- langeleine.de – Das Online-Journal für Hannover - http://www.langeleine.de -

Allerhöchste Eisenbahn für den Schmetterlings-Effekt

Abseits – Hannover 96 vor dem Spieltag. Morgen: das Heimspiel gegen den FC Schalke 04

Huub Stevens

Zurück auf Schalke: Erfolgstrainer Huub Stevens soll in Gelsenkirchen den Erstliga-Fußball sichern

Hat Hannover 96 am letzten Spieltag vor zwei Wochen beim FC Augsburg die letzte Chance auf den Klassenerhalt verspielt? Ich würde sagen: ja. Die Mannschaft von Trainer Thomas Doll ging früh durch Hendrik Weydandt in Führung, zeigte knapp 60 Minuten eine kämpferisch ansprechende Leistung – um dann nach dem Augsburger Ausgleich jedoch wieder komplett den Faden zu verlieren. Es scheint, als genüge der Flügelschlag eines Schmetterlings, um das Team von Hannover 96 im Frühjahr 2019 aus der Bahn zu werfen. Wie soll sich diese Mannschaft also noch vor dem Unvermeidbaren retten?

Die Nichtlineare Dynamik muss helfen

Es fällt schwer, sich noch an irgendeinen letzten Rettungsstrohhalm zu klammern. Wenn es ein Team in 26 Spielen auf gerade einmal 14 mickrige Punkte geschafft hat, wie soll es dann in den verbleibenden acht Partien noch auf zumindest 30 Punkte in der Summe kommen? Mir fehlt dafür die Fantasie, war das bislang Gezeigte doch zu desillusionierend. Einzig der Schmetterlings-Effekt, ein Phänomen der Nichtlinearen Dynamik (Beispiel: Kann der Flügelschlag eines Schmetterlings auf Borneo einen Tornado in Texas auslösen?), könnte noch die Rettung herbeiführen – doch um diesen in Gang zu setzen, wird es allerhöchste Eisenbahn für Hannover 96 im morgigen Spiel gegen den FC Schalke 04.

Die bessere Ausgangslage wurde in Augsburg verspielt

Die Ausgangslage hätte vor der Partie eine bessere sein können. Hätte Hannover 96 in Augsburg nicht zu früh auf Ergebnissicherung gespielt und die drei Punkte mitgenommen, stünden die Roten nur drei Punkte hinter dem VfB Stuttgart und somit in direkter Schlagdistanz. Bei einem Sieg über das ebenfalls tief im Abstiegskampf steckende Schalke um den ehemaligen 96-Abwehrchef Salif Sané wäre es dann gar nicht mal unwahrscheinlich gewesen, dass Hannover nach dem Spieltag punktgleich mit dem VfB gestanden hätte, da dieser auswärts bei Eintracht Frankfurt antreten muss. Und auch der Abstand auf die Knappen hätte auf drei Punkte verkürzt werden können. Doch diese Ausgangslage wurde in Augsburg verspielt – und wenn nun gegen Königsblau kein Sieg eingefahren wird, dann würde wohl auch der Flügelschlag eines Anden-Kondors keine rettende Kettenreaktion mehr auslösen. Und dann sollten wir uns besser schon einmal wieder auf Sandhausen und Bielefeld einstellen.

Letztes Spiel für Thomas Doll und Horst Heldt?

Bielefeld ist übrigens genau das Thema, welches einem den letzten Mut auf den Klassenerhalt raubt. Während der Länderspielpause testeten Doll und seine Jungs gegen den Zweitligisten Arminia Bielefeld. Sind ja schließlich gute Freunde, spätestens seit dem 6:0-Erfolg der Arminia über Eintracht Braunschweig am vorletzten Spieltag der Aufstiegssaison. Und auch am vergangenen Wochenende half Bielefeld wieder den 96ern irgendwie weiter. Denn spätestens nach der desolaten 0:5-Klatsche im Freundschaftsspiel auf der Alm hat nun jeder bei Hannover 96 verstanden, dass grundlegende Veränderungen benötigt werden. Daher könnte das Spiel gegen Schalke 04 auch bereits zum Schicksalsspiel für Thomas Doll und Horst Heldt werden, sie stehen unter Beobachtung.

Parallelen zur Saison 2015/16

Wäre vergangenen Samstag nicht die Mitgliederversammlung von Hannover 96 gewesen, bei der das Lager von Martin Kind eine schallende sowie in den Kontext passende 0:5-Klatsche von der Opposition hinnehmen musste, wer weiß, ob dann nicht schon vor dem Schalke-Spiel gehandelt worden wäre und U23-Trainer Christoph Dabrowski als Interimslösung auf der Trainerbank gegen die Knappen gesessen hätte. Nun also noch mindestens einmal mit Thomas Doll – die Parallelen zum Abstieg der Saison 2015/16, als erst Michael Frontzeck und darauf auch seinen Nachfolger Thomas Schaaf entlassen wurden und mit Daniel Stendel ein Mann aus den eigenen Jugendreihen übernahm, sind schon verblüffend.

Auch Schalke ist auf Abwegen

Was bleibt also vor dem vielleicht letzten Endspiel von Hannover 96 in dieser Saison? Wahrscheinlich nur die Hoffnung, dass gegen ein ebenfalls desolates Schalke 04 doch noch einmal die Vorzeichen umgestellt werden können. Doch Königsblau zog vorletzten Spieltag die Reißleine und beurlaubte seinen Trainer Domenico Tedesco – es übernahm der „Knurrer von Kerkrade“, Huub Stevens. Der erfolgreichste Schalke-Trainer der vergangenen zwei Dekaden soll seinen alten Herzensverein zusammen mit seinem Euro-Fighter Mike Büskens – beide gewannen als Trainer und Spieler 1997 mit Schalke den Uefa-Cup – vor dem Abstieg bewahren. Da kann man von halten, was man will, doch so mancher alter Trainer-Haudegen hat mittlerweile einfach den Zug verpasst, um mit seinem Stil in der Neuzeit erfolgreichen Fußball spielen lassen zu können – man betrachte einfach Thomas Schaafs Zeit bei Hannover 96. So gesehen könnte 96 am Sonntag zwischen Debakel, erneuter Hoffnung und grausamem Angsthasenfußball schwanken. Wer weiß? Doch so realistisch muss man sein: Selbst die Qualität eines nicht funktionierenden Schalkes wird der von Hannover 96 überlegen sein. Die Roten verlieren auch ihr allerletztes Endspiel um den Klassenerhalt mit 1:3. Bielefeld kann kommen.

Sonntag, 31. März, 15.30 Uhr:
Hannover 96 – FC Schalke 04

(Foto: jeollo/Wikipedia, Copyright: CC BY-SA 3.0 [1])

[2]
Wenn Dir dieser Text gefällt, teile den Artikel auf Facebook,
hinterlasse einen Kommentar oder abonniere unseren RSS-Feed [3]!