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Der Retter ist da!

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Heute: das Heimspiel gegen RB Leipzig

Thomas Doll

Zurück in der Fußball-Bundesliga: Thomas Doll ist bereit für das Abenteuer Hannover 96

Hamburger SV, Borussia Dortmund, Gençlerbirliği Ankara, Al-Hilal Riad, Ferencváros Budapest: So lauten die bisherigen Stationen des neuen Cheftrainers von Hannover 96, Thomas Doll. Die Profitrainer-Karriere des in Malchin in Mecklenburg-Vorpommern geborenen Vize-Europameisters von 1992 startete im Oktober 2004, als Doll den Posten auf der HSV-Bank von Klaus Toppmöller übernahm. Doll beendetete 2001 seine Spieler-Laufbahn bei den Hanseaten und wurde fortan Trainer in den Jugendabteilungen der Rothosen. Als 2004 seine Stunde geschlagen hatte, übernahm er den HSV auf dem 18. Tabellenplatz stehend und beendete die Saison mit seinem Team noch auf Platz acht. Danach führte er die Raute zweimal bis nach Europa, sogar in die Champions League. Am 1. Februar 2007 wurde er dann nach fast zweieinhalb Jahren beurlaubt – seither sollte keiner seiner Trainerkollegen nach ihm eine längere Zeit auf HSV-Bank vorweisen.

Pokalfinale mit dem BVB

Nicht ganz sechs Wochen nach seiner Ausbootung heuerte Doll bei Borussia Dortmund an. Auch wenn man es dieser Tage kaum mehr glauben mag: auch der BVB krebste einmal im Keller der Liga herum. Doch der ehemalige Italien-Legionär Doll bewahrte nicht nur den HSV, sondern auch Dortmund vor der Zweitklassigkeit, lotste einen gewissen Mats Hummels zum BVB und erreichte im Jahr nach dem Klassenerhalt das DFB-Pokalfinale in Berlin. Er trat daraufhin jedoch im Mai 2008 aufgrund einer enttäuschenden Endplatzierung in der Liga, in der die Dortmunder nur 13. geworden waren, zurück. Nach ihm übernahm Jürgen Klopp.

Doll in der Türkei, Saudi-Arabien und Ungarn

Unvergessen bleibt bis heute die legendäre Presskonferenz, die Thomas Doll in Diensten der Dortmunder Borussia abhielt, als sich der Mecklenburger „den Arsch ablachte“ und alles nur „Blablabla“ war. Der Bundesliga kehrte der 52-Jährige im Sommer 2008 den Rücken, er heuerte dann 2009 bei Gençlerbirliği Ankara in der Türkei an. Dort kam es zum Duell mit der Trainer-Legende Christoph Daum, doch gut 15 Monate nach Amtsantritt trennten sich die Wege des türkischen Klubs und Doll schon wieder. Es folgte ein Jahr bei Al-Hilal Riad. Doch erst danach im Dezember 2013 begann die eigentliche Dollsche Erfolgsgeschichte. Doll übernahm den ungarischen Erstligisten Ferencváros Budapest. Mit den Ungarn gewann er die Meisterschaft 2015/16 und holte dreimal in Folge von 2015 bis 2017 den Pokal. Als Ungarns Trainer des Jahres 2016 wurde er obendrein ausgezeichnet.

Thomas Doll? Genau der Richtige!

