Jörg Smotlacha
3. April 2019

Radikal und sachlich

Mit der Ausstellung „Umbo. Fotograf“ widmet sich das Sprengel Museum einem der wichtigsten Fotografen der künstlerischen Moderne

Umbo: Ohne Titel (Kartenspiel, "Himmelskamera", 1935/nach 1949

Umbo: Ohne Titel (Kartenspiel, „Himmelskamera“), 1935

Umbo, 1902 in Düsseldorf geboren, war einer der wichtigsten Fotografen des Bauhauses, er prägte einen für seine Zeit absolut neuen und revolutionären Stil des Foto-Journalismus und seine Portraits spiegelten die Verhältnisse der Weimarer Gesellschaft in ungewohnt realistischem Maße wieder – ob es um Fotografien von Menschen auf der Straße ging, um selbstbewusste junge Frauen oder um das relativ neue Genre der fotografischen Reportage. Umbo war stets mittendrin und war das Synonym einer sich rasant entwickelnden Film-, Musik-, Theater- und Kleinkunst-Szene, wobei der junge Künstler stets den Blick für die einfachen Menschen hatte, für die Hinterhöfe und Wohnküchen überquellender Mietskasernen.

Otto Maximilian Umbehr alias Umbo ist aber auch ein Kind unserer Landeshauptstadt, den nachdem es ihm die Nationalsozialisten fast unmöglich gemacht hatten, seinem Beruf weiter nachzugehen, fand er nach dem Krieg in Hannover ein neues Zuhause, wo er unter anderem auch für die Kestnergesellschaft arbeitete, auch wenn er nicht mehr ganz an die Erfolge aus den Zwanziger und frühen Dreißiger Jahren anknüpfen konnte. Dennoch ist es höchste Zeit, dem bahnbrechenden Künstler einmal wieder eine Werkschau zu gönnen.

Im Sprengel Museum ist aktuell die Ausstellung „Umbo. Fotograf“ zu sehen, die über 200 Arbeiten Umbos zeigt und auch Dokumente aus seinem Nachlass präsentiert. Es gilt einen der wichtigsten Vertreter der Neuen Sachlichkeit neu zu entdecken, der sich mit seinen schonungslos expressiven Portraits und seinen Werken zum Thema Großstadt aus der Sicht eines Flaneurs schon vor fast hundert Jahren unsterblich gemacht hat.

Mittwoch, 3. April 2019:
„Umbo. Fotograf“, Ausstellung, Sprengel Museum, Kurt-Schwitters-Platz, 30169 Hannover, geöffnet: 10-18 Uhr, Eintritt: 7 Euro, ermäßigt: 4 Euro

  • Die Ausstellung ist noch bis zum 12. Mai zu sehen
  • Öffnungszeiten: Di 10-20 Uhr, Mi bis So 10-18 Uhr
  • freitags Eintritt frei

(Foto: Pressefoto/Herling/Sprengel Museum/© Phyllis Umbehr/Galerie Kicken Berlin/VG Bild-Kunst, Bonn 2019)

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Kategorien: Kunst, Tagestipps

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