Marcel Seniw
9. März 2019

Logisch scheint bei 96 nur der Abstieg

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Heimspiel gegen Bayer 04 Leverkusen

Marvin Bakalorz

Steht als neuer Kapitän von Hannover 96 vor einer schweren Aufgabe: Marvin Bakalorz

Nun ist es also fast schon Gewissheit, selbst wenn die Bundesliga noch einige Spieltage zu bieten hat, doch scheint Hannover 96 nach dem desaströsen 1:5 beim direkten Klassenerhalts-Konkurrenten VfB Stuttgart bereits als Absteiger festzustehen. Die Mannschaft von Trainer Thomas Doll schafft es einfach nicht, ein Spiel über 90 Minuten auf einem konstanten Niveau abzuliefern. Gegen den VfB bäumte sich die Doll-Elf erst beim Stand von 0:3 in der zweiten Hälfte auf, erzielte selbst ein Tor durch Rückkehrer Jonathas – um danach wieder komplett den Faden zu verlieren und sich noch zwei weitere Gegentore einzufangen. Wohlgemerkt: Der Gegner war der VfB Stuttgart, ein Team, das 96 mit einem Auswärtsieg in der Tabelle hätte überholen können. Doch wenn der 16. der Bundesliga den 17. mit 5:1 abserviert, dann muss man schlichtweg konstatieren: Hannover 96 hat in dieser Besetzung einfach nichts in der Bundesliga verloren.

Doll hat sich seine Bundesliga-Rückkehr anders vorgestellt

Ex-96-Coach André Breitenreiter forderte vor der Winterpause Verstärkungen, da er bemerkte, dass diese Mannschaft in arge Abstiegs-Nöte geraten würde, wenn personell nicht nachgebessert würde. Breitenreiter wollte mehr Konkurrenzkampf im Kader, er forderte neue Offensivkräfte, er forderte einen neuen Innenverteidiger. Er bekam zwei passende Leihspieler und Jonathas – und wurde kurz darauf entlassen. Thomas Doll übernahm euphorisch – doch spätestens nach der Klatsche von Stuttgart dürfte sich auch Doll denken: Was habe ich mir da nur für einen Bären aufgebunden? Seine Rückkehr hätte er sich jedenfalls anders vorgestellt.

Martin Kind macht einen Fehler nach dem anderen

Und nun plant Martin Kind bereits für die zweite Liga. Öffentlich! Kind erklärte, dass 96 seine wertvollsten Spieler verkaufen werde, um mit den generierten Millionen die Mannschaft für das Projekt Wiederaufstieg neu zu formieren. Doch wieder einmal machte der Klubchef einen bedenklichen Fehler. Er stellte den Brasilianer Walace öffentlich an den Pranger, will ihn aber am liebsten für die vertraglich festgeschriebene Ablösesumme von 30 Millionen verkaufen. So funktioniert das mit dem ins Schaufenster stellen aber nun wirklich nicht. Immerhin gab es für Walace von Trainer Doll eine Startplatzgarantie für das Spiel am Sonntag gegen Bayer 04 Leverkusen. Kurz zuvor verriet Doll aber auch, dass sein neuer Kapitän Marvin Bakalorz trotz seines Amtes keine Startplatzgarantie besäße. Logisch scheint bei 96 aktuell wirklich nur noch der Abstieg.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Und an genau diesem kann Hannover 96 am Sonntag wieder arbeiten. Denn nach der Schwaben-Schmach glaubt doch nun wirklich niemand mehr daran, dass dieses Team gegen eine offensivstarke Mannschaft wie Bayer Leverkusen auch nur den Hauch einer Chance besitzt. Stattdessen graut es den Fan schon wieder davor, die nächste Reibe zu kassieren. Doll will sich mit seinem Team naturgemäß gegen die nächste Niederlage stemmen, wird wohl wenig am Team verändern und hoffen, mit einem Heimsieg die Lücke auf den VfB Stuttgart wieder ein wenig zu schließen.

Hannover 96 sollte Stendels Weg gehen

Doch wenn das nicht gelingt, dann sollte 96 es vielleicht wirklich in Erwägung ziehen, den Weg von Ex-Trainer Daniel Stendel einzuschlagen: Als Hannover 96 seinerzeit schon so gut wie abgestiegen war und Stendel von Thomas Schaaf übernahm, scheute sich dieser nicht, die jungen Eigengewächse Waldemar Anton und Noah-Joel Sarenren-Bazee ins kalte Bundesligawasser zu werfen. Beide zahlten das Vertrauen zurück und sind bis heute Teil von Hannover 96. Und Hannover hat einige hoffnungsvolle Talente in der U23, die in der jetzigen Situation auch nur noch ganz wenig falsch machen könnten. Wenn 96 also ohnehin schon plant, Spieler zu verkaufen, warum dann nicht jetzt schon an die Zukunft denken? Doch das wäre vielleicht schon wieder zu logisch. Stattdessen darf sich die verunsicherte und nicht bundesligataugliche Truppe von Bayer 04 Leverkusen abschießen lassen. Mein Tipp für diese Woche steht jedenfalls bereits im Vereinsnamen der Werkself.

Sonntag, 10. März 2019, 18 Uhr:
Hannover 96 – Bayer Leverkusen

(Foto: Pressefoto/Hannover 96)

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Kategorien: Sports

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