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Gesammelte Dahn-Vorstellungen

Mit „As Life Travels On“ gibt die Kestnergesellschaft einen umfassenden Überblick über das vielseitige Werk des Künstlers Walter Dahn

Eine Retrospektive auf Dahns Werk, aber längst kein künstlerischer Abschied: „Auf Wiedersehen (mit Zusatz von Béla Janssen) #2“, Siebdruck, 2014

Walter Dahn gilt als einer der wichtigsten Vertreter der „Neuen Wilden“, wie junge Künstlerinnen und Künstler aus Österreich und Deutschland in den 1980er-Jahren genannt wurden, deren Werke sich durch einen unbekümmerten und wenig kopflastigen Stil auszeichneten. Er war Mitglied der Mülheimer Freiheit, einer Künstler-Gemeinschaft, der unter anderem auch Jiří Georg Dokoupil und Peter Bömmels angehörten. Während andere Künstler-Bewegungen wie die Dadaisten oder die Futuristen Manifeste veröffentlichten, die ihren Kunstbegriff definierten, eine bestimmte Richtung vorgeben wollten, verstanden sich die „Neuen Wilden“ aus dem Kölner Stadtviertel Mülheim weniger als Gruppierung, die eine neue, frische Strömung propagieren wollte, denn als eine Ateliergemeinschaft, die zwar den Austausch befördern wollte, in der jeder aber auch seine eigene individuelle Basis für seine Arbeiten suchte. Die „Neuen Wilden“, das war mehr Label von außen als Selbstbezeichnung.

Auch für Dahn, der von 1980 bis 1982 zwei Jahre und somit lediglich eine kurze Phase seines Schaffens in dem Hinterhof-Atelier verbrachte. Statt ewiger neuer Wilder trifft auf Dahn die häufig bemühte Floskel vom „vielseitigen Künstler ohne große Berührungsängste“ zu – und das sogar überraschend gut. So finden sich in seinem Œuvre nicht nur Gemälde, sondern auch zahlreiche Siebdrucke, Fotografien, Skulpturen und Filme. Gemeinsam mit Tom Dokoupil als Die Partei oder Detlev Kühne bei Die Hornissen war er außerdem als Musiker aktiv und veröffentlichte mehrere Tonträger. Auch die eher mit Musik verbundene Technik des Samplens ist Dahn nicht fremd, zahlreiche Bezüge zur Musik und Popkultur finden sich regelmäßig in seinen künstlerischen Arbeiten wieder.

Ebenso zu erkennen: Die Lust an der Kooperation mit anderen Künstlern. Seien es Gemeinschaftsbilder mit Jiří Georg Dokoupil aus der Anfangszeit, eine Zusammenarbeit mit einem seiner Schüler oder eine Hommage an die eigene Mutter, deren im Nachlass gefundene Gedichte Dahn zusammen mit eigenen Wasserfarben-Malereien als Buch veröffentlichte. Wer sich einen ausführlichen Überblick über das vielfältige Werk Dahns verschaffen möchte, hat nun die Gelegenheit: Momentan ist in der Kestnergesellschaft in Hannover die Ausstellung „As Life Travels On“ zu sehen.

Sonntag, 10. März 2019:
Walter Dahn: „As Life Travels On“, Ausstellung, Kestnergesellschaft Hannover, Goseriede 11, 30159 Hannover, geöffnet: 11 bis 18 Uhr, Eintritt: 7 Euro, ermäßigt: 5 Euro

(Foto: Walter Dahn/Kestnergesellschaft)

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