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96 – ein Trauerspiel

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt

Adi Hütter

Hat seine Mannschaft sehr erfolgreich entwickelt: Eintracht Frankfurt-Coach Adi Hütter

Autsch, das hat gesessen. Hannover 96 unterlag vergangene Woche bei der TSG Hoffenheim mit 0:3 – und war damit sogar noch überaus gut bedient. Die Kraichgauer hätten 96 richtig böse abschießen können, doch TSG-Spielgestalter Kerem Demirbay scheiterte vor seinem Treffer zweimal knapp am Aluminium – die ganzen anderen Großchancen durch Joelinton, der auch einmal einnetzte, und seine Kollegen einmal außen vorgelassen. Der erhoffte positive Effekt durch den Trainerwechsel, er fand einfach nicht statt. Gegen den 1.FC Nürnberg konnte 96 zwar mit 2:0 gewinnen, doch spielte die frühe rote Karte der Nürnberger den Roten in die Karten. Hatte man gehofft, dass dieser Sieg Kräfte freisetzt, so muss man konstatieren: Hat er bei weitem nicht. Hannovers Trainer Thomas Doll sprach nach der Niederlage ins Sinsheim nicht umsonst vom „Kaninchen vor der Schlange“. Hatte sich der 96-Übungsleiter doch einen couragierten Vortrag seiner Mannen gewünscht, so torpedierten diese einen derartigen durch einen 0:2-Rückstand nach gerade einmal 14 Minuten extrem schnell.

Brutal gut aufgelegte Offensive trifft auf anfällige Defensive

Das Spiel in Sinsheim ist abgehakt, der kommende Spieltag bietet wieder die Möglichkeit, drei Punkte zu holen – doch das wird schwer. Denn der Gegner am Sonntag heißt Eintracht Frankfurt – und die Hessen haben erst am Donnerstag gegen Schachtar Donezk bewiesen, was für eine mental starke Mannschaft Trainer Adi Hütter leitet. Nach einem 2:2 in der Europa League in Donezk stand das Rückspiel des Sechzehntelfinales gegen die spielstarken Ukrainer, die seit Jahren viele technisch beschlagene Brasilianer in ihren Reihen vorweisen können, nach einer 2:0-Führung der SGE auf der Kippe: Schachtar erzielte den Anschluss, traf in der Folge zweimal das Aluminium, ehe Stürmer Sebastien Haller in Jan-Aage-Fjoertoft-Manier mit dem 3:1 für die Vor- und der eingewechselte Ante Rebic mit dem 4:1 für die endgültige Entscheidung sorgte. Und gegen diese brutal gut aufgelegte Offensive (Haller traf doppelt, neben Rebic traf auch noch Bundesliga-Toptorschütze Luka Jovic) soll die anfällige 96-Defensive standhalten? Schwer zu glauben.

Hoffnung auf irgendwas

Aber wer zum Teufel hätte auch eigentlich geglaubt, dass Schalke 04 unter der Woche den englischen Spitzenklub Manchester City an den Rande einer Niederlage drängen würde? Königsblau unterlag zwar noch in letzter Minute mit 2:3, doch auf Königsblau gab vor dem Spiel auch niemand nur einen Pfifferling. Warum also nicht von einem Sieg der 96er über Eintracht Frankfurt träumen? Die Antwort ist traurig: Weil wir alle Hannover 96 in den vergangenen Tagen, Wochen und Monaten erleben mussten. Dieses Trauerspiel, ohne Mut, ohne die vielzitierten „Eier“, ohne jegliche Effizienz und jede Idee nach vorn. Ich möchte mal wieder eine Partie von 96 sehen, in der ich zumindest eine Hühnerbrust auf dem Platz erkenne, ganz so breit muss sie ja vielleicht gar nicht sein. Aber vielleicht ist die Lage ja auch noch gar nicht so schlimm, wie ich sie hier darstelle.

Die Relegation – eine Möglichkeit

Es gab da nämlich schon einmal so ein Schneckenrennen im Abstiegskampf, als sich der Hamburger SV 2013/14 mit gerade einmal 27 Punkten auf den Relegationsplatz vor Nürnberg und „Peine Ost“ rettete. Und aktuell haben wir vier Teams im Keller, die nahe beieinander stehen: Nürnberg weist 13 Punkte auf, Hannover 14, der VfB Stuttgart nach dem gestrigen Reims in Bremen 16 und der FC Augsburg 18. Mit ganz viel Glück würden den Roten also 13 weitere Zähler für die Relegation reichen – ach wie gut, dass Hannover 96 so viele Hamburger in seinen Reihen vorweisen kann. Die Relegation kennen sie ja.

Keine Punkte in Sicht

Doch am Sonntag wird das Team von Thomas Doll meiner Meinung nach keine weiteren Punkte ergattern. Zwar mögen die Strapazen des Sechzehntelfinals der Euro League den Frankfurtern noch in den Knochen stecken, doch allein vor dem hessischen Sturmtrio wird einem schon Angst und Bange – ganz zu schweigen von dem Rest der Mannschaft, die der Ex-96er Fredi Bobic da auf die Beine gestellt hat. Frankfurt hatte drei Tage Pause, das wird reichen, sollten die Einträchtler den Erfolg über Donezk nicht zu hart mit flüssigem Gold begossen haben. Und dann wird Hannover 96 mindestens mit 0:3 untergehen. Es sei denn, die Roten finden ihre Kronjuwelen wieder, wovon man derzeit jedoch nicht ausgehen sollte.

Sonntag, 24. Februar 2019, 15.30 Uhr:
Hannover 96 – Eintracht Frankfurt

(Foto: football.ua/Wikipedia, Copyright: CC BY-SA 3.0 [1]))

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