Roman Kansy
11. April 2019

Wie wir zu einer vernunftbasierten Kommunikation zurückfinden können

Die Veranstaltungsreihe Herrenhäuser Gespräche geht in die 55. Runde und befasst sich heute mit der Krise der politischen Kommunikation

Kommunikationsethisch ist die Politik auf dem Weg in den Totalausfall – heute sollen Lösungen diskutiert werden

Jedem, der die mehr oder weniger politischen Diskussionen der letzten Jahre verfolgt hat, sollte eine Sache nicht entgangen sein: der neue Ton, der in die Diskussionsrunden eingezogen ist. Er ist rauer geworden, weniger eloquent, dafür reicher an Schlagworten, die, je roher sie sind, umso beliebter scheinen. Man könnte es auch BILD-Schlagzeilen-Jargon nennen. Wenig Grammatik, noch weniger Finesse, dafür mehr Vorschlaghammer. Bezeichnend, dass gerade die Rechtspopulisten mit ihrem Patriotismus die feinen kommunikativen Nuancen der deutschen Sprache mit Füßen treten.

Aber damit ist die Problematik noch nicht erschöpfend benannt: Denn nicht nur der Tonfall gleicht mehr jenem Barbarentum, vor dem uns die Rechtspopulisten zu beschützen vorgeben. Wenn es einen Begriff gibt, der sich in den letzten Jahren durch jeden digitalen und analogen Raum gefressen hat, dann ist es der der „Fake News“. Jene schnell zu verbreitenden Lügen mit höchster politischer Brisanz, die jeder ernstgemeinten Diskussion den Boden entziehen. Statt die Kommunikation der immer schneller, immer verschachtelter und somit immer komplizierter werdenden Welt anzupassen, erleben wir mit der populistischen Simplifizierung der Sprache gerade eine dialektische Gegenreaktion zur technokratischen Sprache der Politik. Wenn es keinen empirischen Boden mehr gibt und das Grölen debiler Phrasen weiter als Mittel der Wahl an Beliebtheit gewinnt, steht es schlecht um die politische Diskussionskultur.

Wie dieser doch tiefgreifenden Problematik sinnvoll und zielführend zu begegnen ist, soll heute Abend im Xplanatorium des Herrenhäuser Schlosses diskutiert werden. Gemeinsam mit Vortragenden wie Robert Habeck (Die Grünen), Astrid Séville (Institut für Politische Wissenschaft, LMU München), Ferdos Forudastan (Süddeutsche Zeitung) und Henning Lobin (Leibniz-Institut für Deutsche Sprache) sollen Antworten gefunden werden. Dabei stehen Fragen nach der dialektischen Notwendigkeit populistischer Sprache im Raum oder welche Verfalls- und Verarmungsprozesse politischer Sprache sich global beobachten lassen. Münden wird dies in der Suche nach einer Antwort, wie wir als Staat zu einer produktiven Kommunikation zurückfinden können, die auf Vernunft statt auf Lautstärke fußt. Für das heutige Herrenhäuser Gespräch stehen 320 Sitzplätze zur Verfügung, die Türen öffnen 45 Minuten vor Beginn und werden pünktlich geschlossen. Auf einen produktiven Abend!

Donnerstag, 11. April 2019:
„Der Sound der Macht – Die Krise des politischen Sprechens“, Herrenhäuser Gespräche, Xplanatorium Schloss Herrenhausen, Herrenhäuser Straße 5, 30419 Hannover, Beginn: 19 Uhr, Eintritt frei

(Foto: Pressefoto/VolkswagenStiftung)

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Kategorien: Politik, Tagestipps

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