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Konfusion der Gefühle

von Jörg Smotlacha      Dienstag, 16. Februar 2010

Sehenswert: das französische Thrillerdrama “Emma und Marie” im Apollo-Kino

“Emma und Marie”, Szenenfoto

Brutal und zärtlich: Die Beziehung zwischen Marie und Emma ist das, was man eine “Amour fou” nennt

Die Klavierschülerin Marie (Judith Davis) ist am staatlichen Konservatorium von Lyon aufgenommen worden und freut sich auf das neue Leben als Studentin in der großen Stadt, fernab von der Provinz, in der ihre Familie lebt. Sie findet eine Unterkunft bei ihrer alten Schulfreundin Emma (Isild Le Besco), die seit dem Tod des Vaters alleine in einem riesigen Haus mitten in der Stadt lebt. Doch schon nach wenigen Tagen entsteht zwischen den beiden Frauen eine seltsame Beziehung: Marie fühlt sich angezogen von der dominanten Emma, die über die Regeln des Zusammenlebens bestimmt, möchte aber zugleich frei und selbstbestimmt bleiben und hat obendrein ein Auge auf ihren Kommilitonen Sami (Johan Libéreau) geworfen. Mehr und mehr eskaliert die Situation. Einerseits kommt es zu erotischen Begegnungen der beiden Frauen, nachdem Emma Marie vor ein paar aufdringlichen Männern auf einer Party in Schutz genommen hat, andererseits kann sich die naive Marie kaum noch in Ruhe auf ihre Prüfungen vorbereiten, weil sie sich nicht über ihre Gefühle im Klaren ist. Und schließlich möchte auch Sami wissen, was los ist. Für eine der beiden Frauen endet die Geschichte in einer Katastrophe…

Mit ihrem Debütfilm “Emma und Marie”, der sich zwischen Psychothriller, Amour fou und hartem Sozialdrama bewegt, verabeitete die französische Schauspielerin, Toningenieurin und Regisseurin Sophie Laloy autobiografische Erlebnisse und zeigte eindrucksvoll, dass es im Leben meist kein “Gut” und kein “Böse” gibt. So entwickelt sich die bestimmende Emma, die ihre Freundin und deren Tagesablauf zunächst kontrolliert und sie psychisch geradezu absorbiert - der Originaltitel “Je te mangerais” trifft dieses Verhältnis bedeutend besser als die verharmlosende deutsche Übersetzung - mehr und mehr zu einer getriebenen Persönlichkeit, die an ihrem Besitzdenken zerbricht. Gleichzeitig wird aus der zunächst schüchtern-naiven Marie eine verführerische Frau, die ihre Macht mehr und mehr ausnutzt. Das alles ist filmisch überzeugend, gut gespielt und bildgewaltig. Kurz: ein sehenswerter Film.

Dienstag, 16. Februar 2010:
“Emma und Marie”, Psychothriller von Sophie Laloy, F 2008, 95 Minuten, OmU, Apollo-Kino, Limmerstraße 50, 30451 Hannover, Beginn: 20.15 Uhr, Eintritt: 6,50 Euro, ermäßigt: 5 Euro

(Foto: Edition Salzgeber)

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