Claudia Nowak
9. Februar 2010

Was siehst du?

Hannover zu fotografieren, ist an und für sich nichts Ungewöhnliches. Roger Heimann hat deshalb einfach mal die Perspektive geändert. In seiner aktuellen Ausstellung “Hannover himmelwärts” kommen deshalb auch Hannover-Kenner ins Grübeln

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Von unten fotografiert: Hannovers Treffpunkt “Unterm Schwanz”

Ein Foto von Hannover: darauf strahlendblauer Himmel, sehr viel Himmel, nur am unteren rechten Bildrand auf einmal eine Person. Eigentlich sieht man nur den rechten Arm, Daumen, Zeige- und Mittelfinger sind ausgetreckt, der breite Ärmel flattert im Wind. Das zweite Foto zeigt strahlendblauen Himmel, sehr viel Himmel, und sind das zwei bunte Beine, die da in die Luft ragen? Foto Nummer drei sieht so aus: strahlendblauer Himmel, sehr viel Himmel, diesmal mit vielen kleinen Wolken verziert. In der rechten Bildecke auf einmal ein Stück grüner Rasen…

Wenn man etwas Neues entdecken will, muss man die Sichtweise ändern

Was hier so klingt, als wäre es ein Scherz, zeigt tatsächlich Hannover. Teile von Hannover, und die auch nur in kleinen Ausschnitten, dabei sind es eigentlich markante Sehenswürdigkeiten, Statuen, Bauwerke oder einfach Gegebenheiten, die dank der neuen Perspektive auf einmal komplett seltsam erscheinen. Urheber dieser ungewöhnlichen Bildserie ist Roger Heimann. Die Idee dazu entstand rein zufällig. Eine Berliner Filmproduktion wollte in Heimanns Loft ein paar Aufnahmen drehen. Er wollte ihnen etwas Spektakuläres bieten, also ging er zu einem beliebten Treffpunkt Hannovers und fotografierte aus einer anderen Perspektive als üblich. Ergebnis war ein Foto mit ganz viel Himmel und einem Pferdeschwanz. Zusammen mit dem Spruch “Hannover, die Stadt mit dem gewissen Nichts” begeisterte er die Berliner und wurde überzeugt, aus dem Foto eine Postkarte zu machen. Die kam so gut an, dass sich das Stadtmagazin Stadtkind bei ihm meldete, um aus der Idee einen Kalender zu machen. Prompt entstand eine ganze Reihe an Fotomotiven. Und das, obwohl Roger Heimann eigentlich gar kein Fotograf ist. Heimann ist Grafiker, hat eine eigene Werbeagentur namens cocowerbung und findet die klassische Art zu fotografieren eher langweilig.

Mit ein bisschen Fantasie und einem ungewöhnlichen Blickwinkel sind spannende Fotos entstanden, die das gewisse Etwas Hannovers zeigen. Die Stadt habe zwar nichts Besonderes, nichts Markantes, nichts, das alle kennen und toll finden, sagt Heimann, aber auf den zweiten Blick habe Hannover dann sehr wohl eine ganze Menge zu bieten. Eben die Stadt mit dem gewissen Nichts, wie er es so schön ausgedrückt hat. Wenn man etwas Neues entdecken will, muss man die Sichtweise ändern. Die originellen Bildmotive sind als Kalender im Stadtkind-Verlag erhältlich oder als Postkarten im Handel erhältlich und im Internet zu sehen. Der Bildungsverein in der List zeigt die witzigen Fotos seit dem 1. Februar in seinem Treppenhaus in einer kleinen Ausstellung. Und hier kommen auch Hannover-Kenner zum Grübeln, denn nicht immer ist sofort klar, was eigentlich zu sehen ist. Foto eins zeigt zum Beispiel das Luther-Denkmal, Foto zwei eine der Nanas von Niki de Saint Phalle und Foto drei… Aber das ist zugegebenermaßen sehr schwer zu erkennen, und weil es so schön ist, lassen wir des Rätsels Lösung mal geheim. Also ab zum Bildungsverein oder beim nächsten Gang durch Hannover einfach mal gen Himmel gucken!

Dienstag, 9. Februar 2010:
“Hannover himmelwärts”, ungewöhnliche Fotoperspektiven von Roger Heimann, Ausstellung, Bildungsverein, Treppenhaus, Am Listholze 31, 30177 Hannover, Eintritt frei

  • Öffnungszeiten: Mo bis Fr 8-22 Uhr, Sa und So 10-18 Uhr

(Foto: Roger Heimann)

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Kategorien: Kunst, Lokales, Tagestipps

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