hannover, Beginn: 18 Uhr, Eintritt: 6,50 Euro, ermäßigt: 4,50 Euro

(Foto: Pressefoto/Filmplakat/X Verleih)

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Kategorien: Film, Politik, Tagestipps

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