Marcel Seniw
8. Februar 2019

„Bock darauf, das Ding am Wochenende zu rocken“

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Heimspiel gegen den 1.FC Nürnberg

Thomas Doll

Lässt sich nicht unterkriegen: 96-Trainer Thomas Doll kämpft

Am Trainer hat es dann wohl nicht gelegen, dass Hannover 96 vergangene Woche gegen RB Leipzig mit 0:3 verloren hat. Wie sollte Thomas Doll auch innerhalb von vier Tagen aus einer verunsicherten Mannschaft wie 96 eine gestandene Einheit bilden, die gegen ein Spitzenteam wie RB Leipzig etwas Zählbares holt? Einen derartigen Umschwung hätte man wohl nur dann erlebt, wenn das Team in den Vorwochen gegen ihren Trainer, gegen Dolls Vorgänger André Breitenreiter, gespielt hätte. Hat das Team jedoch nicht, im Gegenteil. Doch leider fehlt der Mannschaft scheinbar wirklich die nötigen Klasse für die Erste Bundesliga. Thomas Doll lässt sich aber von der 0:3-Niederlage zum Auftakt seiner Amtszeit noch keineswegs entmutigen.

Die Köpfe frei bekommen

Auch in dieser Trainingswoche standen für den 52-Jährigen viele Einzelgespräche mit seinen Schützlingen an. Doll will seine Spieler nicht nur oberflächlich kennenlernen, sondern einen Draht zu ihnen aufbauen, menschlich sein. Über diesen Weg will er die Blockaden in den Köpfen der 96-Profis lösen. Nach harten Trainingseinheiten, in denen ein „kalter Nordwind“ herrschte, ließ der Blockaden-Löser auch mal eine Runde Fußball-Tennis mit ins Trainingsprogramm einfließen. Köpfe frei bekommen, die Spieler wissen schließlich, was am Samstag für eine wichtige Partie auf dem Programm steht. Und für die wird Hannover 96 ein frisches und vor allem gedankenschnelles Oberstübchen benötigen.

Duell der Sieglosen

Wenn Hannover 96 am Samstag auf den 1.FC Nürnberg trifft, spielt das schlechteste Heimteam gegen das miserabelste Auswärtsteam der Liga. 96 wartet bereits seit neun Spieltagen auf einen Sieg, der Club sogar seit 14 Partien. Im Netz bekam das Kellerduell der beiden Traditionsklubs daher den nicht ganz so liebevollen Spitznamen „El Kackico“. Für mich ziemlich ausgelutscht. Seit einigen Jahren muss Dortmund gegen Bayern ja auch „deutscher Classico“ genannt werden und Hoffenheim gegen Leipzig kennt man nun auch schon als „El Plastico“. Naja, etwas Gutes haben diese Wortspielereien ja: Recycling ist endlich in den Köpfen der Menschen angekommen.

Schwache Abwehrreihen

Doch wer sagt eigentlich, dass Hannover 96 gegen den 1.FC Nürnberg ein Kack-Spiel werden muss? Eigentlich spricht doch alles eher für eine begeisternde Kellerkinder-Kalberei. Eine angespannte Ausgangslage und ein Sechs-Punkte-Spiel mit Endspiel-Charakter. Und auch wenn die schwächsten Offensiven der Liga (Hannover 18 Tore, Nürnberg und Stuttgart 17) aufeinandertreffen, so stehen hinter diesen immerhin auch die schlechtesten Defensiven (Hannover, Nürnberg und Stuttgart 44 Gegentreffer). So langweilig wird das Spiel also wohl gar nicht werden.

Ein Sieg muss her

Genug Sarkasmus, schauen wir lieber wieder direkt aufs Spiel. Bei Hannover 96 ist die Personallage weiterhin angespannt. Pirmin Schwegler fehlt im Zentrum aufgrund einer Gelbsperre, Takuma Asano ist krank und dazu kommen die Langzeitverletzten um Niclas Füllkrug und Ihlas Bebou. Doch gegen Nürnberg, das auswärts erst zwei Zähler in dieser Saison holte, muss auch bei angespannter Lage ein Sieg her – auch, damit die Spieler schnell ihr erstes Erfolgserlebnis unter dem neuen Trainer feiern können. Die Bedeutung eines Sieges ist tabellarisch klar ersichtlich, doch wer weiß, was ein mögliches Erfolgserlebnis in den Köpfen sonst noch so an Blockaden lösen kann.

Kräfte frei machen

Schenkt man den Worten von Thomas Doll Glauben, dann sollten die ersten Ziegelsteinchen der Mauern in den Köpfen bereits abgetragen sein: „Jeder brennt auf dieses Spiel, jeder freut sich“, verriet der Mecklenburger. „Alle haben Bock darauf, das Ding am Wochenende zu rocken“, führte Doll aus, der, obwohl Hannover 96 Tabellenletzter ist, überhaupt keine Angst spüre, jeder im Team warte jetzt auf Samstag, 15.30 Uhr, so Doll. Klar ist: Der Trainer möchte mit Nürnberg nach der Partie die Tabellenposition tauschen, denn dann hätte 96 wieder Anschluss, was dann wieder Kräfte frei machen könnte. Mein Tipp: Hannover 96 wird sich mit Ach und Krach zu einen 2:1-Sieg über den Club kämpfen. Wenn dann auch Stuttgart noch mitspielt, könnte Hannover 96 wieder bis auf einen Punkt an die Schwaben heranrücken. Falls Hannover aber verlieren sollte… Tja, dann stünden halt nur noch 13 Endspiele bevor. Dann mal besser gleich morgen dreifach punkten…

Samstag, 9. Februar, 15.30 Uhr:
Hannover 96 – 1.FC Nürnberg

(Foto: Frank Schwichtenberg/Wikipedia, Copyright: CC BY-SA 3.0)

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Kategorien: Sports

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