Susanne Viktoria Haupt
24. März 2019

Sprache als Schlüssel

Viele sind immer gut: Im Kulturzentrum Faust treffen i,Slam aus Berlin auf die Linden Legendz und präsentieren den Poetry Slam „Wer bin ich? Ich bin viele!“

Kreative und wortgewandte Gäste aus Berlin: Das Kollektiv i,Slam

Wenn es um Geflüchtete oder Menschen mit Migrationshintergrund geht, sind wir schnell dabei, zu fordern, dass sie sich hier so schnell wie möglich integrieren. Am besten wäre es, wenn man so gut wie gar nicht merken würde, dass sie aus einer anderen Ecke der Welt kommen. Herkommen dürfen sie, aber bitte keine Moscheen bauen oder Islam-Unterricht in der Schule anbieten. Das ist dann doch zu viel des Guten, oder? Verkannt wird dabei zum einen die Wichtigkeit und der pluralistische Charakter von Identität. Aber fangen wir von vorne an.

Jede soziale oder kulturelle Gruppe formt von sich ein bestimmtes Bild, mit dem es sich identifizieren kann. Dieses Bild ist die Identität dieser Formation. Einen nicht unerheblichen Anteil an der Identität hat das gemeinsame Erinnern, das Rückbesinnen auf die gemeinsamen Wurzeln. Gemeinsames Erinnern formt und festigt ein Wir-Bewusstsein. Nun könnte man schnell sagen: „Klar doch! Und wir müssen unsere deutsche Identität schützen! Wir müssen an unseren Werten festhalten, an unseren Wurzeln, Traditionen, unseren gemeinsamen Erinnerungen!“ Leider muss ich aber an dieser Stelle unsere Leserschaft enttäuschen, denn diese eine „deutsche Identität“ gibt es nicht. Wir alle sind Mitglieder von mehreren Formationen. Sowohl sozial, wie auch kulturell. Von der einen vielleicht mehr als von der anderen, aber dennoch ist eine Pluralität von Identität nicht zu leugnen. Und jeder einzelne Aspekt unserer verschiedenen Identitäten ist wichtig.

Auf einmal erscheint es uns logisch, dass Geflüchtete oder auch Menschen mit Migrationshintergrund nicht auf einmal eine „deutsche Identität“ überstreifen können und auch gar nicht müssen. Auf einmal ist es völlig logisch, dass die eigenen Traditionen nicht einfach durch neue ersetzt werden. Und dass es zudem utopisch ist, zu glauben, dass sich Kultur nicht vermischen darf. Denn das tut sie so oder so. Um aber diese pluralistischen Identitäten zu stärken, bedarf es einiger Arbeit. Die Gruppe i,slam aus Berlin leistet in dieser Hinsicht aktiv Hilfe. Hier können sich junge Musliminnen und Muslime mit ihren eigenen Identitäten auseinandersetzen, untereinander Vorurteile und Ängste abbauen und gleichzeitig mittels öffentlicher Poetry Slams auch andere Menschen für diese Themen sensibilisieren. Poetry Slam als Kulturvermittlung, die Sprache als Schlüssel. Heute sind i,slam in Hannover zu Gast und gehen gemeinsam mit dem Musiker-Kollektiv Linden Legendz in der Warenannahme auf die Bühne. Im Rahmen der „Wochen gegen Rassismus und Diskriminierung“ lädt der Poetry Slam heute dazu ein, sich mit dem Pluralismus von Identitäten und der besseren Ausgestaltung einer Einwanderungsgesellschaft auseinanderzusetzen.

Sonntag, 24. März 2019:
„Wer bin ich? Ich bin viele!“, Gesellschaftskritischer Poetry Slam mit den Gruppen i,slam (Berlin) und Linden Legendz (Hannover), Warenannahme, Kulturzentrum faust, Zur Bettfedernfabrik 3, 30451 Hannover, Einlass: 17.30 Uhr, Beginn: 18 Uhr, Eintritt frei

(Foto: Pressefoto/Kulturzentrum Faust)

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Kategorien: Literatur, Politik, Tagestipps

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