Susanne Viktoria Haupt
29. April 2019

Trash als Kult

Die Ballhof Café-Piloten gehen heute in die dritte Runde und zeigen ihre Musical-Inszenierung des Trash-TV-Hits „Verklag mich doch!“

"Verklag mich doch", Szenenfoto

Sorgte von 2011 bis 2014 für allerhand Unterhaltung im Privatfernsehen: „Verklag mich doch!“, Szenenfoto der Ballhof Café-Piloten

Ich dachte eigentlich, dass das Trash-TV seine Hochzeit rund um die Jahrtausendwende gehabt haben muss. Damals, als man noch nachmittags den ein oder anderen Privatsender eingeschaltet hat und sich Talkshows und Pseudo-Gerichtssendungen hingegeben hat. War das nicht herrlich schräg? Ein Klassenkamerad von mir hatte damals bei einer berühmten Pseudo-Gerichtssendung sogar eine Rolle als Statist und hey, so auf dem Dorf haben wir ihn fast alle darum beneidet. Im Anschluss an „Arabella“, „Richterin Salesch“ und all die anderen wurde aus dem einst so geliebten Trash dann aber nur noch so richtig schlechtes Fernsehen. Eigentlich komplett zum Ausschalten. Nur hier und da gab es noch trashige Lichtgestalten, die in die Fußstapfen unserer Jugend-Heldinnen und Helden treten sollten.

Ganz sicher gehörte dazu auch das TV-Format „Verklag mich doch!“, das tatsächlich so dermaßen schlecht war, dass ich bisher noch nie eine ganze Folge geschafft habe. So schlecht, dass selbst Richter Alexander Hold von seinem Richterstuhl gekippt wäre. Und Richterin Salesch hätte dafür mindestens lebenslange Bewährung gegeben. „Verklag mich doch!“ war so schlecht, so trashig, dass es jenseits aller Grenzen existierte. So schlecht und trashig, dass man nicht lachen konnte, sondern völlig ungläubig vor dem Fernseher saß und mit offenem Mund auf den Bildschirm starrte. So schlecht, dass es schon wieder gut, dann wieder schlecht und zum Schluss schon wieder fast gut war. Ja, das war eben „Verklag mich doch!“.

Die Ballhof Café Piloten sind nun so mutig und präsentieren heute zu Ehren des Trashs eine Folge der Reihe „Verklag mich doch!“ live auf der Bühne. Damit das noch unterhaltsamer wird, haben sie nicht nur das originale Skript benutzt, sondern auch noch selbstständig eine Musical-Variation des Formats erschaffen.

Die Story ist dabei so simpel wie eingängig. Stefan Schubert (Emre Cenit) hat seinen Job verloren und sucht nun nicht nur nach einer neuen Geldquelle, sondern auch nach neuen Herausforderungen. Da kommt ihm sein alter Traum von einem eigenen Restaurant gerade gelegen. Gemeinsam mit seiner Frau Nicole (Maraia Jakimov), die dabei die Küche übernehmen soll, wird ganz schnell ein Restaurant gesucht. Während die beiden sämtliche Ersparnisse in den Traum stecken, und sich dabei auch noch hier und da etwas übers Ohr hauen lassen, sind die Kinder Tessa (Paula Wolf) und Jan (Florian Haupt) so gar nicht vom neuen Familienunternehmen überzeugt. So richtig dicke kommt es aber erst, als Gastronom Kalle Peterson (Paula Lindenmann) alles versucht, damit sich in seiner Nachbarschaft keine Konkurrenz breit macht. Und erst recht nicht das neue Restaurant der Schuberts. Hier bahnt sich doch ein ganz heißer Rechtsstreit an!

Durch das Stück führt natürlich der aufdringliche und besserwisserische Rechtsanwalt Michael Klagge (Sophie Wendel), eine Stimme aus dem Off, außerdem erklingen bekannte Hits aus der Pop- und Musical-Geschichte. Wer es heute nicht schaffen sollte, der hat übrigens am 16. Mai noch eine zweite Chance. Außerdem kann man sich zur großen Ballhof Café Piloten-Matinée am 11. Mai einfinden. Da werden auf der Bühne des Ballhof Cafés gleich drei Folgen des neuen Formates hintereinander gezeigt.

Montag, 29. April 2019:
Ballhof Café Piloten: „Verklag mich doch! – Das Musical“, Ballhof Café, Knochenhauerstraße 28, 30159 Hannover, Beginn: 19 Uhr, Eintritt: 5 Euro

  • weiterer Aufführungstermin:
  • Donnerstag, 16. Mai, 19 Uhr

(Foto: Pressefoto/Niedersächsisches Staatstheater)

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Kategorien: Bühne, Tagestipps

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