Nun ist Thomas Doll Trainer von Hannover 96. Die Reaktionen, die in den letzten Tagen durch die Sozialen Medien gingen, zeigten ein geteiltes Bild. Zwischen den „Kind muss Weg“-Kommentaren fand man dann aber doch auch etwas Text. Während die einen schon den endgültigen Untergang der abstiegsgefährdeten Hannoveraner unter dem seit zehn Jahren nicht mehr in der Liga tätigen Doll heraufbeschwörten, meinten die anderen, man solle Doll doch erst einmal mit dem Team arbeiten lassen. Ich zähle mich zu den Leuten, die Thomas Doll sogar für eine ziemlich gute, wenn nicht sogar die ideale Lösung halten. Denn Doll hat bei all seinen Stationen bewiesen, dass er eine Mannschaft mitreißen kann, und wie beschrieben führte er den HSV und BVB aus der roten Zone und Budapest zu Titelgewinnen. Unter seiner aufsehenerregenden Pressekonferenz litt zwar seine Reputation, denn Doll verkam trotz vorhandener Trainer-Qualität zur arschablachenden Witzfigur, doch Doll ist inzwischen gereift. Das Feuer für den Fußball hat er sicherlich nicht verloren und nun, wo die Jahre das Gras über die Sache haben wachsen lassen, bot sich ihm die Chance, wieder in seiner Heimat auf der Trainerbank anzugreifen. Auf eine Bank, auf die sich bei all den Störgeräuschen im 96-Umfeld nicht jeder Trainer setzen würde, kommt ein Trainer, den nicht jeder Bundesligist auf dem Zettel gehabt hätte. Doll hat einen Vertrag bis 2020 und aus dieser Liaison könnte eine echte Liebesbeziehung werden.

Doll möchte sich beweisen

Nach den Abenteuern in der Türkei und Saudi-Arabien steht Thomas Doll wohl das größte seiner bisherigen Trainerkarriere bevor, denn die Situation bei 96 ist schwierig. Wie motiviert Doll die Chance angeht, wieder in der Bundesliga trainieren zu dürfen, zeigt ein Blick auf die bisherigen Trainingseinheiten. Wie ein Derwisch rannte der 52-Jährige auf dem Trainingsplatz hin und her, sprach viel mit seinen neuen Spielern, unterbrach Spielformen und zeigte auf, wie die Spieler Situationen lösen können. An Leidenschaft mangelt es ihm nicht – und vielleicht braucht Hannover 96 aktuell genau dieses Feuer eines Trainers, der es all seinen Kritikern beweisen will.

Vier Tage im Amt sind eigentlich viel zu wenig

Es könnte definitiv nicht schaden, wenn der Dollsche Funken auf die 96-Kicker überspringen würde. Doch es gibt sicherlich einfachere Einstiegsaufgaben als RB Leipzig unter dem ehemaligen 96-Aufstiegstrainer Ralf Rangnick. Die Leipziger gehören seit ihrem Aufstieg in die Bundesliga zu den besten Mannschaft der Klasse. Aktuell auf Platz vier rangierend, greifen die Bullen wieder einmal die Champions League-Plätze an, die ihr erklärtes Ziel sind. Die Angreifer Timo Werner und Yussuf Poulsen treffen nach Belieben, häufig auch gleich doppelt. Ihre Kreise gilt es also für die 96-Defensive einzuschränken, wenn der Doll-Auftakt gelingen soll. Ein Punkt gegen den Champions League-Aspiranten wäre schon ein Erfolg, bedenkt man die kurze Anlaufphase unter dem neuen Coach. Hoffen wir also, dass der Trainer-Effekt gegen die Bullen nicht gleich wieder durch eine hohe Niederlage verpufft. Thomas Doll hatte vier Tage, um sein neues Team kennenzulernen, das ist eigentlich viel zu wenig. Doch so richtig in die Vollen geht es für Hannover 96 ja ohnehin erst am kommenden Wochenende gegen den 1.FC Nürnberg. Das Heimspiel gegen den direkten Kontrahenten im Kampf um den Klassenerhalt muss 96 gewinnen, da gibt es kein Wenn und Aber. Daher hoffe ich am heutigen Abend einfach darauf, dass 96 ein anderes Gesicht zeigt, als wir im bisherigen Saisonverlauf meistens bei den Heimspielen zu sehen bekamen und tippe vorsichtig auf ein 1:1 gegen RB Leipzig. Dieser Punkt könnte für die breite Brust sorgen, die Doll von seiner Mannschaft sehen will. Das Aufbäumen könnte gerade noch zum richtigen Zeitpunkt kommen.

Freitag, 1. Februar 2019, 20.30 Uhr:
Hannover 96 – RB Leipzig

(Foto: Frank Schwichtenberg/Wikipedia, Copyright: CC BY-SA 3.0 [1])

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