Susanne Viktoria Haupt
27. Februar 2019

Ein Crowd-Pleaser?

Herzerwärmend, aber nicht ohne Makel: Das Kino am Raschplatz zeigt heute das Filmdrama „Green Book“ im Original mit Untertiteln

Für seine Darstellung des Don Shirley konnte Mahershala Ali auch seinen zweiten Oscar mit nach Hause nehmen: „Green Book“ von Peter Farrelly, Filmplakat

Eigentlich ist die Geschichte von „Green Book“ ganz nett, vor allem da sie ihre Inspiration aus dem wahren Leben gezogen hat. Wir befinden uns in den 1960er-Jahren in Amerika. Don Shirley (Mahershala Ali) ist ein afroamerikanischer Pianist, der sehr gekonnt Klassik mit Jazz-Komponenten mischt. Das macht ihn sehr erfolgreich und vor allem die reichen Weißen finden Gefallen an ihm. Nun soll er durch die Südstaaten touren und dort sein Publikum verzücken. Shirley mag aber nicht selbst in die ihm noch immer nicht gut gesonnene Gegend fahren und engagiert den italienisch-amerikanischen Türsteher Tony Lip (Viggo Mortensen) als Fahrer. Und die beiden könnten nicht unterschiedlicher sein. Während Lip nur zu gerne Probleme mit den Fäusten löst, setzt Shirley lieber auf die Würde als auf die Waffe und steht über den Dingen. Lip ist zudem sehr ungehobelt und kann sich nicht in die feinen Gesellschaften einfügen. Shriley hingegen bewegt sich auf dem großen Parkett, wie einer von ihnen. Trotz aller Unterschiede werden die beiden Freunde und Lip erhält so nicht nur einen groben Einblick in den Rassismus, den Shirley jeden Tag erlebt, sondern kann auch eigene Vorurteile abbauen.

Obgleich es sich hier um eine von der Realität inspirierten Story handelt, klingt die Story von „Greeen Book“ sehr nach Schema F. Doch der Film hat dafür sogar einen Oscar als bester Film mit nach Hause nehmen dürfen und auch für Mahershala Ali gab es einen weiteren. Berechtigt, denn der Schauspieler hat es eben einfach drauf. Was viele aber stört, ist, dass hier wieder der Weiße im Mittelpunkt steht und den Helden spielt. Schlussendlich beschützt Lip Shirley nun mal. Der wahre Einblick in das Leben von jemanden, der Rassismus erlebt, bleibt damit erneut versperrt. Nun ist die Frage natürlich, ob der Film diese Ebene überhaupt bedienen wollte, und ob er es muss. Denn so wäre ein Schubs in Richtung Komödie sicherlich nicht möglich gewesen. Aber was brauchen wir eigentlich mehr? Einen echten Einblick in erlebten Rassismus oder aber einen Crowd-Pleaser, der uns ein schwieriges Thema locker und mit komödiantischen Helden-Modus vermittelt? Muss es immer politisch korrekt sein, oder darf es auch anders gehen? Oder geht es eh schon viel zu oft anders und wir müssen genau das ändern? Mit all diesen Fragen darf man heute Abend ins Kino am Raschplatz gehen und sich „Green Book“ anschauen.

Mittwoch, 27. Februar 2019:
„Green Book“, Tragikkomödie von Peter Farrelly, USA 2018, 130 min., OmU, Kino am Raschplatz, Raschplatz 5, 30161 Hannover, Beginn: 20.45 Uhr, Eintritt: 9,50 Euro (inklusive Überlängen-Zuschlag), ermäßigt: 9 Euro

(Foto: Filmplakat)

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Kategorien: Film, Tagestipps

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